Jauernik bleibt Trainer beim ThSV Eisenach

Eisenach  Marketing GmbH des ThSV schenkt der sportlichen Leitung erneut das Vertrauen. Die Gesellschafter sehen keine finanziellen Möglichkeiten für neuen Coach.

Augen zu und durch: Christoph Jauernik sitzt auch am Sonntag wieder auf der Bank.

Augen zu und durch: Christoph Jauernik sitzt auch am Sonntag wieder auf der Bank.

Foto: Sascha Fromm

Die dürre Nachricht, per Mail gesendet gestern Nachmittag um 16.02 Uhr, war ganze sechs Zeilen lang. Ihr eigenartiger, fast schon lyrischer Ton changierte zwischen Grußanzeige und Danksagung und enthielt zwischen den Zeilen jede Menge Subtext.

Das, was die ThSV-Marketing GmbH nach der dramatischen Niederlage der Eisenacher Handballer gegen Dessau zu sagen hatte, war dies: „Aus gegebenem Anlass erklären wir: Unsere Mannschaft und unser Trainerteam Christoph Jauernik/Arne Kühr genießen trotz der sehr angespannten sportlichen Situation unser Vertrauen. Wir sind uns sicher, mit ihnen aus dem sportlichen Tal herauszukommen. Die ThSV-Marketing GmbH ist nicht auf Rosen gebettet. Den finanziellen Verpflichtungen kommen wir nach.“

Die Depesche bestätigt das schöne Wort Dostojewskis, wonach nichts unglaubwürdiger ist als die Wirklichkeit. Vieles war im handballverrückten Eisenach nach der Dramatik dieser Tage erwartet worden, dieser abermalige Treueschwur gewiss nicht.

„Wir können uns keinen neuen Trainer leisten“, sagte Günter Oßwald, Gesellschafter der ersten Stunde und seit 25 Jahren dabei. Einen Freibrief wollte der Un-ternehmer, der als Fürsprecher Jauerniks gilt („Ich halte viel von ihm“), dem Trainer aber nicht mehr ausstellen. „Es gibt kommende Woche eine Gesellschafterversammlung, auf der die weiteren Schritte abgewogen werden.“ Und: Um mehr als den Klassenerhalt gehe es nicht mehr.

Dabei galt am Abend zuvor eine andere, ebenso kosteneutra- le Lösung schon als abgemacht. Der bisherige Co-Trainer Arne Kühr sollte Christoph Jauernik beerben. Auf die entsprechende Anfrage sagte Kühr auch zu, ehe Marketing-Geschäftsführer Karsten Wöhler ihm dann gestern plötzlich einen Korb gab, wie es aus Gesellschafterkreisen hieß.

Dass Jauernik und Kühr nun gemeinsam das Vertrauen erhalten, wirkt auf zweierlei Art befremdlich. Zum einen pflegen beide ein Nichtverhältnis, Jauernik verzichtet im Alltag des Trainings- und Wettkampfbetriebes weitgehend auf Kührs Hilfe. Der wiederum fühlt sich nach dem jüngsten Hin-und-Her verständlicherweise erneut verschaukelt.

Derweil rumort es im Umfeld und innerhalb des Traditionsvereins kräftig, auch wenn Oßwald glaubt, dass „70 Prozent der Spieler weiter hinter dem Trainer stehen.“ Für Unzufriedenheit bei Sponsoren sorgt vor allem die Tatsache, dass der ThSV mit seinem Etat im oberen Drittel der Liga angesiedelt ist, doch sportlich ein Kellerkind bleibt. Auch das gehörte zu den Baustellen, zu denen Oßwald beim gestrigen Sponsorenstammtisch Stellung beziehen musste. Dazu zählt für ihn auch der Posten des Managers und der wohl baldige Wechsel im Präsidentenamt. Demnächst dann noch: die neue Harmonie im Trainerteam.