Freispruch in Bad Lobenstein vom Vorwurf der Untreue

Bad Lobenstein.  Angeklagter sollte angeblich die Rente seiner pflegebedürftigen Frau abgezweigt haben.

Vom Vorwurf der Untreue ist ein Schleizer durch die Justiz freigesprochen worden.

Vom Vorwurf der Untreue ist ein Schleizer durch die Justiz freigesprochen worden.

Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

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Mit einem Freispruch endete der Prozess gegen einen 47-jährigen Mann aus Schleiz am Bad Lobensteiner Amtsgericht, dem seitens der Staatsanwaltschaft Untreue in 14 Fällen vorgeworfen worden war. Doch in der Hauptverhandlung ergab sich ein völlig neues Bild von dem Familienvater, der angeblich Geld vom Konto der pflegebedürftigen Ehefrau abgezweigt habe.

Krankheit führt zu Pflegebedürftigkeit

Die Familie ereilte ein schweres Schicksal. Im Jahr 2012 begann bei der Gattin eine Erkrankung, die sich als unheilbar herausstellen sollte und inzwischen den „Pflegegrad 5“ erforderlich macht. Bis März 2017 pflegte der Mann seine Frau zuhause, dann musste er sich schweren Herzens doch für die Aufnahme in ein Pflegeheim entscheiden. Bis Februar 2018 hatte er die Vorsorgevollmacht, dann gab er die Betreuung an den Staat ab. Der Beruf und die zwei Kinder im Alter von inzwischen neun und 14 Jahren ließen ihm keine andere Möglichkeit.

Eine Rechtsanwältin hatte die angebliche Untreuehandlung angezeigt. Als gerichtlich bestellte Betreuerin der pflegebedürftigen Frau war sie darauf aufmerksam gemacht worden, dass seit März 2017 die Heimkosten nicht bezahlt worden sind. Die Außenstände beliefen sich auf 7000 Euro. Die Anwältin war davon ausgegangen, dass der Ehemann die monatliche Rente von etwas über 600 Euro seiner Frau von deren Konto in die eigene Tasche umgeleitet habe. Dabei würde diese Rente allein dem Heim zustehen. Daher war ihrerseits folgerichtig der Strafantrag gestellt worden.

Konto wurde gemeinsam genutzt

Doch die Hauptverhandlung zeigte, dass die Eheleute gemeinsam dieses betreffende Konto genutzt hatten. Dort waren zum Beispiel auch das monatliche Gehalt des Ehemanns sowie das Kindergeld eingegangen. Dieses Geld abzuheben und auch andere Verbindlichkeiten der Familie zu bedienen, sei legitim, so die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Eine „Vermögensbetreuungsverletzung“ konnte sie jedenfalls nicht erkennen und beantragte ihrerseits Freispruch. Was die offenen Heimkosten betreffe, so handele es sich hierbei um einen zivilrechtlichen Anspruch, stellte sie klar.

Die offene Forderung von 7000 Euro kennt der Angeklagte. „Deshalb befinde ich mich in der Privatinsolvenz“, erklärte er dem Gericht. Natürlich schloss sich dessen Verteidiger dem Antrag der Staatsanwaltschaft auf Freispruch an. „Untreue ist nicht nachzuweisen“, erklärte der Anwalt. Das Gericht folgte den Anträgen. „Nachweislich ist, dass von dem Konto Geld überwiesen worden ist. Aber nicht, ob dies die Rente der Frau war“, hieß es zur Urteilsbegründung. Dass die Rente nicht zur Begleichung der Heimkosten überwiesen worden ist, sei eine zivilrechtliche Angelegenheit und somit kein Fall für den Strafrichter.

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