Geschätzter Kollege mit Handicap

Hermsdorf/Bad Klosterlausnitz  Holzlandwerkstätten (2): Daniel Riedel (41) ist als Außenarbeiter bei der Hermsdorfer Firma Cera System beschäftigt

Vor etwa zwei Jahren ist in der Hermsdorfer Cera System Verschleißschutz GmbH beschlossen worden, für einen ­Beschäftigten der Holzlandwerkstätten des Arbeiter-Samariter-Bundes, Kreisverband Saale-Holzland-Kreis, einen Außenarbeitsplatz zu schaffen.

Ein Mensch mit Behinderung als neuen Kollegen? – Das habe bei einigen Mitarbeitern des Unternehmens zunächst für ­Bedenken, wenn nicht sogar für ein wenig Angst gesorgt, sagt Fer­tigungsleiter Michael Hoffmann. „Ich denke, vor allem aus ­Unwissenheit und fehlenden ­Erfahrungen.“

Wie gehe ich mit einer Person mit Behinderung um, welche Ge­fahren gibt es, gerade was den Arbeitsschutz angeht – das seien Fragen gewesen, mit denen man sich unter anderem befasst hat. „Klar ist, dass solch ein Vor­haben kein Selbstläufer ist. Man muss sich inten­siver um die jeweilige Person kümmern.“

In vielen Bereichen als Arbeitskraft einsetzbar

Jedwede Sorgen und Bedenken sind in der Firma mittlerweile aus dem Weg geräumt. Denn der 41-jährige Daniel Riedel aus Jena, der den Außenarbeitsplatz seit Mitte Oktober 2017 besetzt, ist bei Cera System längst bestens integriert und gilt als geschätzter Kollege. „Daniel ist ­offen, geht auf die Leute zu und sagt offen und ehrlich, wenn mal irgendetwas nicht klappt. Er kann sich gut anpassen, ist vielseitig einsetzbar und man kann sich darauf verlassen, dass er sich und andere nicht in Gefahr bringt“, sagt Michael Hoffmann.

Bevor Daniel Riedel seine ­Tätigkeit bei Cera System aufnahm, arbeitete er viele Jahre in der Landschaftspflege der Holzlandwerkstätten in Bad Klosterlausnitz. Aufgrund einer Er­krankung allerdings habe er dort nicht weitermachen können. Als Alternative bot sich im September 2017 ein vierwöchiges Praktikum bei Cera System an. Das Unternehmen hatte den Kontakt zum ASB gesucht und sich über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit informiert. So konnte Daniel Riedel nach dem erfolgreich absolvierten Praktikum seine Stelle in Hermsdorf als Außenarbeiter der Holzlandwerkstätten antreten.

Kurze Zeit später habe eine weitere Beschäftigte der ASB-Einrichtung in Bad Klosterlausnitz einen Außenarbeitsplatz bei Cera System antreten können. „Aus gesundheitlichen Gründen musste sie ihre Arbeit im Dezember 2018 aber abbrechen“, sagt Claudia Kirchner, die als Integrationsfachkraft in den ASB-Holzlandwerkstätten tätig ist. „Weil Cera System seit gut zwei Jahren wieder Arbeiten in unserer Einrichtung ausführen lässt, kann die Beschäftigte in den Holzlandwerkstätten der gleichen Tätigkeit nachgehen, wie auf ihrem ehemaligen Außenarbeitsplatz.“

Daniel Riedel ist mit seiner Stelle in der Firma mit etwa 130 Angestellten vollkommen zufrieden. Gleich an seinem ersten Arbeitstag habe er im Büro bei der Stückprüfung helfen können. „Dabei habe ich Teile auf ihre Größe kontrolliert. Das hat mir richtig gut gefallen.“ Nach und nach sei er dann im Betrieb eingesetzt worden, zum Beispiel in der Sinterei, im Schleifzentrum, der Kistenwäsche. Langweilig dürfte es für den 41-Jährigen auch in Zukunft nicht werden, denn es gebe noch genug Tätigkeiten, in denen er sich ausprobieren kann.

Für Daniel Riedel beginnt die Arbeit 7.30 Uhr und endet 15.15 Uhr. Zu Fuß geht er die Viertelstunde auf Arbeit – und zwar bei jedem Wind und Wetter. Mittag­essen nimmt er in der Schul­küche Herrmann ein, ebenso wie viele seiner Kollegen. „Ich habe nichts zu meckern und bin dankbar für das gute Arbeits­klima“, sagt er.

Von seinen Kollegen und direkten Ansprechpartnern, die je nach seinem jeweiligen Tätigkeitsfeld wechseln, wird Daniel Riedel wegen vieler seiner guten Eigenschaften geschätzt. „Daniel ist immer gut gelaunt und sehr empathisch“, sagt Antje Zosel, die bei Cera System den direkten Kontakt zum ASB pflegt. „Er ist ein kleiner Allrounder, der sich zum Teil selbst organisiert. Manchmal muss er aber auch eingebremst werden“, sagt Michael Hoffmann und lacht. Daniel Riedel selbst wünscht sich vor allem eines: dass es beruflich so weitergeht wie bisher. Im Unternehmen alt zu werden, das kann er sich gut vorstellen.

Privat fährt er gern mit dem Fahrrad und geht öfter mal in die Stadt, zum Beispiel, um Süßigkeiten zu kaufen. Auch Konzerte besucht er gern. Seine musikalische Vorliebe gilt der Schlager- und Volksmusik. Angebote, die von der ASB-Wohnstätte in der Lahnsteiner Straße in Hermsdorf offeriert werden, nimmt er häufig wahr. Dort nämlich ist er seit eineinhalb Jahren zu Hause.

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