Ebay-Auktion abgebrochen: Ostthüringer will Audi für 7,10 Euro

Ein Mann aus der Nähe von Stadtroda beschäftigt bundesweit die Justiz: Er klagt in mehreren Verfahren auf Schadensersatz, weil Verkäufer bei der Internetplattform Ebay ihre Auktionen vorzeitig beendet haben.

Um diesen Audi dreht sich der Prozess: Das Urteil vom Landgericht Paderborn hat das Oberlandesgericht Hamm bestätigt.

Um diesen Audi dreht sich der Prozess: Das Urteil vom Landgericht Paderborn hat das Oberlandesgericht Hamm bestätigt.

Foto: zgt

Stadtroda. Frank H.* traute seinen Augen nicht: Der 31-jährige Westfale hatte über die Auktionsplattform Ebay einen Audi A4 zum Kauf angeboten, aber die Versteigerung nach elf Minuten beendet. Der bisherige Höchstbietende aus dem Raum Stadtroda forderte Schadensersatz, weil er das Auto nicht für die gebotenen 7,10 Euro bekam - nicht das einzige Mal, wie spätere Recherchen zeigten.

Zum Startpreis von einem Euro hatte H. den Kombi am 23. Oktober 2012 eingestellt. Er wollte aber im Hintergrund einen Mindestpreis festlegen, ab dem das Auto wirklich verkauft wird - das misslang. "Als ich den Systemfehler bemerkt habe, beendete ich die Auktion sofort." Wenige Wochen später steckte Post eines Anwaltes aus Passau im Kasten. Darin enthalten war die Forderung, das Fahrzeug für den vereinbarten Kaufpreis zu übergeben. Als H. ablehnte, wurde er vorm Landgericht Paderborn auf 14.500 Euro Schadensersatz verklagt.

Wie in diesem Fall kommt es immer wieder bei abgebrochenen Ebay-Auktionen zu Streitigkeiten - könnte doch ein Verkäufer auch abgebrochen haben, weil kurz vor Ende der Versteigerung zu wenig Geld geboten war. "Nach den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuchs können Sie sich von einer verbindlichen Willenserklärung lösen, wenn ein so genannter Anfechtungsgrund vorliegt", heißt es dazu beim Rechtsratgeber des Auktionshauses. Der Irrtum bei einem wesentlichen Merkmal oder der Verlust des Gegenstandes während der Auktion zählen zu den Gründen, was aber im Zweifel gegenüber dem Höchstbietenden nachzuweisen ist.

"Wenn Sie Ihr Angebot ohne berechtigten Grund vorzeitig beenden und bereits vorhandene Gebote streichen, machen Sie sich gegenüber dem bisherigen Höchstbietenden unter Umständen schadensersatzpflichtig", lautet ein Ebay-Hinweis.

So versuchte es auch der Mann aus der Nähe von Stadtroda, der den Audi für 7,10 Euro oder entsprechenden Schadensersatz haben wollte. Doch das Landgericht Paderborn wies die Klage ab. Im Rahmen der Abwägung sei die Schadensersatzklage "als rechtsmissbräuchlich" anzusehen, heißt es im Urteil. Der Käufer habe nicht allen Ernstes damit rechnen können, einen wesentlich wertvolleren Wagen für diese Summe zu erhalten. Die Berufung vor dem Oberlandesgericht Hamm führte zum gleichen Ergebnis: Dem Käufer aus Thüringen steht kein Schadensersatz zu. "Eine Revision hat das Oberlandesgericht nicht zugelassen", sagt der Rechtsanwalt von H., Hans-Joachim Kirchhof aus Detmold. Inzwischen hat er mehrere ähnliche Klagen gegen andere Ebay-Verkäufer, die Auktionen abgebrochen haben, auf seinem Tisch - immer nach dem gleichen Muster. Immer mit dem gleichen Kläger. Und immer vom gleichen Anwalt.

Neben Autos und in einem Fall um einen Traktor geht es zuletzt häufiger um teure Rad­sätze. Kirchhof schätzt, dass mindestens zwei Prozesse pro Monat stattfinden. "Das ist nur die Spitze des Eisberges, da sich manche Verkäufer außergerichtlich auf die Zahlung eines Schadensersatzes einlassen."

An den Verhandlungen nahm der Kläger aus Stadtroda im übrigen nicht teil, obwohl vor dem Oberlandesgericht das persönliche Erscheinen angeordnet war. "Uns ist nur ein Fall aus Berlin bekannt, in dem er wirklich aufgetreten ist. Dort hat er aber keine weitergehenden Angaben gemacht", sagt der Rechtsanwalt. "Es ist unwahrscheinlich, dass es diese Naturalpartei wirklich gibt. Kein Mensch ist so klagefreudig", vermutet er eine Masche hinter dem Vorgehen.

Auf OTZ-Anfrage will sich der Rechtsanwalt aus Passau, der die Klagen auf die Reise schickt, nicht äußern. Er verweist auf die "anwaltliche Verschwiegenheitspflicht". Unserer Zeitung sind der Name und die Anschrift des 51-jährigen Mannes, unter dessen Namen ein Teil der Klagen läuft, bekannt. Er lebt in einem Dorf bei Stadtroda - wir erreichten ihn telefonisch. " Da muss ich mich erst einmal kundig machen. Muss ich etwas sagen?" antwortete er, nachdem wir ihn mit der Klagewut nach abgebrochenen Auktionen konfrontiert hatten.

Der vermeintliche Dauerkläger aus Stadtroda tritt unter verschiedensten Verkäufernamen bei Ebay auf. Eine unter seinem Namen laufende Gesellschaft bürgerlichen Rechts hatte eine Anschrift in Passau. Dort fand sich aber nur ein Briefkasten.

Im Forum Auktionshilfe.info formieren sich derweil mit Klagen belangte Verkäufer. Wie OTZ erfuhr, planen einige von ihnen, Strafanzeige zu stellen.

*Name geändert

Kommentar von Tino Zippel: Freude an Auktionen leidet