Erstmals sind im Tiergarten Eisenberg 14 Steinkäuze geschlüpft

Eisenberg  Der Natur- und Artenschutz gehört zu den Aufgaben eines modernen Zoos. Im Tiergarten Eisenberg wird dieser Verpflichtung unter anderem mit einer eigenen Steinkauz-Zucht Rechnung getragen, die sich in diesem Jahr zu einer Erfolgsgeschichte gemausert hat.

Tiergarten-Leiter Mathias Wiesenhütter mit einem Steinkauz-Weibchen. Die Krallen der kleinen Vögel sind messerscharf.

Tiergarten-Leiter Mathias Wiesenhütter mit einem Steinkauz-Weibchen. Die Krallen der kleinen Vögel sind messerscharf.

Foto: Susann Grunert

Der Natur- und Artenschutz gehört zu den Aufgaben eines modernen Zoos. Im Tiergarten Eisenberg wird dieser Verpflichtung unter anderem mit einer eigenen Steinkauz-Zucht Rechnung getragen, die sich in diesem Jahr zu einer Erfolgsgeschichte gemausert hat.

Rückblick: 2005 zieht das erste Brut-Paar aus Thale im Harz im Tiergarten ein. Mit mög­lichem Nachwuchs soll das ­dortige Wiederansiedlungsprogramm für Steinkäuze im nördlichen Harzvorland unterstützt werden. Denn galten die Tiere noch in den 1950er Jahren als häufig, nahmen die Bestände in den folgenden Jahrzehnten drastisch ab. Heute zählt der Steinkauz zu den stark gefähr­deten Vogelarten, mit nur noch rund 6000 Stück deutschlandweit.

Die ersten Zuchtjahre sind schwierig gewesen

Bevor die Vögel jedoch nach Eisenberg umziehen können, müssen im Tiergarten die passenden Voraussetzungen geschaffen werden. „Wir haben dafür unsere Schneeeulen in den Tierpark nach Meißen umgesiedelt, den alten Käfig abgerissen und eine neue Voliere errichtet“, erzählt Tiergarten-Leiter Mathias Wiesenhütter. Die ersten Jahre seien schwierig gewesen. „Die Zucht hat nicht richtig gut geklappt.“ Im Oktober 2005 können zwar die ersten drei Jungvögel nach Thale gebracht werden, das Jahr darauf schlüpfen sogar fünf Küken, werden jedoch – „Wir wissen bis heute nicht warum – kurz, bevor sie flügge sind, von den Elterntieren getötet. Manchmal legen die Hennen gar kein Ei, oder es ist nicht befruchtet. Und im schlimmsten Fall stirbt die Henne oder der Hahn kurz vor der Brutzeit.

In den kommenden Jahren versucht Mathias Wiesenhütter daher, den Steinkäuzen noch bessere Bedingungen zu schaffen. Eine eigentlich zweiteilige Zuchtanlage wird umgebaut, um fortan nur einem Brutpaar mehr Raum zu geben. Außerdem entstehen „hinter den Kulissen“, das heißt nicht sichtbar für die Besucher des Tiergartens, weitere Volieren, um den scheuen Tieren mehr Ruhe zu gönnen.

Im vergangenen Jahr konnte zudem eine weitere Voliere saniert werden, so dass nun insgesamt vier Zuchtpaare im Eisenberger Tiergarten leben. „Damit sind wir super aufgestellt“, freut sich Mathias Wiesenhütter, der sich bis auf Ausnahmen alleine um die Tiere kümmert. Mehlwürmer, Mäuse, Küken – der Tisch sei immer reich gedeckt.

In diesem Jahr hat sich die gute Pflege ganz besonders gut ausgezahlt: „Das ist ein richtig gutes Steinkauz-Jahr.“ Zwei Brut-Paare haben jeweils sechs Eier gelegt – mehr geht nicht – , ein weiteres zwei Eier. Aus allen sind im April Jungtiere geschlüpft, die dazu alle wohlauf sind. Mit diesem Zuchterfolg habe er sogar Eckhard Kartheuser, den Verantwortlichen für das Wiederansiedlungsprojekt in Thale, überrascht. „Die haben sich riesig gefreut und wir fühlen uns bestätigt. Wir können mit unserer Arbeit etwas bewirken.“ Nächste Woche werden elf Jungtiere in den Harz umziehen. Dort werden sie entweder zur weiteren Zucht eingesetzt oder kommen in die Auswilderung. „Ein Tier kommt in den Zittauer Tierpark, die sich ebenfalls am Projekt beteiligen und dringend einen Hahn suchen“, erklärt Wiesenhütter. Zwei Tiere gingen außerdem an ein Naturschutzprojekt nach Borna, die den Eisenbergern in der Vergangenheit mit Tieren ausgeholfen haben. „Mittlerweile sind wir in der glücklichen Lage, Lücken in unserer Zucht mit eigenen Tieren schließen zu können.“

Ohne Ring am Fuß keinen „Personalausweis“

Kein Steinkauz verlässt den Tiergarten übrigens ohne seinen „Personalausweis“, eine EU-Bescheinigung, auf dem unter anderem der Züchter vermerkt ist. Die wird nur ausgestellt, wenn die Tiere beringt sind. „Das muss möglichst in der ersten Lebenswoche geschehen, weil die Ringe sonst nicht mehr passen.“

Für den Bau und Erhalt der Volieren, artgerechtes Futter oder nötige Dokumente wird im Tiergarten also durchaus Aufwand betrieben, nicht nur finanzieller Art. „Wir leisten damit aber einen nachhaltigen Beitrag zum Artenschutz, dafür ist uns jeder Aufwand wert.“

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