Die Mischung macht’s beim Trinkwasser in Pottiga

Birkenhügel/Pottiga.  Hohe Nitratkonzentration in den Quellen Pottigas wird durch Zugabe weiteren Trinkwassers drastisch gesenkt

Der hohe Nitratwert der Quellen Pottigas kommt aber nicht beim Verbraucher an. Denn das Wasser wird mit anderem nitratarmen Wasser gemischt.

Der hohe Nitratwert der Quellen Pottigas kommt aber nicht beim Verbraucher an. Denn das Wasser wird mit anderem nitratarmen Wasser gemischt.

Foto: Oliver Berg / dpa

Ein Blick in den Trinkwasserparameter, wie ihn beispielsweise der Zweckverband Wasser und Abwasser Lobensteiner Oberland online zur Verfügung stellt, lohnt sich. So können bei neueren Geschirrspülmaschinen oder Waschmaschinen die Wasserhärte angepasst werden, um Reinigungsmittel sparsamer einzusetzen. Aber auch der Nitratgehalt des Trinkwassers ist von großer Bedeutung. In Birkenhügel und Pottiga in der Gemeinde Rosenthal am Rennsteig ist dieser aber ungewöhnlich hoch.

Laut dem aktuellen Trinkwasserparameter (Stand 31. Dezember 2019) liegt der Nitratgehalt an der Trinkwasseraufbereitungsanlage (TWA) Pottiga bei 37,9 mg/l. In den Orten Pottiga und Birkenhügel, die laut Auflistung von dort mit Wasser versorgt werden, sinkt der Wert aber schlagartig auf 0,4 mg/l. Ein kurioser Wert hinter dem sich eine komplizierte Geschichte verbirgt, wie Sten Meusel, Geschäftsleiter des Zweckverbandes Wasser und Abwasser Lobensteiner Oberland (Walo) gegenüber dieser Zeitung erklärt.

Wasseraufkommen sinkt immer weiter

„Bis zum Jahr 2018 wurden die Orte Birkenhügel und Pottiga aus der Anlage Pottiga versorgt, die Rohwasser aus den Quellen Pfütz und Pflanzgarten bei Birkenhügel und den Quellen Krallersbach bei Pottiga sowie dem Tiefbrunnen Pottiga aufbereitete“, so Sten Meusel. Dann sank das Wasseraufkommen der Quellen deutlich. Um die Versorgung mit ausreichend Trinkwasser für beide Orte zu gewährleisten, wurde eine alte Leitung zum Zweckverband Wasser/Abwasser „Obere Saale“ reaktiviert.

Seither versorgt auch die TWA Blintendorf den Ort Birkenhügel mit Trinkwasser. Lediglich Pottiga wurde weiterhin ausschließlich mit Trinkwasser aus der TWA Pottiga beliefert. Aber auch das wurde in diesem Jahr zu einem Problem. Denn das Wasser der Quelle Krallersbach und des Tiefbrunnens Pottiga weisen erhöhte Nitratwerte auf.

Schiefergestein anfällig für Einträge

Als Ursache für die hohen Nitratkonzentrationen bei der TWA Pottiga nennt Sten Meusel die Bewirtschaftung der Felder oberhalb der Quellen Krallersbach. Zumal die Böden des Thüringer Schiefergebirges mit ihren Klüften sehr anfällig für erhöhte Einträge von der Oberfläche seien.

Grundsätzlich gelten aber die Schutzmaßnahmen der Trinkwasserschutzzonen. In der ersten Zone ist gar nichts erlaubt. Sie ist in unmittelbarem Umfeld der Quellen oder in einem Zehn-Meter-Radius um einen Brunnen. Danach kommt die zweite Zone, in der nur eine sehr geringe Beweidung und eine sehr mäßige Düngung von Feldern mit Stallmist erlaubt sind. Ablagerungen von Mist oder Gülle sind daher verboten. Ob diese Vorgaben eingehalten werden, obliegt der Kontrolle durch die untere Wasserbehörde des Landratsamtes. „Sollte ein bestimmter Stickstoffwert im Boden überschritten werden, bekommt der Landwirt keine Entschädigungszahlung, die er sonst für die verringerten Erträge und die erhöhten Aufwendungen erhält“, sagt der Walo-Geschäftsleiter.

Mischung aus verschiedenen Quellen

Damit nicht das nitratreiche Wasser der TWA Pottiga den Verbrauer erreicht, mussten Maßnahmen getroffen werden. „Daher entschieden wir uns in diesem Jahr, Trinkwasser aus dem Versorgungsgebiet Schlegel beziehungsweise Blankenberg in Pottiga einzuspeisen“, führt der Walo-Geschäftsleiter weiter aus. Zusammengefasst wird Birkenhügel also aktuell aus Pottiga und Blintendorf mit Trinkwasser versorgt, während in Pottiga selbst Wasser von der eigenen Anlage und der TWA Schlegel aus dem Hahn fließt.

Der Nitratgehalt des Wassers aus der TWA Pottiga wird also derzeit durch das Mischen mit nitratarmen Wasser aus anderen Quellen gesenkt. Dies ist eine kostengünstigere Lösung als die aufwendige Nitratentfernung, wie Sten Meusel erklärt. Er merkt aber auch an, dass der Zweckverband die Anforderungen der Trinkwasserverordnung einhält. Als Grenzwert ist ein Nitratwert von 50 mg/l festgesetzt, bei der TWA Pottiga liegt er bei 37,9 mg/l. Daher bestand auch vor den Maßnahmen des Zweckverbandes keine Gefahr für kleine Kinder und Säuglinge, für die eine Nitratbelastung über 50mg/l gefährlich werden kann.