Thüringer Schulverweigerer-Fall: Milan geht auch dieses Jahr nicht zur Schule

Buchheim  Die Buchheimer Familie hat sich trotz Bußgeld und Gerichtsverfahren dafür entschieden, den Jungen weiterhin nicht einzuschulen. Es kann sein, dass man Milan auch nicht für das Schuljahr 2020/21 anmelden wird.

Erik Vater während der Verhandlung am Amtsgericht Stadtroda im Februar.

Erik Vater während der Verhandlung am Amtsgericht Stadtroda im Februar.

Foto: Jens Henning

Der kleine Milan aus Buchheim, einem Ort bei Eisenberg, wird auch im kommenden Schuljahr nicht die Staatliche Grundschule „Heinrich Heine“ in Königshofen besuchen.

Das bestätigte sein Papa, Erik Vater, auf Anfrage. „Wir haben unseren Sohn nicht an der Schule angemeldet“, sagte er. Die Schuleinführung am 19. August wird ohne Milan stattfinden. Damit geht der Junge schon das zweite Jahr in Folge nicht in die Schule. Vom Alter her hätte er bereits fürs Schuljahr 2018/19 in die erste Klasse der Grundschule angemeldet werden müssen. So sieht es die Gesetzgebung in Deutschland vor. Seine Eltern hatten ihren Sohn jedoch nicht im vorgesehenen Zeitraum Ende 2017 für einen Schulbesuch angemeldet.

Am 7. Februar 2019 wurde Erik Vater in einer Verhandlung am Amtsgericht Stadtroda vom Richter Gerhard Bußjäger zu einer Geldstrafe in Höhe von 400 Euro verurteilt. Der Richter sah in seiner Urteilsbegründung keine berechtigten Gründe, dass Vater seinen Sohn Milan nicht zur Schule anmelden kann. Milans Vater hatte in der Verhandlung eine andere Auffassung und sie auch vorgetragen. Er wolle, dass sein Sohn entscheidet, ob er in die Schule gehen möchte oder nicht.

Nicht zu Schulbesuch drängen

„Wir sind mit Milan zu diesem Thema im ständigen Kontakt“, sagte Erik Vater in der Verhandlung. Weiter sagte er im Februar: „Sollte Milan von sich aus erklären, dass er in die Schule möchte, werden wir ihm keine Steine in den Weg legen. Dann werden wir ihn unterstützen. Das ist aber im Moment nicht der Fall. Wir werden ihn aber auf keinen Fall zu einem Schulbesuch drängen.“

Die Nichtanmeldung in der Grundschule Königshofen wurde von der Bußgeldstelle des Eisenberger Landratsamtes mit 100 Euro geahndet. In seinem Urteil hatte Richter Bußjäger auch erklärt, dass jene 100 Euro Bußgeld offenbar ihre Wirkung verfehlt hätten. Deshalb erhöhte er das Bußgeld.

Erik Vater legte nach der knapp 44-minütigen Verhandlung, die von einem hohen Medieninteresse geprägt war, fristgemäß innerhalb von sieben Tagen Einspruch gegen das Urteil ein. Bis zum heutigen Tage wartet er auf eine Antwort vom Amtsgericht.

Neuer Bußgeldbescheid kam bisher nicht

Dass in der Gerichtsverhandlung von der Mitarbeiterin der Bußgeldstelle angesprochene zweite Bußgeld für das erneute Nichtanmelden des Kindes fürs Schuljahr 2019/20 ist laut Erik Vater nicht wirksam geworden. „Ein neuer Bußgeldbescheid kam bisher auch nicht“, teilte Erik Vater mit. Diesen Fakt bestätigte die zuständige Pressesprecherin des Eisenberger Landratsamtes. „Nachdem Erik Vater Rechtsmittel eingelegt hatte, liegt der Fall bei Gericht“, hieß es in der schriftlichen Antwort aus dem Landratsamt.

Mitte März hatte unsere Redaktion im Amtsgericht nachgefragt. Direktor Roland Jacob hatte den Eingang der Rechtsbeschwerde von Erik Vater, die wie eine Revision zu bewerten sei, bestätigt. Er teilte ebenso mit, dass man Herrn Vater auf dem Postweg Dinge mitteilen werde, die er in seiner Beschwerde nachzureichen habe.

Eine Kindeswohlgefährdung kann bei Milan ausgeschlossen werden. Mitarbeiter des Jugendamtes hatten sich vor Ort ein Bild über die Lebensbedingungen von Milan gemacht. Sie konnten nichts Kritisches finden.

Erik Vater will den Klageweg weiter gehen. Es kann sein, dass er Milan auch nicht für das Schuljahr 2020/21 anmelden wird.

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