Ganz bewusst für ein Büro in Stadtrodas Innenstadt entschieden

Ute Flamich
| Lesedauer: 3 Minuten
Jana Rösch-Müller freut sich auf Interessierte, die mit ihr ins Gespräch kommen wollen.

Jana Rösch-Müller freut sich auf Interessierte, die mit ihr ins Gespräch kommen wollen.

Foto: Ute Flamich

Stadtroda  Jana Rösch-Müller (48) aus Quirla öffnet heute, 10 Uhr die Türen zu ihrem neuen Arbeitsplatz, dem „Büroadjutant“.

„Stadtroda habe ich mir ganz bewusst ausgesucht. Ich hätte auch bei mir Zuhause das Hinterhaus ausbauen und mir dort mein Büro einrichten können“, sagt Jana Rösch-Müller. „Aber ich habe das Gefühl, dass sich in Stadtroda gerade ein Trend abzeichnet, dass wieder mehr Geschäfte eröffnen. Ich möchte Anteil daran haben, dass die Innenstadt wieder lebendiger wird. Denn Stadtroda ist es wert, erhalten zu bleiben.“

Mit einer auf den ersten Blick vielleicht eher ungewöhnlich erscheinenden Geschäftsidee, die es in dieser Form zumindest in Stadtroda und im Kreis noch nicht geben dürfte, öffnet die 48-Jährige aus Quirla heute um 10 Uhr zum ersten Mal die Türen ihres neuen Arbeitsplatzes in der Straße An der Roda 6 in Stadtroda. Unter dem Namen „Büroadjutant“ erledigt sie zum einen auf Wunsch (fast) alles, „was mit Papierkram zu tun hat“. Zum anderen will sie als ehrenamt­liche Betreuerin für Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie für deren Partner und Angehörige da sein.

Der Weg in die Selbstständigkeit war für die Mutter von zwei Kindern im Alter von zwölf und 18 Jahren Plan B. „Ich habe jahrelang in der öffentlichen Verwaltung gearbeitet, auch in leitenden Positionen. Dann bekam ich gesundheitliche Probleme, befand mich plötzlich in einer Sackgasse. Ich habe mir überlegt, was ich ändern kann und machte schließlich aus der Not eine Tugend. Jetzt biete ich das an, was mir in der Zeit meiner Erkrankung gefehlt hat“, sagt sie und ergänzt: „Ich beantworte zum Beispiel Schreiben von Behörden, Versicherungen, Stromversorgern und Ämtern für Menschen, die diese Notwendigkeiten aus gesundheit­lichen Gründen nicht bewältigen können. Aber es gibt auch viele nicht psychisch Kranke, die von Verwaltungsangelegenheiten überfordert sind oder kaum Zeit dafür haben.“

Jana Rösch-Müller ist in Triptis aufgewachsen und hat zunächst eine Lehre als Keramtechniker mit Abitur absolviert. Mit der politischen Wende habe es auch bei ihr einen „kompletten Bruch im Lebenslauf“ gegeben. Von der technischen wechselte sie damals in die kaufmännische Richtung. Ihre danach über viele Jahre in der öffent­lichen Verwaltung gesammelten Erfahrungen kommen ihr nun in der Selbstständigkeit zugute.

Seit dem 1. Februar 2019 hat Jana Rösch-Müller ihre neuen Büroräume angemietet und sich dort mittlerweile in zwei Räumen hübsch eingerichtet. Auch wenn sie sich sicher ist, dass großer Bedarf an ihrer Dienstleitung besteht, hat sie bereits eines festgelegt: „Wenn ich mit meinem Vorhaben bis zu meinem 50. Geburtstag im Dezember 2020 nicht auf offene Ohren gestoßen bin, werde ich das beenden. Wenn es nicht klappt, falle ich aber nicht ins Leere. Ich habe immer einen Plan B.“