Käsekuchen für den Dorffrieden in Haidefeld

Bad Lobenstein  Ein Nachbarschaftskonflikt führt ständig vor das Amtsgericht in Bad Lobenstein - damit soll nun Schluss sein.

Aufgrund von Nachbarschaftskonflikten wird das Amtsgericht immer wieder beschäftigt. Jetzt wird gehofft, einen Dauerstreit in Haidefeld durch ein Schlichtungsgespräch befrieden zu können.

Aufgrund von Nachbarschaftskonflikten wird das Amtsgericht immer wieder beschäftigt. Jetzt wird gehofft, einen Dauerstreit in Haidefeld durch ein Schlichtungsgespräch befrieden zu können.

Foto: Marco Kneise

Eine Kaffeerunde mit Käsekuchen soll den Kleinkrieg beenden, sobald persönliche Kontakte wieder möglich sind. So zumindest lautet der Vorschlag von Richter Jürgen Leitloff, der es leid ist, ständig mit einem Nachbarschaftsstreit aus Haidefeld beschäftigt zu werden.

Den Sohn fotografiert

In dieser Woche saß ein 49-jähriger Einwohner zum wiederholten Male auf der Anklagebank. Einer Nachbarin habe er ins Gesicht gesagt, dass sie "die größte Drecksau im Dorf" wäre, so die Anklage. Das hatte zunächst einen Strafbefehl wegen Beleidigung zur Folge gehabt, gegen den der Mann jedoch Einspruch einlegte. "Ich habe nur Drecksau gesagt", stellte der Angeklagte - aus seiner Sicht - erstmal richtig. Hintergrund des verbalen Schlagabtauschs wäre gewesen, dass sein Sohn von der Nachbarin fotografiert worden war, als dieser mit einem Rasentraktor durchs Dorf fuhr. "Die Frau tyrannisiert den ganzen Ort", so der Angeklagte. Für seinen Sohn deutlich hörbar habe sie bei dem verbalen Schlagabtausch geäußert, der "Drecksbengel" käme in ein Heim, dafür werde sie sorgen.

Polizist ist ratlos

"So richtig blicke ich schon gar nicht mehr durch", sagte der als Zeuge befragte Kontaktbereichsbeamte. Der 50-jährige Polizist ist weithin als kompetenter und stets um Konfliktbereinigung bemühter Beamter geschätzt und geachtet. Doch in diesem Fall seien die Fronten dermaßen verhärtet, dass auch er kein Patentrezept mehr habe. Ständig würden gegenseitig Anzeigen erstattet. "Beide müssten mal aufeinander zugehen", so der Polizist, "solche Nachbarschaftsstreitereien haben noch nie jemandem etwas gebracht." Ob er gemeinsam mit dem Bürgermeister ein Schlichtungsgespräch versuchen könne, wollte Richter Jürgen Leitloff von dem Polizisten wissen. Dies hielt auch Rechtsanwalt Thomas Pieles als Verteidiger des Angeklagten für den besten Weg.

Verfahren eingestellt

Sie könne sich ein derartiges klärendes Gespräch durchaus vorstellen, räumte die in der Beweisaufnahme als Zeugin gehörte Nachbarin ein. "Das Verfahren wird eingestellt", verkündete das Gericht. "Sie setzen sich bitte bei einem Stück Käsekuchen zusammen und sprechen sich aus", gab der Richter mit auf den Weg.