Eisenberger Fleischerei Roltsch feiert 130-jähriges Bestehen

Eisenberg.  Die Fleischerei Roltsch besteht seit 130 Jahren – zum Eisenberger Nachtweihnachtsmarkt am 29. November wird gefeiert.

Rosmarie und Katrin Eggert (r.) führen die Fleischerei Roltsch seit 1993 gemeinsam. Seit 1990 ist das Geschäft wieder in privater Hand, nachdem es in den 1950er Jahren in der DDR enteignet wurde. Die Familie ist zum 130-jährigen Jubiläum die gleiche geblieben – nur der Name hat sich verändert.

Rosmarie und Katrin Eggert (r.) führen die Fleischerei Roltsch seit 1993 gemeinsam. Seit 1990 ist das Geschäft wieder in privater Hand, nachdem es in den 1950er Jahren in der DDR enteignet wurde. Die Familie ist zum 130-jährigen Jubiläum die gleiche geblieben – nur der Name hat sich verändert.

Foto: Florian Girwert

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Wer hier öfter einkauft, wird gleich bei Ankunft mit Namen gegrüßt. Eine Kundin betritt das Geschäft der Fleischerei Roltsch im Eisenberger Steinweg. „Wird wohl das letzte Mal vor Weihnachten“, sagt die Kundin. Im Weihnachtsstress komme man erstmal nicht mehr nach Eisenberg. „Dann gebe ich euch jetzt schon mal was mit“, sagt Katrin Roltsch und reicht ein eingepacktes Messer über die Theke. Stammkundenpflege. „Wenn man die Kunden mit Namen anspricht“, fühlen sie sich ein bisschen geschmeichelt und gut aufgehoben, sagt die gelernte Fleischereifachverkäuferin.

Eigentlich hatte sie im Jahr der deutschen Einheit Porzellanmalerin lernen wollen, der Ausbildungsvertrag war bereits abgeschlossen. „Aber da war klar, dass ich nach Ende der Ausbildung keine Perspektive habe.“ Und schon damals, mit 16 Jahren, habe sie im Verkauf mit ausgeholfen und Spaß daran gehabt. Zur Ausbildung ging es über persönliche Verbindungen nach Oberfranken – und nach der Ausbildung mit Einser-Abschluss zurück ins elterliche Geschäft. Auch wenn Mutter Rosmarie und ihre Tochter Katrin mit Nachnamen Eggert heißen – die Familie ist noch immer die gleiche wie von Gründer Franz Roltsch, der 1889 die Fleischerei aus der Taufe hob.

Fleisch aus Mörsdorf, Käse aus Straßburg

Inzwischen ist man die letzte Eisenberger Fleischerei, sonst gibt es noch die Geschäfte der Agrargenossenschaft Königshofen und entsprechende Theken in den Supermärkten der Kreisstadt. Auf dem absteigenden Ast ist man keineswegs – auch weil Katrin Roltsch mit Spezialitäten jenseits von Fleisch und Wurst punktet. „Wir haben einen sehr guten Käse-Lieferanten aus Straßburg“, berichtet sie. Diese Zweig habe sie behutsam aufgebaut. Aber wenn man Kunden kosten lässt, lässt sich mancher davon überzeugen, noch unbekannte Sorten zu versuchen. Fleisch kommt aus dem Schlachthof in Altenburg, Wurst von der Mörsdorfer Landhof-Fleischerei und weiteren Lieferanten. „Salate und Sülze machen wir selbst“, sagt Senior-Chefin Rosmarie Eggert. Ebenso das täglich angebotene Mittagessen, das in der Umgebung gut angenommen wird.

Der Einser-Abschluss hat Katrin Eggert derweil geholfen – dazu gab es nämlich Weiterbildungs-Gutscheine im Wert von insgesamt 9000 DM. So konnte sie einen Kurs zur Filialleitung besuchen. Für die Partyservice hat sie sich zudem in Gemüseschnittkunst weitergebildet, das war 2011 und macht sich sehr gut auf kalten Buffets.

Feinkost gehört zum Konzept

Immer wieder reisen die beiden Frauen etwa zum Genuss-Gipfel „Corpus Culinario“ nach Bad Kissingen, um neue Ideen für Feinkost mitzunehmen, die etwa neben Likören, Wein und exotischem Bier zu haben ist. Dass die Eisenberger nur billig kaufen wollen, sieht man bei Eggerts nicht so. „Vielen Leuten geht es nicht nur um den Preis. Sind sind auch bereit, für Qualität zu zahlen.“ Wenn auch derzeit die Einkaufspreise auf breiter Front anziehen würden. Und bevor die Leute im Supermarkt billige Wurst in großen Packungen kaufen, die sie nicht verbrauchen können, sollen sie lieber bei uns wenige Scheiben kaufen.“ Auch Eier gebe es einzeln. Unterm Strich koste das nicht mehr als anderswo in Großpackungen.

Im Betrieb soll inzwischen auch Sohn Maurice mithelfen. „Der ist jetzt 16 und kann auch mal mitarbeiten“, sagt Mutter Katrin. Auch wenn er keine Karriere im Fleischerei-Geschäft anstrebt, einen Gesundheitspass hat er. Neben den Aushilfen Veronika Draht und Conny Gleitsmann dürfte weitere Unterstützung nötig sein. Gerade beim Partyservice „ist das Auftragsbuch bis zum Platzen voll.“

Das 130-jährige Bestehen soll zum Nachtweihnachtsmarkt vor dem Geschäft im Zelt gefeiert werden. Es gibt Heißes vom Rost, Getränke. „Und wir haben einen DJ, der schöne Schlager auflegen wird“, sagt Katrin Eggert und lacht.

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