Vor 30 Jahren

Erinnerungen an die Wendezeit in Eisenberg

Eisenberg.  Historiker Jörg Petermann über die Goldgräberstimmung in der Stadt und seinen größten Coup nach dem Ende der DDR

Historiker Jörg Petermann erinnert sich im OTZ-Gespräch an den 9. November 1989 und die Wendezeit in Eisenberg

Historiker Jörg Petermann erinnert sich im OTZ-Gespräch an den 9. November 1989 und die Wendezeit in Eisenberg

Foto: Archivfoto: Oliver Will

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Der Wendeherbst 1989 ist gerade in diesem Jubiläumsjahr in aller Munde. Natürlich gibt es auch Eisenberger Geschichten dazu. Jörg Petermann, der heute für das Landesamt für Denkmalschutz und Archäologie sowie als selbstständiger Historiker tätig ist, war im November 1989 Leiter der Eisenberger Museen. „Die Schlosskirche war damals einsturzgefährdet, das Stadtmuseum gerade mitten im Bau“, erinnert er sich. „Wir haben jeden Abend Fernsehen geschaut“, sagt er, die Nachrichten verfolgt. Auch die Grenzöffnung am 9. November 1989 erlebt er im heimischen Wohnzimmer. „Meine Frau wollte gleich losfahren.“ Doch erst am Wochenende darauf geht es mit dem Trabi gen Westen.

Die Zeit nach der Wende in Eisenberg beschreibt Jörg Petermann als Goldgräberstimmung: „Es war einfach alles offen.“ Die Schlosskirche wird zum repräsentativen Objekt für den Freistaat Thüringen erkoren und dank einer hundertprozentigen Förderung saniert. Zahlreiche weitere Objekte, darunter das Rathaus, kommen zur Instandsetzung in den Genuss von Fördermitteln. Als größten Coup dieser Zeit bezeichnet Petermann seinen Appell an Einrichtungen, Vereine, Verbände und an Privatleute, nichts aus ihrer DDR-Historie wegzuwerfen. Unzählige Uniformen, Traditionsfahnen, Abzeichen, selbst Leninköpfe nimmt er in seine Sammlung auf. Später werden diese Erinnerungsstücke an das Museum für deutsche Geschichte in Bonn übergeben. „Wir haben 7,5 Tonnen Ausstellungsgut dorthin gefahren.“ Zu seinem Leidwesen ist der Verbleib der Sammlung heute unbekannt - „Eisenberg wird im Museum nicht als Leihgeber benannt.“

Für ihn als Wissenschaftler sei die Wende ohne Frage eine Bereicherung gewesen, mit der Möglichkeit, international zu forschen und sich weiterzubilden. Als Historiker ärgern ihn Darstellungen, wonach man damals nur auf die Straße gegangen sei, weil man die D-Mark wollte. „Die Wahl im Mai 1989 war massiv gefälscht worden, wir haben für Meinungsfreiheit und Pressefreiheit demonstriert.“ Damals habe der Polizist neben dem Lehrer, der Arzt neben dem Arbeiter gestanden – „und alle waren gleich.“

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