Meine Meinung

Kampf gegen Gespenster

Sophie Filipiak über Antisemitismus

Eine Puppe brennt lichterloh. Auf ihr steht „Jude“ geschrieben. Daneben sieht man einen Mann. Hasserfüllt blickt er auf das Bündel, das er selbst angezündet hat. Umringt wird er von zahlreichen Männern, die Plakate mit eindeutigen Botschaften in die Höhe halten. Diese Aufnahme ist im Film „Wir sind Juden aus Breslau“ zu sehen. Sie stammt nicht aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Diese Szene wurde 2015 im heutigen Wroclaw bei einem Aufmarsch festgehalten.

„Wir haben wieder mit Gespenstern zu kämpfen“, erklärt Regisseur Dirk Szuszies. Die Geister der Vergangenheit spuken wieder in unserer Gesellschaft herum. Rassismus, Antisemitismus und Faschismus werden öffentlich zur Schau gestellt – das Verbrennen einer Puppe ist da nur der Anfang.

Daher sind Filme wie „Wir sind die Juden aus Breslau“ so wichtig. Die Menschen, die dort zu Wort kommen, haben das Grauen des Holocaust miterlebt. Berichten eindringlich, wie sie von ihren Angehörigen getrennt wurden – entweder durch Flucht ins Ausland oder durch die Gaskammern der Konzentrationslager. Sie mussten sich ein völlig neues Leben aufbauen, das nicht immer rosig war.

Die Geschichten der Überlebenden machen auch deutlich, dass sich die Geschichte nicht wiederholen darf. Die Geister der Vergangenheit dürfen nicht die Oberhand in unserer Gesellschaft erlangen.

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