Tür im Zaun des Autobahnparkplatzes Rodaborn muss nicht zwingend verboten sein

Rodaborn.  In Rheinland-Pfalz hält man sich an die „Empfehlungen für Rastanlagen an Straßen“ der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen

Für einige Reisende ist der Bratwurstverkauf über den Zaun am Autobahnparkplatz Rodaborn schon so etwas wie eine touristische Attraktion.

Für einige Reisende ist der Bratwurstverkauf über den Zaun am Autobahnparkplatz Rodaborn schon so etwas wie eine touristische Attraktion.

Foto: Peter Hagen

In Rheinland-Pfalz ist möglich, was im Bratwurstland Thüringen strikt unterbunden wird: eine Tür im Zaun eines Autobahnparkplatzes, durch die Reisende zu einem abseits gelegenen Bistro gelangen. Doch offiziell ist die „Marscherleichterung“ an der „Route 61“ im Landkreis Ahrweiler nicht.

Christina Wagner, die seit einigen Wochen wieder täglich den Bratwurstrost an der ehemaligen Autobahn-Raststätte Rodaborn anschürt und nach wie vor ihre Ware über den Zaun verkauft, hat die Bilder jederzeit zur Hand, die ihr aus Rheinland-Pfalz zugeschickt worden sind. Dort gibt es einen Parkplatz an der Autobahn 61, in dessen Nähe sich das „Bistro Route 61“ befindet, das werktäglich Speisen und Getränke bereithält. Die Gäste sind begeistert, wie Bewertungen im Internet zeigen. Allein schon die Fluchtmöglichkeit vor den Wucherpreisen, die in offiziellen Autobahn-Raststätten üblich sind, kommt bei den Reisenden offenbar an. Und die können den kürzesten Weg nehmen. Direkt durch eine Tür im Zaun, der sich am Autobahnparkplatz befindet. Es gibt sogar große Hinweisschilder, die den Weg markieren.

Kampf seit zehn Jahren

Davon kann Christina Wagner nur träumen. Seit zehn Jahren kämpft sie mit den Behörden darum, dass am westlichen Autobahnparkplatz Rodaborn der kurze Weg zu ihrem Bratwurststand ermöglicht wird. Denn offiziell müsste ein fünf Kilometer langer Umweg gefahren werden, obwohl zwischen Parkplatz und Rost nur wenige Schritte liegen. Eine Tür im Zaun ist zwar vorhanden, aber die bleibt verschlossen. Wie kommt es zu diesen Unterschieden in zwei Bundesländern? Gelten an der Bundesautobahn keine einheitlichen Regeln? Wir haben nachgefragt.

Die Suche nach den Zuständigen

Die Verbandsgemeinde Brohltal, auf deren Gebiet sich das „Bistro Route 61“ befindet, teilte mit, dass „im Rahmen der Erweiterung der Rastanlage von dem Unternehmen Tank- und Rast auch die Zaunanlage mit einem Durchgang für Fußgänger zum Industriegebiet und zurück errichtet worden“ sei. Für weitergehende Auskünfte sei das Unternehmen Tank & Rast zu befragen. Von dort hieß es wiederum, dass die Verkehrsanlage der Rastanlage Brohltal Ost „außerhalb des Zuständigkeitsbereiches von Tank & Rast“ liege. „Generell ist es so, dass die Verkehrsanlage der Verwaltung des Bundes und der Länder untersteht, die auch für den Bau und deren Betrieb verantwortlich sind“, so ein Sprecher der Tank & Rast-Gruppe. Im konkreten Fall sei der Landesbetrieb Mobilität die zuständige Straßenbauverwaltung.

„Möglichst wenig Unterhaltungsaufwand“

Vonseiten des Landesbetriebes Mobilität (LBM) Rheinland-Pfalz ist nun erklärt worden, wie es zu der Tür im Parkplatzzaun gekommen war. Demnach handele es sich dort zwar nicht um einen offiziellen Zugang. Jedoch sei man der seit 2011 geltenden „Empfehlungen für Rastanlagen an Straßen“ (ERS 2011), herausgegeben von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen, gefolgt. Laut dieser Empfehlung sollten Zäune so angelegt werden, „dass möglichst wenig Unterhaltungsaufwand verursacht wird“. An dem Parkplatzzaun habe sich zunächst nur ein Stichweg befunden, um die Zaunanlage zur Durchführung von Unterhaltungsmaßnahmen erreichen zu können. „Allerdings wurde der Zaun im Bereich dieses Stichwegs immer wieder geöffnet oder niedergetrampelt“, erklärte eine LBM-Sprecherin. „Aus diesem Grund wurde der Zaun durch ein Tor – im Sinne eines kontrollierten Zugangs – geöffnet, um die stetig ansteigenden Kosten zur Reparatur der Zaunanlage zu minimieren beziehungsweise komplett einsparen zu können.“ Diese Lösung korrespondiere mit den „Empfehlungen für Rastanlagen an Straßen“.

Auch Retter ohne Schlüssel

Am Autobahnparkplatz Rodaborn ist Vandalismus an dem Zaun bislang unterblieben. Allerdings wurde er auch schon überstiegen, was im Sommer 2012 zu einem dramatischen Unfall führte. Ein 39-jähriger Mann aus der Schweiz hatte sich mit einem Ring derart unglücklich verhakt, dass er sich den Finger abriss. „Stark blutend stand er auf einmal vor uns, der Finger hing nur noch an einer Sehne“, erinnerte sich Christina Wagner damals an die Szenerie. Als dann Polizei und Rettungskräfte auf dem Parkplatz eingetroffen waren, gelangten sie nur deshalb schnell zum Verletzten, weil inzwischen ein Zaunsfeld kurzerhand abgeschraubt worden war. Denn einen Schlüssel für die vorhandene Tür hatte niemand. Die damalige Behauptung des Thüringer Landesamtes für Bau und Verkehr, wonach sich in den Zäunen entlang der Autobahnparkplätze üblicherweise gar keine Tore befinden würden, ist mit dem Hinweis aus Rheinland-Pfalz auf die „Empfehlungen für Rastanlagen an Straßen“ jedenfalls widerlegt.