Gratis-Obst gibt‘s nur mit Zustimmung des Eigentümers

Saale-Holzland  Wer im Saale-Holzland-Kreis Äpfel oder Birnen pflückt, kann eine Straftat begehen – die allerdings selten geahndet wird.

Birnenbäume wie hier in Oßmaritz bei Bucha sind unter www.mundraub.de eingezeichnet.

Birnenbäume wie hier in Oßmaritz bei Bucha sind unter www.mundraub.de eingezeichnet.

Foto: Dörn

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Der Brombeerstrauch an der Einfallstraße ist verlockend, oder die Pflaumen, die prall und lila am Baum an der Kreisstraße hängen. Trotz Trockenheit ließe sich so mancher Korb mit Früchten aus dem Saale-Holzland-Kreis füllen. Aber darf man dort, wo man meint, einen herrenlosen Obstbaum zu erblicken, einfach pflücken?

Prinzipiell nein. Zwar besagt das Bundesnaturschutzgesetz, dass jeder sich Kräuter und Früchte in „geringen Mengen für den persönlichen Bedarf pfleglich entnehmen und sich aneignen“ kann. Allerdings dürfen keine Eigentumsverhältnisse missachtet werden. Und theoretisch gehört jeder Obstbaum jemandem, auch wenn er nur am Straßenrand steht und verwildert wirkt. Hierbei wäre beispielsweise der Baulastträger – also die Kommune, Kreis oder das Land – zuständig. Bevor man pflückt, müsste also immer der Eigentümer um Einverständnis gebeten werden.

Ein vermeintlich herrenloser Baum schützt also vor Strafe nicht, wenn der Eigentümer auftaucht. Was umgangssprachlich als Mundraub bekannt ist, erfüllt heute einen Straftatbestand. Wer Äpfel vom Baum mopst, begeht Diebstahl nach Paragraf 242 des Straf­ge­setzbuchs. Da es sich aber um gering­wertige Sachen handelt, kommt die Judikative nicht automatisch ins Spiel, sondern erst nach einem Strafantrag. Schwerwiegender wird es, wenn Zäune überschritten werden. Dann liegt Hausfriedensbruch vor.

Auf die Eigentumsrechte weist auch die Internetseite www.mundraub.org hin. Dort haben Nutzer Obstbäume und weitere Nutzpflanzen eingezeichnet, die zur allgemeinen Ernte verfügbar sein sollen. Jeder kann seine Funde eintragen und sie so der Gemeinschaft mitteilen. Wichtig sei, „verantwortungsbewusst und respektvoll mit der Natur und den kulturellen sowie privatrechtlichen Gegebenheiten“ umzugehen.

Die Karte scheitert aber teilweise an der Aktualität: Pflaumenbäume, die zwischen Jägersdorf und Oelknitz stehen sollen, gibt es nicht mehr. Und gerade im ländlichen Raum im Saale-Holzland-Kreis sind kaum Pfundorte benannt, obwohl es dort an vielen Ecken sprießt, während Jena häufig vertreten ist. Das mag besonders an den urbanen verwurzelten Nutzern solcher Internetseiten liegen.

Aber gibt es wirklich Streitigkeiten um ein paar Äpfel? Weder bei der Landespolizeiinspektion Jena noch im Landratsamt des Saale-Holzland-Kreises oder im Ordnungsamt in der Verwaltungsgemeinschaft Südliches Saaletal wurden Fälle von Mundraub bekannt, ergibt eine kurze Umfrage.

Dass es nicht unbedingt immer gleich zu einer Anzeige kommen muss, macht Alexander Pilling deutlich. Er ist für die Region Saale-Holzland beim Streuobstnetzwerk Ostthüringen aktiv. Dort vernetzten sich Obstbaumbesitzer, tauschen sich zum richtigen Schnitt aus und bestimmen ihre Sorten. Pilling wohnt im Reinstädter Grund, wo seit Jahrzehnten Apfelbäume stehen. Er spreche Wildpflücker an, wenn er sie sieht, und mache auf die Rechtslage aufmerksam. „Einfach hinfahren und abnehmen, geht nicht“, sagt er. Eine Anzeige sei aber das allerletzte Mittel und wurde von ihm bislang nicht genutzt, erklärt Pilling. Stattdessen versucht er es mit Prävention: An einigen Bäumen hängen Schilder mit der Telefonnummer des Eigentümers, bei dem nachgefragt werden kann, ob etwas Obst pflückbar ist.

Überhaupt: Aufgrund der Trockenheit stehen die Apfelbäume in der Region ohnehin nicht in voller Pracht. Besitzer von Pflaumen- und Mirabellenbäumen beklagen zudem wenig Wildpflücker, sondern mehr Maden, die sich an den süßen Früchten gütlich tun.

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