Igel immer seltener, aber Gartenbesitzer können helfen

Eichsfeld.  Sterile Gärten, Insektensterben und der Verlust an Lebensraum lassen die Igel-Bestände schrumpfen.

Ein Igel streift nachts durch den Garten. Mähroboter sind eine Bedrohung für die Stacheltiere.

Ein Igel streift nachts durch den Garten. Mähroboter sind eine Bedrohung für die Stacheltiere.

Foto: Conni Winkler

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Im Märchen ist er dem Hasen immer einen Schritt voraus, seine Schutzhaltung ist sprichwörtlich geworden, und Kinder pinseln ihn gerne auf Herbstbilder. Die Rede ist vom Igel. Jeder kennt ihn, aber immer seltener trippelt er durch einen Garten.

Es gibt nicht viele Studien über den Igel, heißt es von der Heinz Sielmann Stiftung. Als nachaktive Tiere sind sie schwer zu beobachten. Bislang gab es auch wenige Gründe, die Art wissenschaftlich zu untersuchen. Lange galten die Bestände als gesichert. In Wahrheit geht ihre Zahl spätestens seit Mitte der 1990er Jahre stark zurück.

Zu diesem Ergebnis kommen zwei Untersuchungen, für die bestimmte Straßenabschnitte in Bayern und Hessen Jahrzehnte lang regelmäßig abgefahren wurden. Der Bestand der Igel lässt sich anhand der Verkehrsopfer einschätzen: Viele tote Igel am Straßenrand deuten auf einen hohen Bestand hin, wenig tote Igel auf einen niedrigen. Bis heute ist der Bestand regelrecht zusammengebrochen.

Vielfältige Gründe für Rückgang

Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig. „Die Igel leiden besonders unter dem allgemeinen Insektensterben“, sagt Anne Berger, Wissenschaftlerin am Institut für Zoo- und Wildtierforschung. Auch die Zerstörung der Lebensräume, die intensivere Landwirtschaft und der Klimawandel spielen eine Rolle: Wird es zwischen November und Februar zu warm, wachen die Winterschläfer zu früh auf und verlieren bei der Suche nach Nahrung zu viel Energie.

In jüngster Zeit sind neue technische Gefahren hinzugekommen: Mähroboter machen vor Igeln nicht Halt. Auch Laubbläser und Motorsensen sind eine Gefahr. Verletzte Igel werden oft zu Initiativen wie der „Igelhilfe Radebeul“ in Sachsen gebracht, die sie wieder aufpäppeln. Aus solchen Igel-Stationen sollen die Tiere nach Möglichkeit noch vor der Winterschlafsaison ausgewildert werden. Die entsprechenden Gehege sind im Dauereinsatz und folglich abgenutzt. Mit Mitteln der Heinz Sielmann Stiftung wird ein Teil der Käfige in Radebeul in diesem Jahr erneuert.

Kommunen und Gartenbesitzer sind gefragt

Der ganze Aufwand lohnt sich aber nur, wenn die Tiere in Freiheit genügend Nahrung und Versteckmöglichkeiten finden. Da sind auch Kommunen gefragt, die Friedhöfe und Parkanlagen pflegen – und Gartenbesitzer. Wer Schneckenkorn im Garten streut, brauch sich nicht wundern, dass keine Igel da sind.

Ein kurz geschorener Rasen bietet keine Nahrung und keine Deckung für Insekten und damit auch nicht für Igel. Alles, was möglichst naturnah ist, hilft: Der Verzicht auf Pestizide, das Verwenden heimischer Pflanzen und Gehölze. Und nur, wenn es genug „Dreckecken“ im Garten gibt, wo das Laub nicht weggefegt wird, wo ein paar Äste herumliegen dürfen, finden Igel genügend Möglichkeiten, sich ein Nest für den Tag und für den Winterschlaf zu bauen.

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