Der Mitte-Deutschland-Bus hält in Jena

Jena  Nach dem Rückzug des Bahn-ICE bietet Flixbus Jena neue Direktreiseziele an – Zahl steigt auf 80 Städte

Völkerwanderung zum Fernbus in die Hauptstadt: Bereits vor dem Rückzug der Deutschen Bahn aus dem Fernverkehr in Jena bietet Flixbus weitere Linien ab Jena an.

Völkerwanderung zum Fernbus in die Hauptstadt: Bereits vor dem Rückzug der Deutschen Bahn aus dem Fernverkehr in Jena bietet Flixbus weitere Linien ab Jena an.

Foto: Thomas Beier

Fernbusanbieter Flixbus erweitert sein Liniennetz ab Jena. Als neue Verbindung wird ab sofort eine Direktverbindung in die deutschen Städte Münster, Bielefeld und Paderborn angeboten. Die Busse starten an der Bushaltestelle am Bahnhof Jena-Göschwitz. Endstation ist ­Amsterdam und in der Gegenrichtung Prag.

In Richtung Leipzig hat Flixbus bereits Lücken besetzt, die der Wegfall der ICE-Linie hinterlässt. Bis zu fünfmal am Tag fährt das Busunternehmen direkt nach Leipzig. Damit ist der Bus genauso schnell wie der Stadtexpress von Abellio, der Leipzig und Jena künftig direkt auf der Schiene verbindet. Dieser ist aber nicht so flott wie ein ICE, weil der Stadtexpress an 16 Unterwegsbahnhöfen hält. Während die Bahnreise von Jena nach Leipzig 15 Euro kostet, schwanken die Ticketpreise beim Bus zwischen 6,90 und 15,90 Euro.

Flixbus-Gründer und Geschäftsführer André Schwämmlein kündigt in einer ­Pressemitteilung weiteres Wachstum in der Fläche an. Allein im deutschsprachigen Raum kämen jetzt noch einmal 140 neue Halte hinzu. Dabei habe man auch neue touristische Ziele im Blick und denke an ländliche Regionen.

Jena wird von Flixbus nicht nur wegen des hohen Kundenaufkommens geschätzt. Hier stimme auch die Infrastruktur. Der zentrale Omnibusbahnhof zeichne sich durch eine hervorragende Ausstattung für Fernbusreisende aus. Neben Überdachungen und Wartemöglichkeiten besitze der Halt eine gute konzeptionelle Gestaltung und sei mit anderen Verkehrsträgern vernetzt. Aus diesem Grund sei Jena vom Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen im Sommer beim Wettbewerb „Mobilitätsknoten des Jahres“ in der Kategorie von 50 000 bis 500 000 Einwohner lobend gewürdigt worden, so Schwämmlein. Zudem gebe es in Jena mit der Fernbushaltestelle am Bahnhof Jena-Göschwitz einen zweiten Stopp, der für Kunden im südlichen Umland besser erreichbar sei und für die Busfahrer Zeitvorteile bringt, wenn er im Anschluss gleich wieder auf die Autobahn fahren kann. Von den beiden Halten in Jena sind derzeit etwa 80 Direktziele in Deutschland und Europa erreichbar.

Flixbus besetzt mit der Verbindung nach Paderborn eine Strecke, die auf der Schiene ein Langzeit-Projekt der Politik ist: die Mitte-Deutschland-Verbindung. Weithin vergessen ist mittlerweile, dass Jena mit dem Interregiozügen nach der Wende schon mal einen Taktverkehr in den Westen hatte. Die Bahn war um das Jahr 2000 ab Jena-West sogar eine Stunde schneller nach Paderborn unterwegs als heute der Fernbus.

Was die neue Linie in den Westen betrifft, müssen Fernbusreisende gewissen Enthusiasmus bei der Reisezeit zeigen. Abfahrt in Jena ist nämlich um 3.25 Uhr. Das Fernbusunternehmen verkauft das in seiner Werbung als Vorzug: „Pünktlich zum Frühstück erreichen Fahrgäste zum Beispiel Bielefeld um 8.45 Uhr.“

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