Editionenportal an der Universitäts- und Landesbibliothek freigeschaltet

Jena  Nun gibt es ein digitales Thüringer Gedächtnis, in das sowohl große Forschungsdokumentationen eingepflegt werden können und auch kleine Vereine ihre historischen Kostbarkeiten öffentlich zugänglich machen können.

Beispiel für das Editionenportal Thüringen, wie es für Nutzer auf dem Bildschirm sichtbar wird.

Beispiel für das Editionenportal Thüringen, wie es für Nutzer auf dem Bildschirm sichtbar wird.

Foto: ThULBe

„Ganz schön haarig im Tonfall, was ich hier so gelesen habe!“ – Michael Lörzer, der kommissarische Direktor der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek ThULB, hat soeben im Zeitungsgespräch nebenbei Original-Briefe von Zeiss-Mitbegründer Ernst Abbe auf den Bildschirm gerufen. Die Briefe von Abbe und Carl Zeiß sind als Sammlung ein Beispiel für die ersten Angebote des „Editionenportals Thüringen“, das in diesen Tagen freigeschaltet worden ist.

Das Online-Plattform-Projekt ist seit 2017 – gefördert durch die Staatskanzlei des Freistaats – unter Federführung des Historischen Instituts der Uni erarbeitet worden; für Entwicklung und Betrieb des Portals ist die ThULB verantwortlich. Die Form, wie hier historische Quelleneditionen Präsentation und Vernetzung finden, das sei „in Deutschland einmalig“, sagt Michael Lörzer. Zu den weiteren ersten Editionen gehören zum Beispiel die „Erfurter Chronik“, das „Jenaer Martyrologium“ oder Reisetagebuch-Dokumente zum Herbarium Haussknecht. Wie Michael Lörzer und Projekt-Koordinator Martin Prell vom Historischen Institut erläutern, finden potenziell aber nicht nur große wissenschaftliche Dokumentationen Platz auf dem Portal, sondern auch Editionen von Einrichtungen mit kleinem Bestand. „Also auch dem kleinen Verein, der sagt, wir haben da einen Schatz, dem stellen wir die Plattform zur Verfügung“, sagt Michael Lörzer. Beispiel: Die Fuchsturmgesellschaft sei ebenso willkommen, so sie ihre Dokumente einbringen wollte.

Dabei stehe den Interessenten nicht nur das Portal an sich bereit, es seien auch alle Tools – also alle digitalen Werkzeuge – verfügbar, um das Einpflegen ins System abzunehmen. Es müssten lediglich die Dokumente im Word-Format niedergeschrieben werden; „wir digitalisieren das dann“, sagt Michael Lörzer. Ja, es gebe bestimmte nötige Strukturen für die Word-Dokumente. „Das machen wir aber alles, ohne die Leute mit Vorgaben zu gängeln“, wie Martin Prell sagt.

Kurzum: Wichtig zu wissen sei, dass nicht nur Metadaten sichtbar werden, sondern Volltexte und dazu immer die Transkription alter Handschriften in lautgerechter Lateinschrift. Zum Einsatz kommt zum Beispiel ein Web-Service für die automatisierte Handschriften-Erkennung.

1000 Briefe der Amerika-Auswanderer

Nach Michael Lörzers Worten ist aktuell mit der Aufnahme von elf weiteren Editionsprojekten auf das Portal zu rechnen, die noch zwischen „Beantragung und Abschluss“ schweben.

Ein Projekt, dessen Förderung bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG beantragt ist, dreht sich beispielsweise um 1000 Briefe, die deutsche Amerika-Auswanderer zwischen dem 19. und 21. Jahrhundert geschrieben haben und nun bei der Forschungsbibliothek Gotha aufbewahrt werden. Partner der Gothaer in Washington D.C. haben Briefe aus der Gegenrichtung gesammelt.

Ahnenforschung in Thüringen: Die spannende Suche nach den Vorfahren

Nach seinen Ahnen forschen liegt bei Thüringern im Trend

In diesem Zusammenhang macht Michael Lörzer auf das Interesse der Portal-Verwaltung an „Laien-Wissenschaftlern“ aufmerksam – Menschen, die etwa als Pensionäre geistig fit bleiben wollen und alte Schriften entziffern helfen. Lörzer: „Solche Leute sind Gold wert.“

Und welche Stärken hat das Portal gegenüber den bekannten Suchmaschinen? Es seien Quellen verfügbar, auf die Google nicht zugreifen könne – eben das „Thüringer Gedächtnis“, wie Martin Prell sagt. „Ich kann gezielt suchen. Und ich habe nicht so viel Beifang.“

Für Martin Prell bietet das Portal „die Riesenchance, auf Bestände aufmerksam zu machen“, zumal doch immer mehr dies gelte: Was online nicht findbar ist, existiert nicht.

Und ja, gegen den Zweifel des Nutzers an der präsentierten Edition ist nach Michael Lörzers Beschreibung die Authentizität gesetzt: Dem transkribierten Text sei immer das Digitalisat der Ur-Schrift gegenübergestellt.

www.thulb.uni-jena.de

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.