Kraftakt in Bad Lobenstein bei Suche nach einem Trainingsraum

Bad Lobenstein.  In einem ehemaligen Autohaus können die Mitglieder des Lobensteiner Athleticvereins 93 e. V. seit Anfang Januar trainieren

Neues Domizil für den Lobensteiner Athleticverein 93 e. V.: Auf einer Fläche von 350 Quadratmetern stehen 30 Trainingsgeräte zur Verfügung.

Neues Domizil für den Lobensteiner Athleticverein 93 e. V.: Auf einer Fläche von 350 Quadratmetern stehen 30 Trainingsgeräte zur Verfügung.

Foto: Peter Hagen

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Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit stand im vorigen Jahr die Existenz eines Vereins auf dem Spiel, der zu den größten in der Region gehört. Dem Lobensteiner Athleticverein 93 e. V. waren vom Landkreis die Trainingsräume an der Schule im Hain gekündigt worden. Die Suche nach Alternativen gestaltete sich schwierig. Doch zum Glück fand sich dann ein ehemaliges Autohaus.

Ein Trabant als Übungsgerät

Ein Trabant parkt jetzt als einziges Auto in jenem Verkaufsraum, wo einst die neusten VW-Modelle um die Käufergunst warben. Doch dieser Trabi steht nicht zum Verkauf. Er ist auch gar nicht mehr fahrbereit, sondern gehört zu den etwa 30 Trainingsgeräten, mit denen die Kraftsportler ihre Muskeln stählen. Im ausgedienten Autohaus an der Heinrich-Behr-Straße hat der Athleticverein seine neue Heimat gefunden. Nach nervenaufreibenden Monaten. „Wir sind alle erleichtert“, freut sich Vereinsvorsitzender Volker Klinghammer.

Wie es der Vereinsname vermuten lässt, fanden sich die Kraftsportfreunde 1993 zusammen, um gemeinsam zu trainieren und Wettkämpfe zu bestreiten. Im Lobensteiner Athleticverein 93 e. V. gingen dabei der 1978 gegründete PSV Lobenstein sowie der aus der BSG Stahl hervorgegangene Lobensteiner Sportverein auf. „In der alten Berufsschule hatten wir unsere ersten Trainingsräume“, blickt Steffen Spörl zurück, unter dessen Regie heute der Wettkampfbereich läuft, „die Verhältnisse damals waren schlimm. Bei Regen stand in den Kellerräumen alles unter Wasser.“ Schrittweise wurde das Training in die benachbarte Turnhalle verlagert, bis 1994 alle Kraftsportgeräte dort untergebracht waren. Zu dieser Zeit zählte der Verein bereits stets um die 50 bis 60 Mitglieder, die im Fitness- oder Kraftsportbereich aktiv gewesen sind.

Kredit für Baumaßnahmen

Bis 2007 konnten die Räume in der Turnhalle genutzt werden, dann näherte sich deren Abriss. „Zuletzt hatten wir schon kein Wasser, keinen Strom und keine Heizung“, erinnert sich Ewgeni Derzapf an Trainingsstunden, die im Pullover absolviert worden sind. Sogar mit einem Notstromaggregat vorm Fenster wusste man sich zu helfen. Im angebauten Küchentrakt an der Schule im Hain boten sich schließlich nicht mehr genutzte Kellerräume als neues Vereinsdomizil an. Doch bevor die Trainingsgeräte dort stationiert werden konnten, waren fast einjährige Umbauarbeiten erforderlich. Sogar ein Kredit von 10.000 Euro wurde aufgenommen, um die Kosten für die Erneuerung von Elektroinstallation, Wasser- und Abwasserleitungen sowie des Fußbodens begleichen zu können. „Unterstützung gab’s nur von privaten Firmen“, ärgert sich Steffen Spörl noch heute, dass keinerlei Vereinsförderung aus der öffentlichen Hand floss.

Frühzeitig nach Lösung gesucht

Mit dem Bau des Schulzentrums zeichnete sich ab, dass für die Immobilie im Hain die Tage gezählt sind. Zumindest was die Nutzung durch den Landkreis betrifft. „Deshalb hatten wir schon frühzeitig nach Alternativen Ausschau gehalten und Lösungen gesucht“, berichtet Ewgeni Derzapf. Er machte sich an die Arbeit um ein Konzept aufzustellen, wie die Kellerräume in der Turnhalle im Hain gemeinsam mit anderen Sportvereinen genutzt werden können. Zahllose Gespräche wurden geführt mit dem Bürgermeister, im Landratsamt, mit Sportfreunden aus anderen Vereinen. „Üblich war es ja eigentlich bisher, dass nicht mehr genutzte Schulen den Kommunen zur Verfügung standen“, verweist Volker Klinghammer auf Harra und Blankenberg als Beispiele. Doch die Eigentumsverhältnisse bei der Schule im Hain sind andere.

Die Überlegung, aus dem Anbau an der Schule ein Haus der Vereine machen zu können, zerschlug sich rasch. Im März 2019 erreichte den Athleticverein die Kündigung zur Nutzung der Räume. Bis Juli hätte ursprünglich die Räumung erfolgen müssen. Noch während die Kraftsportler mit anderen Vereinen im Gespräch waren, um eine Lösung für die gemeinsame Turnhallennutzung zu finden, wurde ihnen im September der Strom abgestellt. „Wir waren davon ausgegangen, dass das mit der Turnhalle klappt. Aber das wurde aus versicherungsrechtlichen und brandschutztechnischen Gründen abgelehnt“, sagt Ewgeni Derzapf.

Umzug kurz vor den Feiertagen

Sämtliche öffentliche Einrichtungen in der Stadt waren nach geeigneten Trainingsräumen abgesucht worden. Vergeblich. Bis ein Kontakt zu Gabriele Jung zustande kam, die aktuell keinen Verwendungszweck für die Verkaufshalle ihres ehemaligen Autohauses hatte. Schnell wurde man sich für eine zunächst dreijährige Nutzung einig. Nach einer Dachsanierung und kleineren Umbauarbeiten, die Anfang November begannen, konnte am 14. Dezember der Umzug vom Hain in die Behr-Straße erfolgen. Insgesamt 77 Vereinsmitglieder leisteten über 750 Arbeitsstunden und sorgten dafür, dass am 2. Januar der Trainingsbetrieb an der neuen Vereinsstätte aufgenommen werden konnte. Aufatmen beim Verein, der heute 140 Mitglieder, einschließlich der Sektionen wie Karate und Kampfsport sogar 170 Mitglieder zählt.

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