Kandidaten wider Willen in Thimmendorf

Remptendorf  Am Sonntag ist Stichwahl für das Amt des Ortsteilbürgermeisters – aber eigentlich will den Job niemand machen

In Thimmendorf wird es Sonntag noch einmal richtig spannend – denn per Stichwahl wird ein neuer Ortsteilbürgermeister gewählt.

In Thimmendorf wird es Sonntag noch einmal richtig spannend – denn per Stichwahl wird ein neuer Ortsteilbürgermeister gewählt.

Foto: Sophie Filipiak

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Wer der neue Ortsteilbürgermeister in Thimmendorf wird, entscheidet sich am kommenden Sonntag bei einer Stichwahl. Die Bürger können ihre Stimme entweder für Cornelia Mahler oder für ­Roland Grau abgeben. Es gibt da aber ein Problem: Beide Kandidaten wollen den Posten des Ortsteilbürgermeisters gar nicht annehmen.

Der Remptendorfer Gemeinderat hat im vergangenen Jahr eine Änderung der Hauptsatzung beschlossen. Demnach sollten die Ortsteilverfassungen und eben das Amt des Ortsteilbürgermeisters bis zur Kommunalwahl bestehen bleiben. ­Danach aber sollen sie aufgelöst werden. Hintergrund war, dass die eigentlichen Aufgaben der Ortsteilbürgermeister im Laufe der Jahre immer mehr von Vereinen übernommen wurden. Anstatt den Ortsteilbürgermeistern Aufwandsentschädigung zu zahlen, sollten die Vereine direkt eine finanzielle Hilfe von der Gemeinde erhalten, um das kulturelle und soziale Leben in den Ortsteilen zu fördern.

Jedoch war nicht jeder mit dieser Neuerung einverstanden. Die Ortsteile Burglemnitz, Thimmendorf, Liebengrün, Remptendorf und Weisbach behielten dank einiger Proteste ihre eigene Verfassung und ihre Selbstverwaltung.

Daher wurden in diesen Dörfern auch am 26. Mai ein Gemeinderat und ein Ortsteilbürgermeister gewählt. In Burglemnitz gewann Bernd Schleitzer mit 61 Stimmen. Insgesamt wurden dort 62 gültige Stimmen abgegeben.

Eindeutig auch das Ergebnis in Liebengrün. Von 213 gültigen Stimmabgaben erhielt Gordon Stockburger 206 Stimmen. Elfriede Wetzel bleibt Ortsteilbürgermeisterin von Remptendorf mit 426 von 443 Stimmen. Für Hubert Rosbach stimmten 70 Weisbacher, somit ist er deren Orteilbürgermeister.

Thimmendorf war aber bei der Kommunalwahl eine Sache für sich. Denn weder für den Ortsteilrat noch für den Ortsteilbürgermeister gab es genügend Vorschläge. Daher konnten die Wähler in Thimmendorf fast jeden für das Amt des Ortsteilbürgermeisters nominieren – egal ob dieser das wollte oder nicht. 124 Thimmendorfer haben ihre Stimme abgegeben, mehr als die Hälfte der Wahlscheine war aber ungültig. Cornelia Mahler und Roland Grau erhielten jeweils 19 und 11 Stimmen. Da aber bei der Wahl keiner der beiden mehr als die Hälfte der abgegebenen gültigen Stimmen erhalten hat, muss laut Thüringer Kommunalwahlordnung eine Stichwahl angesetzt werden. „Wir haben da leider keinen Spielraum“, so Remptendorfs hauptamtlicher Bürgermeister Thomas Franke (CDU).

Der 66-jährige Roland Grau ist wenig von dem Verlauf der Geschehnisse begeistert. „Ich weiß, nicht warum die Leute für mich gestimmt haben“, erklärte er gegenüber dieser Zeitung. „Ich habe mich jedenfalls nicht aktiv beworben.“ Vor und einige Zeit nach der Wende war er im Thimmendorfer Rat tätig. „Vielleicht haben mich die Leute deswegen vorgeschlagen.“ Seinen Widerwillen gegen sein mögliches Amt als Ortsteilbürgermeister ist deutlich zu spüren. Er hat sich sogar an das Landesverwaltungsamt gewandt, mit der Frage, ob er irgendwie nicht an der Stichwahl teilnehmen kann. Die Antwort war negativ. „Für mich steht fest, dass ich mein Mandat sicher nicht annehmen werde“, macht er deutlich.

Auch Cornelia Mahler wird – falls sie die Stichwahl für sich entscheiden sollte – das Amt nicht annehmen. Bis jetzt ist sie noch amtierende Ortsteilbürgermeisterin. „Ich habe aber offen und ehrlich gesagt, dass ich das nicht weiter machen werde“, erzählt sie. Denn im vergangenen Jahr wurden in allen Ortsteilen Remptendorfs Einwohnerversammlungen abgehalten, um die Bürger über die mögliche Aufhebung der Ortsteilverfassung aufzuklären. „Einige Thimmendorfer bestanden aber auf die Selbstständigkeit“, erinnert sich Cornelia Mahler. „Ich habe ihnen gleich gesagt, dann sollen sie sich um das Amt bewerben, ich mache das nicht mehr.“ Ebenso wie Roland Grau betont sie, dass sie sich nicht selbst als Ortsteilbürgermeister beworben hat. „Jetzt kommen wir leider nicht um die Stichwahl drum herum.“

Meine Meinung: Sophie Filipiak über die Stichwahl in Thimmendorf Die Stichwahl des Ortsteilbürgermeisters in Thimmendorf findet am Sonntag, 9. Juni, von 8 bis 18 Uhr, im Versammlungsraum Alte Schule in Thimmendorf statt

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