Thüringer Senior stürmt in Topzeit zum Titel

Leinefelde-Worbis  Bei den deutschen Seniorenmeisterschaften stürmt der gebürtige Eichsfelder Rudolf König in der alten Heimat über 100 Meter zu Gold.

Der gebürtige Eichsfelder Rudolf König vom Saalfelder LV verteidigte seinen Titel über die 100 Meter der Altersklasse M 65.

Der gebürtige Eichsfelder Rudolf König vom Saalfelder LV verteidigte seinen Titel über die 100 Meter der Altersklasse M 65.

Foto: Eckhard Jüngel

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Als sein Triumph feststand und die Gewinnerzahlen von der Anzeigetafel blickten, musste Rudolf König (Saalfelder LV) selber noch einmal ganz genau hinschauen. Mit bärenstarken 12,64 Sekunden hatte sich der 65-jährige Thüringer wenige Augenblicke zuvor bei den Deutschen Leichtathletik-Seniorenmeisterschaften in Leinefelde-Worbis in seiner Altersklasse über 100 Meter den nationalen Titel geholt. „Das ist eine Hammerzeit, ich bin selber ein bisschen überrascht. Damit wäre man auch international weit vorne“, erklärte der neue deutsche 100-Meter-Meister schmunzelnd.

Für den gebürtigen Eichsfelder, der seit 1979 in Saalfeld wohnt, war sein Nachname in der Heimat Programm. Keiner der sieben Konkurrenten konnte König im Leinesportpark das Wasser reichen – auch nicht der Zweitplatzierte Reinhard Michelchen (VfL Sindelfingen). Mit dem Baden-Württemberger hatte sich König bereits in der Vergangenheit einige heiße Duelle geliefert. In seiner alten Heimat behielt der neue Champion die Nerven.

„Ich komme immer wieder gerne ins Eichsfeld. Dass die Meisterschaften in diesem Jahr hier stattfinden, war noch einmal ein zusätzlicher Ansporn“, versicherte der schnelle Sprinter, dessen Paradestrecke eigentlich die 200 Meter sind. Über diese Distanz hatte sich der Vater einer Tochter erst im Frühjahr im polnischen Torun bei der Hallen-Weltmeisterschaft Silber geholt. Gar Gold gab es für König in Torun über 400 Meter, eine zweite Silbermedaille über 200 Meter.

„Das war bisher meine erfolgreichste Saison“, strahlte der frischgebackene 100-Meter-Altersklassenmeister, der schon seit der Schulzeit Leichtathletik betreibt. Und die soll genau so erfolgreich weitergehen. Im Herbst stehen für den gelernten Bauingenieur, der an Asthma leidet („Mit dem Spray ist das aber kein Problem“), die Europameisterschaften in Venedig (Italien) an. Sein Erfolgsrezept im schon gehobenen Sportleralter? „Viel Eiweiß, zweimal in der Woche Fisch ist ein Muss, dazu viel Obst und Gemüse. Ab und zu gibt es aber auch mal Schokolade und ein Bier, aber nur alkoholfreies.“

Der Weg zur Wettkampfstätte war für den durchtrainierten König, der nach eigener Aussage seine 80 Kilogramm Körpergewicht bei einer Größe von 1,82 Meter seit der Studienzeit hält, dieses Mal nur kurz. Seine Schwester wohnt nach wie vor im Eichsfeld, bei ihr übernachtete er und zeigte sich auf der Tartanbahn topfit und angetan vom Ambiente: „Ich bin schwer überrascht, dass in Leinefelde bereits zum zweiten Mal eine Deutsche Meisterschaft stattfindet. Das ist absolut fantastisch. Das schafft in Thüringen sonst vielleicht nur noch Erfurt.“

Seine Leichtathletik-Leidenschaft hat König bereits nach Amerika und Australien geführt. Die Stadt Saalfeld sowie sein Verein unterstützen ihn bei den Reisen finanziell. Im Laufe der Jahre hat der Eichsfelder, der in der Jugend auch Fußball, Handball und Basketball spielte, gelernt, auf seinen Körper zu hören. „Zum Glück bin ich bisher von größeren Verletzungen verschont geblieben. Man muss sich auch mal Pausen gönnen. Das letzte lockere Training habe ich vor drei Tagen absolviert. Im Wettkampf musst du fit sein. Dann musst du bereit sein, Klaviere zu stemmen.“

Seine Sportleidenschaft hat König an seinen Schwiegersohn weitergegeben: „Der ist Triathlet und noch verrückter als ich.“ Seine Frau, die in Leinefelde-Worbis dieses Mal nicht mit dabei sein konnte, wird neben dem Training – wöchentlich absolviert der 65-Jährige drei bis vier Einheiten – dafür sorgen, dass der aktuelle deutsche M-65-100-Meter-Meister auch weiterhin fit bleiben wird: „Am Haus und im Garten stehen immer wieder Arbeiten an. Sie sagt mir schon, was ich da zu machen habe.“

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