Wie ein Hermsdorfer am Bau der Bobbahn in Altenberg mitwirkte

Quirla.  Werner Krätzig hatte in den 1980er Jahren die Finanzen unter sich bei sportlichen Prestigeprojekten, wie der Bobbahn von Altenberg.

Werner Krätzig mit dem Erinnerungswimpel.

Werner Krätzig mit dem Erinnerungswimpel.

Foto: Jens Henning

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Mit seinen 85 Jahren dürfte Werner Krätzig am Sonnabend einer der ältesten Teilnehmer des Neujahrsempfangs im Truck-Stop in Quirla gewesen sein. Krätzig fiel auf mit seiner blauen Trainingsjacke. „Das ist eine Jacke der DDR-Nationalmannschaft im Radsport. Die habe ich in der Kleiderkammer des DTSB bekommen“, sagte der Rentner. DTSB steht für den Deutschen Turn- und Sport-Bund, das DDR-Pendant zum Deutschen Sportbund DSB.

Werner Krätzig war selbst nie Radsportler, dafür Schatzmeister des Radsportverbandes. Und über seinen Tisch als Hauptbuchhalter gingen in den Achtzigerjahren die Unterlagen für die Finanzierung des Baus der legendären Rennschlitten- und Bobbahn in Altenberg.

„Die Bahn sollte die schnellste und schwierigste Bahn der Welt werden“, sagte Krätzig über das Prestigeprojekt im Osterzgebirge, der auf Wunsch des ersten Mannes der Staatssicherheit, Erich Mielke, gebaut werden sollte.

Damals gab es in der DDR nur eine Kunstbahn in Oberhof. Sie gehörte dem Armeesportklub „Vorwärts“ Berlin. Diese Bahn ließ keine Starts für Viererbobs zu. In Vorbereitung der Olympischen Winterspiele 1984 in Sarajewo sollte in Altenberg eine Super-Bahn gebaut werden. Doch früh stellte sich heraus, dass die Bahn zu gefährlich war. Sie wurde sogar als unbefahrbar eingeordnet.

Die Winterspiele wurden für die DDR-Athleten dennoch erfolgreich, auch ohne die Einheiten in Altenberg. Die Offiziellen wollten den sportlichen Erfolg auf internationaler Bühne aber fortführen. Die Bahn in Altenberg wurde umgebaut.

Bis dahin waren über 100 Millionen DDR-Mark geflossen. Diese Zahl bestätigte auch Werner Krätzig. Das Ministerium für Staatssicherheit, dessen Sportler im SV Dynamo organisiert waren, übernahm das Projekt und auch die Folgekosten. Krätzig sprach von weiteren 70 Millionen Mark.

Dass sich Krätzig so gut auskannte, war kein Zufall. Von 1980 bis 1987 war er Hauptbuchhalter im Invest-Büro für Sportbauten in Berlin. Er hatte Einblick in sehr viele Projekte. Er nannte das Bundesleistungszentrum in Kienbaum, 40 Kilometer von Berlin entfernt, und die schon damals genutzte unterirdische Halle. Da bereiteten sich die Top-Sportler in der Unterdruckkammer vor.

Auf der umgebauten Rennschlitten- und Bobbahn gab es 1986 die ersten Wettkämpfe, obwohl die Bahn noch Baustelle war. Erst 1987 erfolgte die Abnahme.

Zu DDR-Zeiten war Krätzig oft in Altenberg, nach der Wende nicht ein einziges Mal. Beruflich verschlug es ihn in den Westen. Von 1992 bis 1998 arbeitete er für für eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in Düsseldorf.

Seit vier Jahren wohnt Werner Krätzig mit seiner Frau in Hermsdorf. „Wir sind von Fürstenwalde nach Hermsdorf gezogen. Ich bin in Osterfeld zur Schule gegangen. Bei einem Klassentreffen haben wir mitbekommen, dass es in Hermsdorf Betreutes Wohnen gibt. Da haben wir nicht lange überlegt. In Berlin hätten wir vier, fünf Jahre warten müssen“, sagte der 85-Jährige.

Sein Nachbar machte ihn auf den etwas anderen Neujahrsempfang in Quirla, die meisten Besucher kamen in originalen DDR-Klamotten, aufmerksam. Krätzig kam nicht mit leeren Händen. Er schenkte dem Gastgeber Eberhard Schneider einen Wimpel, der an die Übergabe der Bahn in Altenberg erinnerte.

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