Familientradition

Kein Nachfolger für Eisenwarenhandel in Bad Lobenstein

Bad Lobenstein.  Gudrun und Gerhard Fischer betreiben ihr Geschäft in dritter Generation auch im kommenden Jahr weiter

Gudrun und Gerhard Fischer in ihrer Eisenwarenhandlung in Bad Lobenstein.

Gudrun und Gerhard Fischer in ihrer Eisenwarenhandlung in Bad Lobenstein.

Foto: Peter Hagen

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„Die Frage, wann wir unseren Laden zumachen, kommt zurzeit sehr oft. Meine Antwort lautet dann stets, wir schließen heute um 18 Uhr.“ – Mit trockenem Humor reagiert Gerhard Fischer auf das sich hartnäckig haltende Gerücht, dass die Eisenwarenhandlung in der Bad Lobensteiner Poststraße zum Jahresende schließen werde. Und zwar für immer. Dem ist aber nicht so!

Alfred Steinmüller gründete im Jahr 1921 das Geschäft

In dritter Generation führt Gerhard Fischer das Geschäft gemeinsam mit seiner treuen Seele Gudrun. Morgens ab 8 Uhr öffnet der Laden und ist in der heutigen Zeit der großen Baumärkte und des Online-Handels sicherlich so etwas wie ein Exot. Übrigens gibt es eine Erklärung dafür, warum das Geschäft schon so früh am Morgen den Einkauf ermöglicht. Das liegt in der Historie begründet. „Mein Großvater hatte das so eingeführt“, erklärt Gerhard Fischer, „denn damals kam früh um 8 Uhr der erste Zug aus Blankenstein und Harra. Die Handwerker haben dann geholt, was sie brauchen, und sind 8.30 Uhr mit dem Zug zurückgefahren.“

Das 100. Firmenjubiläumsteht infrage

Großvater Alfred Steinmüller hatte die Eisenwarenhandlung 1921 gegründet. Seither ist es möglich, von der kleinsten Schraube und Unterlegscheibe bis zur Arbeitsmaschine zu erwerben, was in Haus, Hof und Handwerk so alles benötigt wird. Im Jahr 1953 verunglückte Alfred Steinmüller tödlich, da übernahm Reinhold Fischer in zweiter Generation das Geschäft und führte es bis Anfang 1987. Junior Gerhard Fischer, ausgebildeter Bauingenieur, war schon seit 1983 im Laden mit tätig, absolvierte zusätzlich die Ausbildung zum Fachverkäufer und setzte dann die Familientradition fort.

Nach 1990 wurde das Geschäft komplett umgebaut und modernisiert. Wo sich einst das nicht beheizbare Lager befand, entstand der neue Verkaufsraum. Dort findet der Kunde von der kleinsten Schraube oder Unterlegscheibe bis hin zu den Leitern, die bei den größten Artikeln zu finden sind, die berühmten Waren des täglichen Bedarfs. Die 1000 kleinen Dinge, die unentbehrlich sind. Deshalb vielleicht auch die Sorge bei vielen Alteingesessenen, dass dieses Geschäft bald für immer schließen könnte.

„Machen wir uns nichts vor, alle werden älter“, holt Gerhard Fischer aus. Er ist jetzt 67, seine Frau, die noch regelmäßig mit im Geschäft steht, 66. Und in der eigenen Verwandtschaft deutet sich keine Nachfolge für die Eisenwarenhandlung an. „Im kommenden Jahr wird der Laden 99“, sichert Gerhard Fischer zu. Zurückhaltender wird er bei der Frage, nach dem Firmenjubiläum. „Den 100. wird es für das Geschäft allem Anschein nach nicht mehr geben.“ Doch tagesaktuell ist das Thema Aufhören momentan nicht. Noch immer wird jeder erdenkliche Kundenwunsch erfüllt und falls etwas nicht vorrätig ist, nach der Bestellmöglichkeit gesucht. Ebenso selbstverständlich bleibt der Service. In jedem Fall ist die Eisenwarenhandlung jetzt noch Realität und irgendwann einmal Geschichte. Später.

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