Eisenberg: 109 Unfallstellen lauern auf dem Schulweg

Eisenberg  Nachgehakt: Wie kann der Weg zur Schule für die Martin-Luther-Grundschüler in Eisenberg sicherer gestaltet werden?

Nadine Stenzel von der Polizeiinspektion Saale-Holzland-Kreis trainiert mit Schülern der Martin-Luther-Grundschule den Schulweg an der unübersichtlichen Kreuzung Jenaer Straße. 

Nadine Stenzel von der Polizeiinspektion Saale-Holzland-Kreis trainiert mit Schülern der Martin-Luther-Grundschule den Schulweg an der unübersichtlichen Kreuzung Jenaer Straße. 

Foto: Angelika Munteanu

Unübersichtliche Kreuzungen und dicht befahrene Straßen auf dem Schulweg, zu schnell fahrende Autos in der verkehrsberuhigten Zone, ständiges Halten und Abfahren von Autos vor dem Schultor vor Schulbeginn und nach Unterrichtsschluss: Auf dem Weg der Kinder zur Martin-Luther-Grundschule in Eisenberg lauern viele und vielfältige Unfallgefahren. Die Frage für die Eltern und auch die Pädagogen und Erzieher steht: Wie kann der Schulweg sicherer für die Kinder gemacht werden?

109 Gefahrenstellen

In einer Studienarbeit hat Lena Klopfstein, Master-Studentin für Umweltingenieurwissenschaften mit der Vertiefung Verkehrsingenieur, die Situation an der Eisenberger Grundschule untersucht und dafür Schüler und Eltern befragt. Dazu hat sie zahlreiche Verbesserungsvorschläge ausgearbeitet. Noch vor den Herbstferien waren die Ergebnisse Eltern und Lehrern vorgestellt worden. Für ihre Studienarbeit hat Lena Klopfstein 109 Gefahrenstellen auf den Schulwegen der Kinder ermittelt. „Häufige genannte Probleme an Knotenpunkten waren fehlende Querungsmöglichkeiten, überhöhte Geschwindigkeiten, unübersichtliche Verkehrslage oder sogar Sichtbehinderung durch parkende Fahrzeuge bzw. Werbeschilder. Bei Straßenabschnitten wurden oft die fehlende Beleuchtung und der mangelhafte Winterdienst angesprochen. Ein ebenfalls häufig genanntes Problem wird in der verkehrsberuhigten Zone in der Nähe der Schule gesehen, es sind kaum Fußwege vorhanden und es wird nicht mit Schrittgeschwindigkeit gefahren“, stellt sie in ihrer Arbeit fest.

Am häufigsten (17) werden Gefahrenquellen unmittelbar vor der Schule in der Wiesenstraße und dem dortigen Großparkplatz gesehen. Gefolgt von der Klosterlausnitzer Straße (15), der Kreuzung Carl-von-Ossietzky-Straße/Ludwig-Jahn-Straße (14). Oft kritisiert wurden die Verkehrsverhältnisse in der Saasaer Straße mit einer großen, die Sicht beineinträchtigenden Werbetafel an der Verkehrsinsel, die Lessingstraße, der Bushalt an den Zeilbäumen, die sogenannte Hucke, der nahe Kreisverkehr und die Zustände an der Jenaer Straße (L 3007) und der verkehrsberuhigte Bereich nahe der Schule.

Erste Lösungsansätze

Mit den aufgelisteten Problemen und den Lösungsvorschlägen, die die Masterstudentin aufzeigt, hat sich inzwischen die Eisenberger Stadtverwaltung genauer befasst. Die ersten Ergebnisse haben der Leiter des Haupt- und Ordnungsamtes, Holger Schmoock, und Stadtmanager Max Nottrodt gestern der Schulleiterin Silke Klopfstein vorgestellt.

Nicht alle Vorschläge werden umsetzbar sein. Ein Verkehrsschild, das verhindert, dass Eltern ihre Kinder bis vor das Schultor fahren und in der engen Straße mit dem Auto andere in Gefahr bringen, wird es wohl nicht geben, so Schmoock.

Aktionstag für Infos

„Die Idee wäre absolutes Halteverbot, das würde dann aber auch für Anwohner und Zulieferer — auch die, die zur Schule wollen – gelten. Da gibt es noch Klärungsbedarf, auch mit den Anwohnern“, erklärt Amtsleiter Schmoock. Der Stadtmanager verweist darauf, dass es für das Bringen und Holen der Kinder und auch für andere Autofahrer mit dem großen Parkplatz eine günstige Situation gebe. Das setze aber auch die Vernunft der Eltern voraus. Um um Verständnis bei allen zu werben, plant die Schule einen Aktionstag, an dem sie mit Sprühfarbe die Straße vor dem Schulgelände in eine Blühwiese verwandeln will. „Die Aktion wollen wir gemeinsam mit der Polizei als Infotag nutzen für Eltern und Anwohner“, kündigt die Schulleiterin an. Ein Termin steht noch nicht, voraussichtlich wird sie im nächsten Frühjahr stattfinden.

Für das komplizierte Queren der Landesstraße 3007 in der Jenaer Straße mit dem unübersichtlichen Abzweig zu den Zeilbäumen will die Stadtverwaltung das Gespräch mit dem zuständigen Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr führen. Das Gespräch mit dem Gastwirt, dessen große Werbetafel an der Saasaer Straße kleinen Kindern die Sicht auf die Straße und Autofahrern die Sicht auf kleine Kinder dahinter versperrt, soll gleichfalls noch geführt werden.

Neue Sperre wird gebaut

Der Fuß- und Radweg an der Stadionseite soll bis Ende dieses Monats für die eigentlichen Nutzer wieder sicherer gemacht werden. Das Wiederherrichten einer Sperre sei beauftragt, informiert Schmoock. Damit kann der Weg künftig nicht mehr von Autos befahren werden.

Über eine Tempo-30-Zone im Bereich der Hucke zwischen Ossietzky-/Wagner- und Hoher Straße sei noch zu reden, sagt der Ordnungsamtsleiter. Mit der Polizei abzustimmen sei auch das vorgeschlagene Stoppschild in der Ludwig-Jahn-Straße an der Einmündung auf die Carl-von Ossietzky-Straße, so Schmoock.

Sicherheit für Busfahrgäste

Mindestens mit Hinweisschildern „Achtung Fußgänger“ soll der Bereich an der Bushaltestelle in den Zeilbäumen für kleine und auch große ein- und aussteigende Fahrgäste sicherer gemacht werden. Angedacht sei, so Schmoock, ein Fahrgast-Sicherheitsprojekt, das mit der JES Verkehrsgesellschaft zu besprechen sei.

Weitere Querungshilfen in der Klosterlausnitzer Straße seien schwierig, räumt der Ordnungsamtsleiter ein. Die, die vorhanden sind, etwa am Tonteich, sollten auch genutzt werden. Angedacht sei aber, Schilder „Achtung Schulkinder“ aufzustellen. Ein Fußgängerüberweg sei zudem vorgesehen vor dem Sozialkomplex der Arbeiterwohlfahrt. „Der kann aber erst im Zuge der Roßplatz-Sanierung gebaut werden“, erklärt der Amtsleiter.

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