Mann kapert Auto in Jena: Gericht verhängt mehrjährige Freiheitsstrafe

Jena  „Fahr mich irgendwo hin, sonst bring ich dich um“, hatte ein 28-Jähriger gebrüllt und war in das Auto eines Mannes in Jena gesprungen. Es war nur einer von vielen Tatvorwürfen vor Gericht.

Symbolbild.

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Foto: Sascha Willms

Wie in einen Gangsterfilm versetzt fühlte sich der Autofahrer: Da hält er bei Rot an der Ampel und plötzlich wird die Beifahrertür aufgerissen, ein junger Mann wuchtet sich auf den Sitz neben ihm und brüllt ihn an: „Fahr mich irgendwo hin, sonst bring ich dich um!“ Diese rabiate Inbesitznahme des Pkw wurde nun vor dem Schöffengericht Jena verhandelt.

Die Staatsanwaltschaft legte dem 28-jährigen David F. (alle Namen geändert) zur Last, am 6. März 2019 an der Ampel zur Karl-Marx-Allee in Jena-Lobeda/West in das Fahrzeug des Christian S. gestiegen zu sein und ihm „mit Gefahr für Leib und Leben“ gedroht zu haben. Das sei strafbar als räuberische Erpressung gemäß Paragraph 255 des Strafgesetzbuches.

„Er hatte die Hände in den Taschen, sodass ich Angst bekam.“

Der Geschädigte schilderte im Zeugenstand die damalige Situation: Er sei an diesem Abend gerade aus der Tiefgarage des Kauflands gekommen und habe an der roten Ampel halten müssen, als der jetzt Angeklagte ziemlich ruppig die Beifahrertür aufriss und ihn anschrie, er solle ihn irgendwo hinfahren, sonst bringe er ihn um. „Der war ganz schön durch den Wind, war unberechenbar, hatte die Hände in den Taschen, sodass ich Angst bekam“, schilderte Christian die Situation. Er sei dann an die Bushaltestelle gefahren, habe zu ihm gesagt: „Kannst mein Auto haben“ und sei ausgestiegen. Der Täter hätte dann mehrfach versucht, den alten Renault zu starten, und als ihm das nicht gelang, sich entfernt.

Diese Straftat war nicht die einzige am 6. März. David ging anschließend zu seiner Schwester und wollte Geld von ihr. Als er keins bekam, schlug er ihr mit der flachen Hand ins Gesicht und versetzte ihrem Lebensgefährten einen Kopfstoß. Dieser berichtete nun als Zeuge vor Gericht: „Er wollte Geld, und wir sollten auch einen Notarzt rufen, weil es ihm nicht gut ginge. Er hat mir eine Kopfnuss verpasst und ist abgehauen. Den Notarzt habe dann ich gebraucht – mein Nasenbein war gebrochen.“

Freiheitsstrafe von drei Jahren verhängt

Dieses Strafverfahren wurde noch mit vier weiteren verbunden, sodass Staatsanwältin Sylvia Reuter eine lange Liste an Tatvorwürfen vorzutragen hatte: Körperverletzung und Beleidigung von Mitarbeitern des Netto-Marktes und von Polizeibeamten, Hehlerei bezüglich eines gestohlenen Fahrrads, Besitz von Betäubungsmitteln.

Nach einem Rechtsgespräch unter den prozessbeteiligten Juristen räumte der Angeklagte über seinen Verteidiger von den insgesamt 19 Tatvorwürfen neun Handlungen ein.

Das Gericht mit dem Vorsitzenden Richter Frank Hovemann verhängte gegen David F. eine Freiheitsstrafe von drei Jahren, ordnete die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an und beschloss, den Haftbefehl vom 7. März 2019 aufrecht zu erhalten.

Der Richter begründete diese Entscheidung: Durch die von einem medizinischen Sachverständigen beim Angeklagten festgestellte multivalente Abhängigkeitserkrankung sei eine Therapie im Rahmen des Maßregelvollzugs angebracht. „Sie sind gesund zur Welt gekommen und haben sich selbst krank gemacht. Nehmen Sie diese Hilfe an!“, gab ihm Richter Hovemann mit auf den Weg.

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