Bohrkopf gräbt sich im Zeitzgrund durch den Wald

Zeitzgrund/Ziegenmühle  Unterirdisch verlegte Stromleitungen im Zeitzgrund sollen künftig Versorgungssicherheit gewährleisten

Bohrmeister Kevin Horn (links) von der Bollberger Firma H&E Bohrtechnik GmbH besetzt das Bohrgestänge mit einem sogenannte Abräumer, der das Bohrloch über eine Länge von 141 Metern aufweitet.

Bohrmeister Kevin Horn (links) von der Bollberger Firma H&E Bohrtechnik GmbH besetzt das Bohrgestänge mit einem sogenannte Abräumer, der das Bohrloch über eine Länge von 141 Metern aufweitet.

Foto: Andreas Schott

Fast am Ende eines steilen Berges im Zeitzgrund nahe der Ziegenmühle haben Bohrmeister Kevin Horn und sein Team von der H&E Bohrtechnik GmbH aus Bollberg das erste Ziel erreicht. Von oben können die Spezialisten hinunter ins Tal in Richtung Ziegenmühle blicken. In unmittelbarer Nähe der Mühle befindet sich die Startgrube, von der sie eine mit dem horizontalen Spülbohrverfahren eine Pilotbohrung voran getrieben haben.

Über 141 Meter habe man sich durch den Waldboden bis nach oben gearbeitet. „Im Schnitt haben wir eine Steigung von 35 Prozent meistern müssen. Am Zielpunkt waren es sogar 50 Prozent“, sagt Kevin Horn.

Gebohrt worden sei etwa in einer Tiefe von sieben bis acht Metern und man sei auf Felsgestein getroffen. „Die Abschnitte seien unterschiedlich gewesen, aber ich denke, das wir es mit Sandstein zu tun hatten“, mutmaßt der Bohrmeister.

Eine erste, die sogenannte Pilotbohrung, erfolge dabei mit einem Durchmesser von 165 Millimetern. Um das Spülbohrverfahren über lange Distanzen zielgenau ausführen zu können, sei am Kopf der Felsbohreinheit ein Sensor verbaut, der Signale über die wichtigsten Daten, wie unter anderem die Bohrtiefe, die Richtung sowie Temperatur übermittelt. „Die gesendeten Daten verfolgen wir beim Bohrverlauf und steuern damit das Spezialgerät“, erläutert Kevin Horn.

Beim Blick auf die enorme Steigung im unwegsamen Waldabschnitt konfrontierte der Reporter die Experten mit der Frage, ob das beim horizontalen Spülbohrverfahren nicht eine besondere Herausforderung für das Team darstelle. Schmunzelt antwortet der Bohrmeister, „nein, eigentlich nicht. Der Untergrund war trotz des Felsgesteins nicht übermäßig schwierig. Und die sicher enorme Steigung stellte auch kein Problem dar“, sagt der junge Mann, der seit sieben Jahren in der Bollberger Firma als Tiefbauspezialist tätig ist.

Nach Pilotbohrung erfolgt die Aufweitung

Mit der Pilotbohrung hatte das Bohrteam gestern Vormittag die erste Etappe erfolgreich gemeistert. „Wir bringen jetzt den sogenannten Ausräumer am Kopf des Gestänges an und ziehen die Bohreinheit komplett zurück zur Startgrube. Bei diesem Vorgang wird das Bohrloch auf 300 Millimeter aufgeweitet, zugleich die Bohrmasse über Spüllöscher ausgeräumt und in die Startgrube geleitet. Dort wird sie aufgenommen, um sie später recyceln zu können“, erläutert der Bohrmeister den Verlauf. Zum Abschluss werden in die gefertigten Bohrlöcher Kabelschutzrohre eingebracht. Wie der Geschäftsführer der H&E Bohrtechnik GmbH informierte, dienen die Bohrarbeiten dazu, um Nieder- und Mittelspannungsleitungen sowie Lichtwellenleiterkabel im Zeitzgrund verlegen zu können. Nach dem Verlegen der Stromkabel im Waldboden werden künftig die Strommasten im Zeitzgrund überflüssig sein und können zurückgebaut werden.

In einem zweiten Bauabschnitt werde das Team noch eine zweite Bohrung über 70 Meter ausführen. Sie werde in Richtung eines Holz-Rückeplatzes des Forsts auf Bollberger Flur in den nächsten Tagen erfolgen. Die Aufgaben im Zeitzgrund für die H&E Bohrtechnik im Auftrag der Thüringer Energienetze GmbH (TEN) aus, ergänzt er.

Seit Anfang des Jahres laufen umfangreiche Arbeiten im gesamten Zeitzgrund, an dem unter anderem der Zweckverband „Thüringer Holzland“ federführend beteiligt ist. So beinhaltete das Großprojekt die Verlegung einer 1,3 Kilometer langen Hauptwasserleitung mit einem Durchmesser von 200 Millimeter sowie Trinkwasserleitung für die Janis- und Papiermühle mit einem Durchmesser von 50 Millimetern. Neben dem Verlegen von Stromkabeln, die unter anderen auch zur Betreibung von Trinkwasserbrunnen dienen, wird die Energieversorgung für die Mühlen im Zeitzgrund künftig generell über unterirdisch verlegte Kabel erfolgen.

Der Zweckverband „Thüringer Holzland“ investiert für das Vorhaben 1,5 Millionen Euro und will damit die Versorgungssicherheit von etwa 10.000 Abnehmern garantieren.

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