Ornithologen im Saale-Orla-Kreis auf Hinweise angewiesen

Oettersdorf.  Jürgen Auerswald vom Naturschutzbund-Arbeitskreis Dreba/Plothen recherchiert Geburtsorte der gesichteten Weißstörche.

Dieser Storch wurde vor einigen Tagen bei Oettersdorf gesichtet. Er wurde im Landkreis Schmalkalden-Meiningen geboren. 

Dieser Storch wurde vor einigen Tagen bei Oettersdorf gesichtet. Er wurde im Landkreis Schmalkalden-Meiningen geboren. 

Foto: NABU Archiv, Jantsch

Das Landratsamt Saale-Orla hat vor einigen Tagen die aktuellen Zahlen der Storchpopulation im Landkreis veröffentlicht. Aber nicht nur die Untere Naturschutzbehörde behält die Tiere im Auge. Ornithologisch Interessierte erfassen seit vielen Jahren die Bestände unserer heimischen Vogelwelt.

Einer von ihnen ist Jürgen Auerswald, ehrenamtlicher Ornithologe im Naturschutzbund-Arbeitskreis Dreba/Plothen. „Ich selbst bin auch seit vielen Jahren Vogelberinger und natürlich an jeder Rückmeldung oder Ringablesung von Kennringen interessiert“, sagt er. So auch im Fall eines Storches, der vor kurzem bei Oettersdorf gesichtet wurde. Werner Jantsch aus Zeulenroda hat das Tier fotografiert. „Die Fotografie sinnvoll eingesetzt, kann zur Kenntnis der Vogelforschung beitragen, wenn es eine gute Zusammenarbeit mit den Vogeljägern mit der Kamera gibt“, so Jürgen Auerswald. Werner Jantsch hat bereits in der Vergangenheit seine Fotos den Ornithologen zur Auswertung zur Verfügung gestellt.

Post von der Beringungszentrale

Dank der scharfen Aufnahme gelang Jürgen Auerswald ein guter Blick auf die Beringung des Storches. Den Fund meldete er der Beringungszentrale Hiddensee in Güstrow weiter. Die Einrichtung ist für die Beringung von Vögeln im östlichen Ostseeraum, Nordostdeutschland und Ostdeutschland zuständig. Die Zentrale schickten ihm die Daten zu dem Tier. Der nunmehr erwachsene Vogel wurde als junges Tier im Sommer 2018 gemeinsam mit seinen drei Geschwistern in Breitungen im Landkreis Schmalkalden-Meiningen beringt. Bis jetzt blieben die Versuche des gesichteten Vogels, Nachwuchs in die Welt zu setzen, erfolglos.

Dieses Problem haben derzeit viele Weißstörche im Saale-Orla-Kreis. Laut der Unteren Naturschutzbehörde wurden bis zu sechs Vögel gesichtet, viele auf stillgelegten Schornsteinen. In Thüringen ist es üblich, dass die meisten Paare der mit etwa vier Jahren geschlechtsreifen Weißstörche schon im März mit der Brut beginnen, teilt das Landratsamt mit.

Als Ursache für die geringen Jungenzahlen sieht die Untere Naturschutzbehörde den Mangel an ergiebigen Nahrungsquellen. Dabei stehen den Störchen ausreichend Nisthilfen zur Verfügung. Diese stellen Privatpersonen, der Naturschutzbund oder die Untere Naturschutzbehörde bereit. Bezeichnend für die fehlende Habitatqualität ist, dass im Plothener Teichgebiet mit zahlreichen Gewässern und viel Grünland schon seit Jahrzehnten keine Weißstörche brüten.

Von Nisthilfen auf Schornsteinen

Die Storche nehmen lediglich die Standorte auf Schornsteinen bei Oettersdorf und Geroda an. Die Oettersdorfer Nisthilfe ist seit 2014 belegt. Seither gab es vier erfolgreiche Bruten mit insgesamt acht ausgeflogenen Jungvögeln. Die Nisthilfe auf dem Schornstein der Agrar- und Dienstleistungsgenossenschaft Geroda wurde noch im Startjahr 2011 von Weißstörchen besetzt und seitdem jährlich genutzt. In zehn Jahren gab es sieben erfolgreiche Bruten mit 15 Jungvögeln. Laut Jürgen Auerswald ist das am längsten besetzte Nest im Saale-Orla-Kreis in Dreba. Es wurde 1958 auf einem Luftschacht des Wirtschaftsgebäudes bei Alfred Blöthner errichtet.

Die Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde sind nach wie vor für Hinweise auf geeignete Standorte für Nisthilfen dankbar – wohlwissend, dass die Vorhaben nicht immer umsetzbar sind. Hinweise an Frank Radon unter Telefon 03663/48 88 38.