Mit Eselin Moni auf die Wartburg

Seit Ferienbeginn tragen Familie Hölzers Esel wieder Touristen auf die Wartburg. Bis zu 70 Kilogramm darf einer von ihnen wiegen. Der Chef der Eselei ist seit 2007 Michael Hölzer, auch diese Saison lässt er die Tiere vor allem zur Freude der Kinder wieder laufen.

Die neunjährige Jessica (vorn) führt die kleine Kolonne den Burgberg hinauf. Ihr Großvater Jürgen Hölzer war viele Jahre der Chef des tierischen Transportbetriebs, nun ist es ihr Vater Michael Hölzer. Foto: Sascha Willms

Die neunjährige Jessica (vorn) führt die kleine Kolonne den Burgberg hinauf. Ihr Großvater Jürgen Hölzer war viele Jahre der Chef des tierischen Transportbetriebs, nun ist es ihr Vater Michael Hölzer. Foto: Sascha Willms

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Eisenach. Nach dem EA für Eisenach steht auf dem Nummernschild von Michael Hölzers Lieferwagen ein IA. Natürlich sei das kein Zufall, schmunzelt Michael Hölzer, der seine Esel seit dem 1. April wieder zwischen Eselstation und Burgaufstieg pendeln lässt.

Rund 100 Höhenmeter überwinden sie dabei, doch beim Hochkommen geht es vor allem um die Art und Weise. Wasser, Lebensmittel und Baumaterialien kamen so einst auf die Burg und die heilige Elisabeth der Sage nach heimlich herunter.

Auch Patricia und Andrew wollen wissen, wie sich das anfühlt und stiegen auf die Esel. Vater Klaus Nagel, ein Berliner Auswanderer, der seit 15 Jahren in Melbourne (Australien) lebt, ist hier mit seiner Familie im Urlaub. Ganz in der Nähe wohnen Verwandte, vor allem wegen der Landschaft zieht es ihn und seine Familie immer wieder nach Thüringen.

"Die Gäste kommen aus aller Herren Länder", freut sich Michael Hölzer, an ihnen besteht kein Mangel. Allerdings ist der Familienbetrieb in vierter Generation ein Saison-Geschäft. Jetzt in den Ferien lässt er die Esel täglich laufen, wie auch in der Hauptsaison ab Mai (außer montags). In den Zwischenzeiten lohnt es sich nur an den Wochenenden. "Nur wenn es regnet, bin ich hier oben der einzige Esel", lacht Hölzer, der sich mit dem Imbissstand längst ein zweites Standbein aufgebaut hat. Bratwürste und Getränke kommen hier, unter dem Parkplatz, vor allem bei denen gut an, die den Berg hoch laufen. Aber auch die Bustouristen schauen sich die Esel an.

An der Station gegenüber dem Imbiss erzählt Senior-Chef Jürgen Hölzer, wie auch der Sozialismus die Esel in ihrem Lauf nicht aufhalten konnte. Zu eng war die Eselei mit der Wartburgstadt verbunden, als dass die Genossen das kleine Unternehmen hätten untergehen lassen können.

Und so laufen sie noch heute, bis zu 30 Jahre lang macht das ein Grautier mit, bis es in Rente geht. Die hochgewachsene Rosi hat es bald geschafft und das scheint ihr auch ganz recht zu sein. Nervös versucht sie hinter sich zu blicken, als die nächste Herde Kinder anrückt. Diesmal hat sie Pause, stattdessen müssen Anja, Lore, Sonja, Moni, Liesel, Lotte, Conny, Moritz und Peter ran.

"Die Sache mit den Vornamen hat eine lange Tradition" sagt Hölzer. Weil die Namen oben an der Station nicht mehr ganz stimmen, trägt jedes Tier ein eigenes Namensschild. An den Zügeln helfen Rudi Köhler, Senior-Chef Jürgen Hölzer und seine Enkel Jessica und Dennis mit – und mit Philipp Bonhaio ist dieses Jahr sogar ein Praktikant dabei.

Nach wie vor kostet der Ritt auf dem Esel vier Euro. Während einer kurzen Pause können die Urlauber ihrem Esel außerdem ein paar Brotkrumen kaufen. Dafür dürfen die Kinder mit dem Esel auch wieder hinunterreiten, wenn sie am Sammelplatz warten. Jetzt in den Ferien laufen sie bei gutem Wetter täglich von 10 bis 16 Uhr.

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