Stalker traktiert in Bad Lobenstein das Auto seiner Verflossenen

Bad Lobenstein  Aus dem Gerichtssaal: Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen Beleidigung und Sachbeschädigung

Justitia urteilt unabhängig. (Symbolbild)

Justitia urteilt unabhängig. (Symbolbild)

Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Erst vor einem knappen Jahr saß der Stalker auf der Anklagebank im Bad Lobensteiner Amtsgericht. Unter anderem hatte er Steine gegen die Wohnungsfenster seiner ehemaligen Lebensgefährtin geworfen und die Frau dabei am Arm verletzt. Jetzt hatte er sich das Auto der Bad Lobensteinerin vorgeknöpft, die von ihm zudem noch übelst beleidigt worden ist.

Spiegel abgerissen

Folgerichtig lautete der Tatvorwurf gegen den 50-jährigen Mann aus Rosenthal am Rennsteig auf Beleidigung und Sachbeschädigung. Am 9. August vorigen Jahres gegen 5 Uhr morgens war er laut Anklage in der Straße der Jugend in Bad Lobenstein vorgefahren, stieg aus und traktierte einen geparkten Pkw Renault. Dieser gehört der 44-jährigen Frau, die nach einer kurzen Beziehung das Verhältnis zu dem Mann beendet hatte.

Durch das Hupen des Mannes war die Frau an dem Morgen wach geworden und ans Fenster gegangen. Er beleidigte sie mit schlimmen Schimpfwörtern und forderte Geld, schilderte die Zeugin. Dann habe sie sehen müssen, wie der Angeklagte mit dem Fuß gegen die Beifahrertür ihres Autos trat und beide Außenspiegel abbrach. Der angerichtete Sachschaden lag bei 4000 Euro.

Kein Anzeichen der Reue

Das Vorstrafenregister des Angeklagten reicht von schwerer Brandstiftung über Sachbeschädigung und Verleumdung bis zu Verstößen gegen das Gewaltschutzgesetz. Während der Hauptverhandlung machte er keinerlei Angaben zu den Vorwürfen – was einerseits sein gutes Recht ist, aber andererseits auch die Folge hatte, dass Amtsanwalt Ralf Kalski keine strafmildernden Umstände erkennen konnte.

Eine Freiheitsstrafe von acht Monaten, die für eine Dauer von zwei Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden könnte, war sein Antrag. Angesichts des einzig zur Verfügung stehenden Hartz-4-Einkommens beim Angeklagten sollten zudem 100 Stunden gemeinnützige Arbeit geleistet werden.

Letzte Chance vor Haftantritt

Das Gericht befand den Angeklagten für schuldig und verhängte eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt worden ist. Die Bewährungszeit wurde auf zwei Jahre festgelegt. Zudem sollen bis Ende September dieses Jahres 100 Stunden gemeinnützige Arbeit geleistet werden. „Lassen Sie die Frau endlich in Ruhe“, forderte Richter Jürgen Leitloff eindringlich den Angeklagten auf, jede Nachstellung unterbleiben zu lassen, „das ist jetzt die letzte Chance, dem Gefängnis zu entgehen.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.