Gewalt gegen Frauen: Über verdeckte Taten und Dunkelziffern im Saale-Holzland

Silva Fricke ist Gleichstellungsbeauftragte im Landratsamt Saale-Holzland-Kreis.

Silva Fricke ist Gleichstellungsbeauftragte im Landratsamt Saale-Holzland-Kreis.

Foto: Nadine Grimm / Augenwerke Fotografie

Eisenberg.  Drei Fragen an die Gleichstellungsbeauftragte des Saale-Holzland-Kreises am Tag der Gewalt gegen Frauen.

Silva Fricke ist Gleichstellungsbeauftragte im Landratsamt. Zum heutigen Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen spricht sie im Kurzinterview über das Thema häusliche Gewalt im Saale-Holzland-Kreis.

Frau Fricke, lässt sich Gewalt an Frauen im Landkreis beziffern?

Laut Kriminalstatistik gab es im vergangenen Jahr 116 Fälle von häuslicher Gewalt im Landkreis, etwa 80 Prozent der Opfer sind Frauen. Das sind aber nur die Fälle, in denen die Polizei dazu kam. Wie hoch die Dunkelziffer ist, lässt sich nicht abschätzen. Andere Formen von Gewalt wie Stalking, Bedrohung oder Nötigung finden eher verdeckt statt.

Gibt es im Landkreis Anti-Gewalt-Programme für Täter?

Nein, aber es gibt das thüringenweite „Projekt Orange“, das Beratung und Unterstützung für diejenigen, die Gewalt ausüben, anbietet. Es gibt solche Beratungsstellen auch in Gera und Jena. Es ist gut, dass wir da so nah dran sind.

An welche Stellen können sich betroffene Frauen im Landkreis wenden?

Häusliche Gewalt ist oft nicht das einzige Problem. Daher sind die DRK-Erziehungsberatungsstellen in Kahla und Eisenberg, die Schwangerschaftskonfliktberatung in Eisenberg oder die Suchtberatungsstellen gute Anlaufpunkte mit multiprofessionellen Teams. Auch der Kinderschutzbund, das Jugendamt oder ich als Gleichstellungsbeauftragte können Hilfe vermitteln. Frauenhäuser gibt es in Gera und Jena, wo betroffene Frauen auch kurzfristig untergebracht und beraten werden können. Die nächste Opferberatungsstelle des Weißen Rings ist ebenfalls in Jena.