Eisenberg: Film über Ausstieg aus der rechten Szene als Abschlussprojekt

Das Bildungsprogramm "Objektiv" will rechtsextremorientierte und gewaltaffine Jugendliche erreichen.

In einem Waldgebiet bei Eisenberg entstand eine der insgesamt acht Einzelszenen des Films mit den Hauptfiguren "Marie" und "Andy" (sitzend). Foto: privat

In einem Waldgebiet bei Eisenberg entstand eine der insgesamt acht Einzelszenen des Films mit den Hauptfiguren "Marie" und "Andy" (sitzend). Foto: privat

Foto: zgt

Eisenberg. Es sind die bekannten dumpfen Parolen, mit denen "Andy" seine rechte Gesinnung zur Schau stellt. Immer und immer wieder - bis die richtige Kameraeinstellung gefunden ist.

Springerstiefel und Reichs­adler sind gestern Vormittag im Institut für Sozialwesen in der Karl-Liebknecht-Straße nur Teil der Requisite. 12 Jugendliche aus Eisenberg, Bürgel, Hermsdorf, Großhelmsdorf und anderen Gemeinden des Kreises ­beteiligen sich am Bildungsprogramm "Objektiv", das sich an rechtsextremorientierte und gewaltaffine Jugendliche richtet.

"Unsere Zielgruppe sind 13- bis 18-Jährige, die aufgrund sozialer, kultureller oder ökonomischer Faktoren stark vorurteilsgeprägt sind", sagt Alexandra Göpel vom Trägerverein "Drudel 11" aus Jena. Sie beim Übergang ins Erwachsenenalter und bei der Integration in die Gesellschaft zu unterstützen, ihrer Bereitschaft zu politischer Radikalisierung und zu Gewalt vorzubeugen sowie ihr Demokratiebewusstsein zu stärken, ist Ziel des Modellprojekts.

Die Teilnehmer aus Eisenberg sind in eine so­genannte Aktivierungshilfe des Jobcenters SHK integriert, die über mehrere Monate mit verschiedensten Anleitungen die Jugendlichen für den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt fit machen will. "Unsere Teilnehmer haben alle multiple ­Vermittlungshemmnisse", erklärt Projektleiterin Karin Wagner. Die Beschäftigung mit Holz, Metall, Farben und Hauswirtschaft gehört zur Maßnahme, ebenso ein Theaterprojekt.

Seit Anfang September arbeiten Alexandra Göpel und Friederike Rüger vom Verein Drudel"11 mit den Jugendlichen. In Gesprächsrunden wurden Themen wie Toleranz und Vorur­teile erörtert, die Zeit des Nationalsozialismus und Rechtsextremismus heute reflektiert und eigene Erfahrungen zum Thema gesammelt. "Wir arbeiten viel mit Bildmaterial, auch mit Filmen und Musik", erklärt Friederike Rüger. Die Theorie bildete die Basis für das Abschluss­projekt: ein Film, in dem eine junge Frau den Ausstieg aus der rechten Szene sucht. "Marie" ist durch ihre Familie seit ihrer Kindheit von Rassismus, Diskriminierung und Gewalt geprägt, rutscht durch Freund "Andy" immer tiefer ab. Zwei Drehtage hat Torsten Eckold, freischaffender Filmemacher aus ­Jena, mit den Jugendlichen am Film gearbeitet, unter anderem auch Szenen im Eisenberger Stadt­gebiet dafür gedreht. "Es sind ­alle sehr engagiert bei der Sache", lobt er. "Der Film ist von Jugend­lichen für Jugendliche gedreht", sagt Alexandra Göpel.

Das Programm "Objektiv" richtet sich an Schulen, Einrichtungen der freien und öffent­lichen Jugendhilfe, Vereine und andere Institutionen und wird gefördert vom Thüringer Sozialministerium und dem Bundesfamilienministerium.Kommentar