Justiz

Eltern ersparen ihrem Sohn eine Aussage

Bad Lobenstein.  Gerichtsbericht: Einem Pärchen wird vorgeworfen, zwischen November 2018 bis Februar 2019, alle fünf Tage am Busbahnhof Schleiz Marihuana gekauft zu haben.

Am Busbahnhof in Schleiz hatten die Angeklagten eine Zeit lang alle fünf Tage Marihuana erworben.

Am Busbahnhof in Schleiz hatten die Angeklagten eine Zeit lang alle fünf Tage Marihuana erworben.

Foto: Peter Cissek

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Folgt man der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft, so erweckt der Busbahnhof in Schleiz den Eindruck eines Drogen-Umschlagplatzes. Jedenfalls wird einem Pärchen aus dem vogtländischen Bad Linda vorgeworfen, im Zeitraum von November 2018 bis Februar 2019 alle fünf Tage an diesem Busbahnhof drei Gramm Marihuana erworben zu haben. Bei einer Wohnungsdurchsuchung am 25. Februar 2019 stieß die Polizei dann auf Drogen und Utensilien für den Drogenkonsum, was natürlich alles vorläufig sichergestellt worden war.

Die Anklage gegen den 38-jährigen Mann und die 34-jährige Frau lautet nun auf vorsätzlichen unerlaubten gemeinschaftlichen Erwerb und Besitz von Betäubungsmitteln. „Was der Staatsanwalt gesagt hat, ist nicht verkehrt“, räumt der Angeklagte gleich alle Tatvorwürfe ein. Auch die Frau zeigt sich vollumfänglich geständig. Beide erklären sich zudem damit einverstanden, dass sämtliche sichergestellte Drogen und Utensilien eingezogen werden.

Geständnisse wirken strafmildernd

Das Gericht zeigt sich zufrieden. „Damit ersparen sie ihrem Sohn hier eine Aussage“, wendet sich der Richter an die Angeklagten. Wobei diesem freilich auch ein Zeugnisverweigerungsrecht zugestanden hätte. Strafmildernd wirken Geständnisse aber allemal.

Beide Angeklagte sind ohne Beruf und ordentlich verschuldet. An die 10.000 Euro schätzt der Mann seine Schulden, bei der Frau seien es mindestens 30.000 Euro. Sie befinde sich derzeit in der Privatinsolvenz. Schnell wird nach Mitschuldigen gesucht. Der leibliche Vater zahle keinen Unterhalt für den Sohn, wird dem Gericht erzählt.

„Trotz der Vielzahl der Fälle kann gegen den Angeklagten eine Geldstrafe verhängt werden“, sieht der Amtsanwalt in seinem Plädoyer von einer Haftstrafe ab. Beantragt wird eine Gesamtgeldstrafe von 1800 Euro. „Bei der Angeklagten sieht es anders aus“, verweist der Amtsanwalt auf eine laufende Bewährungsstrafe aufgrund eines Betrugsdelikts. Im Regelfall sei bei einer neuen Straftat die Bewährung zu widerrufen, verdeutlicht er. Zugleich hält er der Angeklagten zugute, dass die Straftat 2012 geschah und das Urteil erst 2014 verhängt worden war. „Das Bewährungsverhalten war positiv““, nimmt er Bezug auf den Bericht der Bewährungshilfe. Acht Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zu zwei Jahren Bewährung, so der Antrag für die Angeklagte. Zudem solle die Hausfrau 80 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Das Gericht folgt in seinem Urteil vollumfänglich dem Antrag.

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