Corona-gerechte Kelche für das Abendmahl in Eisenberg

Eisenberg.  Die Keramikerin Brigitte Schliebner fertigt aus Eisenberger Ton Dutzende kleine Trinkgefäße für die Kirche in Eisenberg.

Die Eisenberger Keramikerin Brigitte Schliebner mit den Entwürfen für kleine Abendmahl-Kelche und Krüge, wie sie in der Eisenberger Kirche für ein Corona-gerechtes Abendmahl Verwendung finden.  

Die Eisenberger Keramikerin Brigitte Schliebner mit den Entwürfen für kleine Abendmahl-Kelche und Krüge, wie sie in der Eisenberger Kirche für ein Corona-gerechtes Abendmahl Verwendung finden.  

Foto: Angelika Munteanu

Kein Abendmahl wegen der Corona-Pandemie? Die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde in Eisenberg hat die Frage für sich jetzt sehr praktikabel gelöst.

Statt eines großen Abendmahl-Kelches, der von Hand zu Hand und Mund zu Mund wandert, sind für die Stadtkirche in Eisenberg knapp 50 kleine Kelche angeschafft worden. Jeder Teilnehmer kann so geweihten Wein oder Saft trinken aus einem eigenen Gefäß.

Gefertigt hat die pandemiegerechten Abendmahlgerätschaften im Auftrag der Kirchgemeinde die Töpferin Brigitte Schliebner. „Es war lange überlegt worden, wie die Frage nach dem Abendmahl gelöst werden kann“, erzählt die Eisenberger Töpferin, die als Gemeindeglied eng verbunden ist mit der Kirche. Dort wurde sie getauft, konfirmiert, und dort hatte sich das Töpferehepaar Brigitte und Peter Schliebner trauen lassen. In ihrer Werkstatt waren auch lange vor Corona bereits Schmuckgegenstände wie Leuchter und Vase für den Altar der Stadtkirche entstanden.

In Plauen habe sie erlebt, dass für das Abendmahl unter Corona-Bedingungen die Trinkgefäße aus allen Kirchen in der Stadt zusammengetragen worden seien, berichtet Brigitte Schliebner. In Eisenberg sei zunächst erwogen worden, kleine Schnapsgläser zu verwenden. Das aber wäre ein unpassende Lösung gewesen. Schließlich entschied sich die Kirchgemeinde für tönerne Gefäße aus der Werkstatt von Brigitte Schliebner. Dafür seien verschiedene Größen ausprobiert worden. Letztlich fiel die Entscheidung für kleine tönerne Kelche mit dem Fassungsvermögen kleiner Weingläser von 0,1 Liter, die in der Form an Römer erinnern. „So können die Kelche auch nach dem Ende der Pandemie noch Verwendung finden, beispielsweise zu Festen der Kirchgemeinde“, sagt die Töpferin.

Spülmaschinenfest und lebensmittelecht

47 kleine tönerne Abendmahl-Kelche und den dazugehörigen Hostienteller – „mit Rand, damit man ihn besser fassen kann“ – hat Brigitte Schliebner für die Kirchgemeinde gefertigt. Dazu zwei irdene Kannen, „also ohne Fuß, damit sie sicherer stehen“, mit den entsprechenden Inschriften für Wein und für Saft.

In ihrer Werkstatt hat Brigitte Schliebner liebevoll dekoriert einen Tisch mit Entwürfen zu den liturgischen Gerätschaften der Eisenberger Stadtkirche aufgebaut. In Material und Form greifen die Abendmahlsgeräte das Design des Schliebnerschen Altarschmucks auf. Zum Töpfern hat sie traditionellen roten Eisenberg Ton verwendet, „so wie er von altersher und jetzt in der Grube zwischen Königshofen und Großhelmsdorf abgebaut wird“. Geliefert wurde er vom Tonmüller Rainer Thierolf aus Beulbar. Aus dem Glasurwerk in Meißen stammt die graue Glasur, deren Farbe die Innenraum-Gestaltung der Eisenberger Stadtkirche aufgreift.

Der Eisenberger Ton sei nach dem Brennen auch schon ohne Glasur dicht, also wasserundurchlässig und deshalb sehr gut für Trinkgefäße geeignet, erläutert die Töpferin. Die graue Glasur sei zudem auf ihre Lebensmittel-Echtheit hin geprüft. Nach dem Brennen seien die Gefäße tauglich für die Spülmaschine und könnten auch in die Mikrowelle gestellt werden – ein wesentlicher Vorteil für die hygienische Reinigung in der Pandemie-Zeit.

Werkstatt-Tage als Corona-Hilfe fürs Kunsthandwerk

Für die Eisenberger Töpferei Schliebner ist der Auftrag der Eisenberger Kirchgemeinde in der Corona-Zeit wichtig gewesen. Denn die Pandemie macht sich auch im Handwerk deutlich spürbar. Die Arthuer 2020, die 12. Kunstmesse Thüringen, die im November in der Messehalle Erfurt stattfinden sollte, musste abgesagt werden. Damit fiel auch für die Töpferei Schliebner ein wichtiges, absatzträchtiges Podium weg.

„Der Verband Bildender Künstler Thüringen hat uns Künstlern jedoch geraten, jegliche Möglichkeit zu nutzen, um zu zeigen, dass wir da sind“, erzählt Brigitte Schliebner. Denn gerade in der Vorweihnachtszeit haben Kunst und Kunsthandwerk eigentlich ihren Markt. Dem Rat des Verbandes, Werkstatt-Tage durchzuführen, ist die Eisenberger Töpferei bereits gefolgt.

„An einem Wochenende im November hatten wir dazu eingeladen“, berichtet sie. Die Tische mit Vasen, Kerzenhaltern, Schalen, Tellern, Krügen und zierlichen Keramik-Anhängern für die Weihnachtssträuße waren im Garten vor der Werkstatt aufgebaut worden. „Damit konnten Abstandsregeln besser eingehalten werden als in der Werkstatt“, erläutert die Töpferin. Auf das Ausschenken von Getränken war vorsichtshalber verzichtet worden. „Der Werkstatt-Tag war sehr gut angenommen worden“, resümiert Brigitte Schliebner. Für das kommende Frühjahr, voraussichtlich im März, sei der nächste geplant.