Gärtner für Brehms Garten in Renthendorf gesucht

Renthendorf  So gründlich, wie Alfred Brehm die Tierwelt studierte, so penibel dokumentierte er auch jede angepflanzte Pflanze in seinem Garten.

Blick auf den frisch angelegten Rosengarten vor dem Brehm-Haus in Renthendorf.

Blick auf den frisch angelegten Rosengarten vor dem Brehm-Haus in Renthendorf.

Foto: Frank Kalla

„Von der Thüre an nach innen zu“ oder „zu äußerst nach hinten“: Selbst im eigenen Garten vor seinem Haus in Renthendorf hatte der berühmte „Thiervater“ Alfred Brehm einen hundertprozentigen Überblick, was da alles so blühte und gedieh. In einem Taschenbuch mit dem Titel „Perennierende Gewächse des Renthendorfer Gartens“ listete der Forscher insgesamt 115 ausdauernde Gewächse auf, die den Garten vor dem Haus jedes Jahr vom Frühjahr bis in den Spätsommer in eine duftende Oase verwandelt haben müssen. Sandkraut, Weißklee, Gold- und Silberdisteln, aber auch der Purpurblühende Klee oder das Sonnenröschen waren in Brehms Rosengarten zu finden. So fanden sich „in zuäußerst nach hinten“ Spizaea ulmaria pieta“ neben „Clematis cylindria“ und „Phyrethum atrorozeum“ in trauter Dreisamkeit.

In unmittelbarer Nachbarschaft – im Küchengarten – wuchs derweil heran, was man als Beiwerk oder als Zugabe in der Küche für ein gutes Mittagessen benötigte: Tomaten, Gurken, Bohnen, Zwiebeln und allerlei Kräuter und Gewürzpflanzen. „Es war eine grüne Oase“, sagt Jochen Süss, Leiter der Brehm-Gedenkstätte in Renthendorf.

Eine grüne Oase sollen die Außenflächen rings um das sanierte Brehm-Haus möglichst schnell wieder werden. Im Herbst sollen hier alte Rosensorten angepflanzt werden, die Brehm über alles liebte und über deren Anschaffung durch den Tierforscher auch noch originale Zahlungsbelege existieren. Während die Landschaftsgestalter noch ihre Hände auf den Rosengarten halten, könnten Enthusiasten, denen das Vermächtnis Brehms am Herzen liegt und die gerne ein Stück Land bewirtschaften wollen, Teile des ehemaligen Küchengartens wieder reaktivieren. „Zwar brauchen wir im hinteren Bereich die Zufahrt noch, aber dem Anlegen eines Küchengartens steht im Prinzip nichts im Wege, sagt Süss. „Als Brehm-Gedenkstätte würden wir die kostenfreie Nutzung des ehemaligen Küchengartenareals zum Anbau von typischem Gemüse erlauben, uns aber im Gegenzug freuen, wenn sich ein interessierter Hobbygärtner später auch um die Stauden und anderen Gewächse rings um das Haus kümmern würde“, so Süss.

Für die Gedenkstätte und den Hobbygärtner wäre das Zustandekommen einer Partnerschaft eine Win-Win-Situation: Der Nutzer des Küchengartens könnte ohne Pachtkosten sein Gemüse anbauen, das künftige Brehm-Museum spart Kosten bei der Bewirtschaftung der Außenanlagen. Zudem würde ein echter Küchengarten bei den Besuchern einen besseren Eindruck hinterlassen, wie die Brehms im 19. Jahrhundert in Renthendorf gelebt haben.

Eingeschlossen in die Nutzung könnte auch der Obstgarten sein, wenngleich hier nur wenige Bäume erhalten geblieben sind. „Ob die uralten Apfelbäume, die hier stehen, noch aus Brehms Zeiten stammen, lässt sich nicht genau sagen. Aber wir versuchen derzeit, Reiser von dem stark geschädigten Baum zu pfropfen“, erklärt Süss. Vielleicht gelingt es ja, über diese Weise einen Nachfahren heranzuziehen.

Interessierte Hobbygärtner sollten sich indes beeilen, über das Angebot der Gedenkstätte ernsthaft nachzudenken. Schließlich steht die Zeit des Pflanzens ins Haus. Die Kartoffeln müssen bald in die Erde, Tomatenpflanzen wollen nach den letzten Nachtfrösten ins Freie gebracht werden, Bohnen, Erbsen und Zwiebeln können ebenfalls ins Freie raus.

Jochen Süss würde sich jedenfalls freuen, wenn es in naher Zukunft einen Brehmgärtner in Renthendorf geben würde. „Interessenten können sich jederzeit bei uns in der Gedenkstätte melden“, sagt er.

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