Feuerwehr

Feuerwehrverband hat wenig Rückhalt

Bad Lobenstein.  In Bad Lobenstein kochte Streit zwischen Feuerwehrverband und Innenministerium hoch.

Wehrführer Denny Franz (v.l.), Emmanuel von Thaler und Christel Werner im Gespräch mit Innenminister Georg Maier.

Wehrführer Denny Franz (v.l.), Emmanuel von Thaler und Christel Werner im Gespräch mit Innenminister Georg Maier.

Foto: Oliver Nowak

Im Feuerwehrgerätehaus von Bad Lobenstein ist kurz vor den Landtagswahlen ein Konflikt hochgekocht, der landesweit Wellen schlug. Innenminister Georg Maier (SPD) drückte unter Anwesenheit zahlreicher Feuerwehrkräfte, Wehrführer und Stadtbrandmeister seinen Unmut über die Arbeit des Thüringer Feuerwehrverbandes aus. Dieser, so bestätigte Maier die Kritik der Einsatzkräfte, kümmere sich mehr um die Gestaltung neuer Uniformen, als um Einsatzkleidung oder -mittel. Zudem sei der Rückhalt des Verbandes bei den Wehren nicht so groß. In feuerwehrtechnischen Fragen fühlen sich die Einsatzkräfte nicht gut vom Verband vertreten.

Der Vorwurf einiger Einsatzsatzkräfte, der Verband habe keinen großen Rückhalt, trifft auf den Saale-Orla-Kreis offensichtlich zu. Weniger als die Hälfte aller Aktiven sowie aus den Altersabteilungen sind Mitglied im Verband. Von den 3319 Aktiven und Alterskameraden sind lediglich 1539 Mitglied im Feuerwehrverband. Das entspricht 46,4 Prozent. Im Freistaat Thüringen sehen die Zahlen anders aus. Laut Brand- und Katastrophenschutzbericht des Innenministeriums gibt es 34.762 aktive Einsatzkräfte und 11.940 Alterskameraden. 37.347 von diesen, das entspricht 79,97 Prozent, sind im Feuerwehrverband über ihren Feuerwehrverein organisiert.

Feuerwehrverband attackiert Innenminister

Der Thüringer Feuerwehrverband schoss auf die Kritik der Einsatzkräfte und des Innenministers mit einem offenen Brief zurück. In diesem schreibt Verbandsvorsitzender Lars Oschmann (CDU), der Innenminister habe „eine rote Linie überschritten“. „Nein, Herr Minister, unser Verband beschäftigt sich nicht ‘nur’ mit Uniformen, auch wenn diese nicht ganz unwichtig sind“, heißt es weiter in dem offenen Brief. Neben der Kritik, der Innenminister habe die Arbeit ehrenamtlicher Feuerwehrangehöriger und die des Verbandes auf „unhaltbare Weise“ abgewertet, beklagt Oschmann die „unhaltbaren Zustände“ an der Thüringer Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule (TLFKS) in Bad Köstritz. Es fehle „vor allem an Fachpersonal, um den tatsächlichen Bedarf an Lehrgangsplätzen (...) absichern zu können.“ Der bauliche Zustand, insbesondere des Unterbringungsgebäudes sei „skandalös“.

Schulleiter betont Qualität der Ausbildung

Der Leiter der TLFKS, Jörg Henze, macht keinen Hehl daraus, dass Gebäude der Schule in einen bedauernswerten Zustand sind, aber: „Wir haben sieben neue Stellen bekommen, zum 1. April 2020 haben wir einen vollen Stellenplan. Die alte Regierung hatte uns zuvor eine Abbauverpflichtung von fünf Stellen auferlegt“, stellt Jörg Henze klar. Von den fünf Stellen, welche die CDU-Regierung streichen wollte, sei nur eine abgebaut worden. Eine Reinigungskraft wurde ausgegliedert. „Unter Innenminister Maier hat es einen riesen Ruck gegeben“, sagt der Schulleiter.

Vieles sei in die richtigen Bahnen gelenkt, Bauanträge abgearbeitet worden. „2020 bekommen wir eine moderne Atemschutzanlage und eine moderne Tunnelanlage mit Nebengebäuden, in denen wir viel und ganzjährigen ausbilden können“, erklärt er. Ende 2020 soll zudem der Bau einen Übungshalle und einer Fahrzeughalle beginnen. Die Sanierung der Unterkunftsgebäude soll 2024 abgeschlossen sein. „Bei so großen Vorhaben müssen wir auch die europaweiten Ausschreibungen beachten sowie Machbarkeitsstudien erstellen“, gibt er zu verstehen. Leider werde immer sehr viel über den schlechten baulichen oder personellen Zustand der Schule gesprochen. „Inhaltlich und fachlich sind wir aber sehr gut. Meine Mitarbeiter ackern bis zum Umfallen“, sagt Jörg Henze. Neben den Lehrtätigkeiten haben diese auch noch andere Aufgaben zu erfüllen, „weil wir keine Techniker haben“, erklärt er.

Innenminister antwortet auf Facebook

Innenminister Georg Maier antwortet auf den vom Feuerwehrverband ebenfalls auf Facebook veröffentlichten offenen Brief. „(...) ich bin seit zwei Jahren im Amt. Die Probleme an der TLFKS reichen weit in die Vergangenheit zurück. Einige Schritte habe ich bereits umgesetzt: Neue Stellen geschaffen, Feuerwehrzulage eingeführt, Beförderungen umgesetzt. Ich habe mich der Sache angenommen und einen klaren Plan. Den Verband erlebe ich dabei nur als Kritiker.“ Zudem schrieb der Minister, dass er es besser gefunden hätte, wenn Verbandsvorsitzender Oschmann das direkte Gespräch gesucht hätte, anstatt den Weg über die Medien zu gehen. „Das schadet der Sache mehr als es nutzt“, schrieb der Minister.

Der Bad Lobensteiner Wehrleiter Denny Franz lud in einem Facebook-Kommentar unter dem offenen Brief den Verbandsvorsitzenden ein, sich Probleme und Forderungen der Kameraden ebenfalls vor Ort anzuhören, wie es der Innenminister tat. Der Verband antwortet, dass er auf eine Einladung warte. Diese sendete Franz zu und bat um ein Treffen am 18. November. Eine Zusage hat er bis jetzt nicht erhalten.

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