Nötigung auf Vierseitenhof bei Schleiz verhandelt

Bad Lobenstein.  Zwei Aussagen zu einem Vorkommnis auf Vierseitenhof bei Schleiz

Der Streit zweier Geschwister wurde zu einem Fall für die Justiz.

Der Streit zweier Geschwister wurde zu einem Fall für die Justiz.

Foto: David Ebener / dpa

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Freunde kann man sich aussuchen, Verwandte nicht. Diese Weisheit würde vermutlich ein 66-jähriger Mann aus einem Dorf bei Schleiz sofort unterschreiben, der jetzt in Bad Lobenstein vor Gericht zitiert worden ist, nachdem ihn seine Schwester wegen Nötigung angezeigt hatte.

Streit um abgestelltes Auto

Im Oktober vorigen Jahres soll der Angeklagte auf einem gemeinsam bewohnten Anwesen seine Schwester barsch angegangen sein und ihr gedroht haben, sie solle „die Schnauze halten“, sonst „poliere“ er ihr diese. Es scheint, so ergibt es die Beweisaufnahme, ein angespanntes Verhältnis zwischen diesen Geschwistern zu bestehen.

In einem Vierseitenhof haben die beiden ihr Zuhause, wobei jeder sein eigenes Haus bewohnt, der Hof aber der Schwester gehört. Für den Bruder gebe es lediglich die Zufahrtsberechtigung zu einer Garage. Nun hatte laut Anklageschrift der Mann sein Auto auf dem Hof abgestellt, um die Bremsen zu reparieren.

Das missfiel offenbar der Schwester. „Ich habe ihn gefragt, was das sollte“, schildert sie als Zeugin vor Gericht, nachdem sie zuvor angab, von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht aufgrund des Verwandtschaftsverhältnisses keinen Gebrauch machen zu wollen.

„Es ging mir ums Prinzip“, räumt die Schwester ein und ergänzt, dass das Auto eigentlich niemanden behinderte hatte. „Dass er sein Auto dort nicht abstellen darf, muss er begreifen.“ Sie schiebt noch nach, dass das gesamte Anwesen vor fünf Jahren verkauft werden sollte, was der Bruder „vereitelt“ habe.

Verhältnis seit 20 Jahren angespannt

Schon seit 20 Jahren sei das Geschwisterverhältnis vergiftet, ist vom Angeklagten zu hören. Man wohne nebeneinander, nicht miteinander. „Das nennt man friedliche Koexistenz“, sagt der Angeklagte. Wenn seine Schwester etwas zu ihm sage, gehe es zum einen Ohr rein und zum anderen sofort wieder raus. Die ihm vorgeworfenen Worte habe er jedenfalls nicht geäußert.

Die Staatsanwaltschaft findet ihren Tatvorwurf bestätigt. „Ich sehe keinen Grund, warum die Zeugin uns hier einen Bären aufbinden sollte“, erklärt die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Zudem habe der Angeklagte schon eine Vorstrafe zu einem ähnlich gelagerten Sachverhalt. Sie beantragt daher eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 28 Euro. Durch den Angeklagten wird im letzten Wort beteuert: „Ich bin mir keiner Schuld bewusst.“ Eine Strafe werde er nicht akzeptieren.

Freispruch statt Geldstrafe

Das Gericht urteilt auf Freispruch. „Im Zweifel für den Angeklagten“, begründet der Richter sein Urteil. Er habe zwei gegensätzliche Aussagen. „Wenn das Gericht Zweifel hat, ist der Angeklagte freizusprechen.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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