Gutachten zur Höllentalbahn bei Blankenstein wird erwartet

Blankenstein.  Thüringen bemüht sich um die Überwindung der deutschen Trennung auf der Bahntrasse

Auf dem Gleis Richtung Süden endet die Schiene derzeit kurz hinter Blankenstein. Bürgermeister Peter Keller, Landtagsmitglied Ralf Kalich und Infrastrukturstaatssekretärin Susanna Karawanskij (von links) sprachen am Montag über den aktuellen Stand der laufenden Untersuchungen für eine mögliche Reaktivierung der Höllentalbahn.

Auf dem Gleis Richtung Süden endet die Schiene derzeit kurz hinter Blankenstein. Bürgermeister Peter Keller, Landtagsmitglied Ralf Kalich und Infrastrukturstaatssekretärin Susanna Karawanskij (von links) sprachen am Montag über den aktuellen Stand der laufenden Untersuchungen für eine mögliche Reaktivierung der Höllentalbahn.

Foto: Peter Hagen

Noch in diesem Sommer soll ein Umweltverträglichkeitsgutachten zur Reaktivierung der Höllentalbahn vorgelegt werden. Am Montag war zu erfahren, dass mit den Ergebnissen ursprünglich zum Ende des zweiten Quartals in diesem Jahr gerechnet worden ist, es aber coronabedingt zu einer zeitlichen Verzögerung gekommen sei.

Auf ihrer Tour durchs Oberland hatte Susanna Karawanskij (Linke), Staatssekretärin im Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft, von Schleiz über Gefell bis Blankenstein Gespräche zu den wichtigsten Infrastrukturproblemen geführt. Während beispielsweise in Gefell insbesondere Verkehrslenkungsmaßnahmen das Thema bestimmten, um die Innenstadt vom durchfließenden Schwerlastverkehr zu erlösen, gab es in Blankenstein Informationen zum aktuellen Stand bei den Bemühungen um eine Reaktivierung der Höllentalbahn. Dieses Vorhaben ist unter anderem Bestandteil des Masterplans Schienenverkehr für Thüringen, mit dem die Zahl der Fahrgäste bis 2030 in den Zügen verdoppelt werden soll. Abhängig gemacht wird hierbei die Reaktivierung der Höllentalbahn von der Erfüllung der im Freistaat Bayern geltenden Kriterien.

Thüringer Seite betreibt Verfahren

„Es gibt nun ein zweistufiges Verfahren“, erklärte Karawanskij. Den Beginn mache das Umweltverträglichkeitsgutachten, das sich in Arbeit befinde und nun zum Abschluss gebracht werde. Darin gehe es um einen Trassenentwurf und eine Kostenschätzung „um zu wissen, bei welcher Hausnummer wir landen“. Gesagt werden könne schon jetzt, dass die natürliche Quelle für die Mineralwasserproduktion im Höllental nicht gefährdet werde, war zu vernehmen. Als zweite Stufe werde die Planfeststellung für die zwar stillgelegte, aber nicht entwidmete Bahnstrecke folgen. „Das ist eine bahningenieurtechnische Feststellung, mit der die Genehmigungsfähigkeit der Reaktivierung geprüft wird“, sagte Karawanskij. Dieses gesamte Verfahren werde allein von Thüringer Seite betrieben. Gleichwohl gäbe es „politische Bemühungen auf höchster Ebene zwischen den beiden Ministerpräsidenten Ramelow und Söder“, hieß es.

Güterverkehr von Stellenwert

Karawanskij geht davon aus, das mit „Ausnahmetatbeständen“ gearbeitet werden müsse und für eine Reaktivierung insbesondere das öffentliche Interesse vorzuliegen habe. Auf die Kennziffer von mindestens 1000 Fahrgästen eingehend, die laut Deutsche Bahn täglich auf einer bestimmten Strecke unterwegs sein müssten, entgegnete Fritz Sell, 1. Vorsitzender der Verkehrsinitiative Höllennetz: „Es gilt auch den Güterverkehr in die Rechnung einzubeziehen.“ Wenn die Zahl der Fahrgäste im Schienenpersonennahverkehr nicht an die Kennziffer reiche, wäre noch immer das große Potenzial an Gütern zu berücksichtigen, die allein durch das Mercer-Unternehmen von der Straße auf die Schiene verlegt werden könnten.

Gemeinsame Erklärung erhofft

Landtagsmitglied Ralf Kalich (Linke) teilte mit, dass es ihm ein wichtiges Anliegen sei, wenn zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit im Oktober in Thüringen und Bayern von allen politischen Parteien, außer der AfD, eine gemeinsame Erklärung gegeben würde, die Überwindung der deutschen Trennung auch auf dieser Bahnstrecke zu fordern. „Die Oberfranken müssen den Mehrwert dieser Strecke erkennen“, sieht Kalich die größeren Probleme offenbar auf der bayerischen Seite.