Muldenkipper nach Kundenwunsch kommen aus Eliasbrunn

Eliasbrunn  Bei der Firma Reisch Fahrzeugbau rollt täglich ein Sattelauflieger aus der Montage

Bei der Firma Reisch in Eliasbrunn entstehen Kippsattelauflieger für die Land- und Bauwirtschaft. Im Bild Manuel Rieß bei Arbeiten an einem Muldenkipper.

Bei der Firma Reisch in Eliasbrunn entstehen Kippsattelauflieger für die Land- und Bauwirtschaft. Im Bild Manuel Rieß bei Arbeiten an einem Muldenkipper.

Foto: Peter Hagen

Sie rollen nicht nur in ganz Deutschland auf den Straßen, sondern auch in der Schweiz, in Österreich und neuerdings in Island: Fahrzeuge aus Eliasbrunn, die nach individuellen Kundenwünschen entstehen.

Konkret sind es so genannte Hinterkipper als Sattelauflieger, die in der Bau- und Landwirtschaft als gefragte Transportmittel benötigt werden. „Im Durchschnitt verlässt ein Fahrzeug pro Tag unsere Fertigung“, ist von Kundenbetreuer Frank Drechsel zu erfahren, als am Dienstag Landrat Thomas Fügmann und Mitglieder der Kreisverwaltung sowie des Kreistages dem Unternehmen einen Informations­besuch abstatten. Die Auftragslage sei gut und als Arbeitgeber empfiehlt sich der Reisch-Fahrzeugbau für Fachkräfte, die geregelte werktägliche Arbeitszeiten und freie Wochenenden einem Schichtdienst vorziehen.

Bürgermeisterin empfahl die Ansiedlung

Getreide, Kartoffeln, Baustoffe, Schüttgut – die Einsatzmöglichkeiten für die in Eliasbrunn ­gefertigten Muldenkipper sind vielfältig. Den Unterschied zu einem ähnlichen Unternehmen im Saale-Orla-Kreis macht die individuelle Fertigung nach Kundenwunsch, erklärt Produktionsleiter Marco Beyer. Als Beispiel zeigt er einen Thermo-Muldenkipper, mit dem es möglich ist, heißes Asphaltmischgut zur Straßenbaustelle zu bringen. Gleich daneben steht ein Großraum-Muldenkipper, an dessen drei Achsen extra breite Räder montiert sind, wie sie in der Landwirtschaft benötigt werden, um nicht zu tiefe Spuren auf den Feldern zu hinterlassen.

Ja, es gibt auch in dieser Branche einen harten Preiskampf auf dem Markt, wird bestätigt. „Aber wir sind froh noch jene Kundschaft zu haben, die bereit ist, den erforderlichen Preis für gute Qualität zu zahlen“, betont Marco Beyer.

Der Standort Eliasbrunn ist ein Zweigwerk des Unternehmens Reisch in Ehekirchen-Hollenbach im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Die Partnerschaft zwischen dem Saale-Orla-Kreis und dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen ist Zufall und war nicht ausschlaggebend dafür gewesen, dass sich das Unternehmen Reisch bei der Überlegung, einen weiteren Betrieb in den östlichen Bundesländern zu errichten, für einen Acker bei Eliasbrunn entschieden hatte. Es war die Zeit nach dem Mauerfall, als die Baubranche richtig aufblühte und demzufolge die Nachfrage nach Kippfahrzeugen förmlich explodierte. Doch die eigene Suche nach geeigneten Grundstücken verlief zunächst erfolglos und wurde nach sechs Monaten abgebrochen. Dann kam die damalige Bürgermeisterin von Eliasbrunn auf das Unternehmen zu. In der Firmenchronik ist festgehalten, dass Erika Locker von einem Landmaschinenhändler zufällig erfahren hatte, dass nach einem geeigneten Grundstück gesucht werde. Dann ging es ganz schnell, mit den 17 verschiedenen Eigentümern einer 43.000 Quadratmeter großen Fläche am Rande von Eliasbrunn einig zu werden, um dort im Juli 1991 mit dem Bau der ersten Produktionshalle zu beginnen. Schon im März des Folgejahres lief die Montage von Kippsattelanhängern mit damals 35 Beschäftigten an. Diese waren ein Jahr zuvor im Stammwerk Hollenbach eingearbeitet worden. Die Zahl der Beschäftigten stieg noch im gleichen Jahr auf 55. Es folgte der Anbau weiterer Hallen und heute sind es 65 Mitarbeiter, für die Mindestlohn kein Thema sei. „Würden wir nur Mindestlohn zahlen, wäre niemand mehr da“, beschreibt Marco Beyer, wie groß der Bedarf an Fachkräften ist.

Gleiches gelte für die Ausbildung. Bestätigt wird die Feststellung, dass sich inzwischen die Ausbildungsbetriebe bei den jungen Leuten bewerben müssen, denn rein statistisch kämen in der Region bereits zwei Lehrstellen auf einen Lehrling. Konstruktionsmechaniker mit dem Schwerpunkt Metall ist der in Eliasbrunn angebotene Ausbildungsberuf.

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