Hermsdorf braucht Fachkräfte, Fachkräfte, Fachkräfte

Hermsdorf.  Fokus fürs neue Jahrzehnt in Hermsdorf und Umgebung: Mehr und bessere Vorbereitung für die duale Ausbildung in den Schulen.

Die Unternehmen in Hermsdorf und Umgebung brauchen viele Arbeitskräfte – nicht nur studierte.

Die Unternehmen in Hermsdorf und Umgebung brauchen viele Arbeitskräfte – nicht nur studierte.

Foto: Tino Zippel

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Nach allgemeiner Einschätzung ist die Gewinnung qualifizierter Arbeitskräfte derzeit das drängendste Problem in den Gemeinden der Verwaltungsgemeinschaft Hermsdorf. Zum Jahresempfang hatte VG-Chefin Constance Möbius den Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Ostthüringen zu Gera (IHK) eingeladen. Und der wusste zu berichten, dass die Sorge wegen fehlenden Arbeitskräfte-Nachwuchses die Sorgen um zu hohe Energiepreise oder Regulierung abgelöst haben. Jüngste Umfragen hätten gezeigt – Fachkräfte bewegen die Unternehmen im Saale-Holzland-Kreis am meisten.

Das Patentrezept dafür, wie das gelingt, wird noch gesucht. Auch Landrat Andreas Heller (CDU) sagte, die Lage habe sich deutlich geändert. „Früher ging es darum, Arbeit zu finden. Heute geht es darum, Arbeitskräfte zu finden.“ Entscheidend dafür sei die Schule. Genügend Lehrer müsse das Land bereitstellen, um Unterrichtsausfall zu vermeiden, der Kreis sei in der Bringschuld bei der Infrastruktur. Zudem müsse man zur Kenntnis nehmen, dass viele Menschen nur noch Teilzeit arbeiten wollten. Als Chef des Arbeitgebers Kreisverwaltung habe er da seine Erfahrungen gemacht. „Ob das gut ist, um den Wohlstand hier zu erhalten, bezweifle ich.“

„Schüler in die Produktion!“

Zudem sieht er auch bei den Eltern Verantwortung. Kinder müssten richtig angeleitet werden. Die jugendliche Flucht in die digitale Welt sei oft keine gute Idee. „Und es muss wieder Gültigkeit haben, was der Opa sagt.“ Neuere Schulkonzepte bekamen vom früheren Schuldirektor ebenfalls ihr Fett weg, gerade wenn sie in den ersten Jahren auf Zensuren verzichteten. „Die sind aber wichtig. Es muss auch möglich sein, dass jemand ein Schuljahr wiederholt, der nicht gut genug abschneidet.“ Für die Ausführungen gab es mehrfach Applaus, vor allem von älteren Gästen – und Kopfschütteln bei einigen jüngeren.

Ganz so heftig fiel die Manöverkritik am Schulwesen von Seiten der VG-Chefin nicht aus. Sie plädierte dafür, in den Schulunterricht mehr praktische Elemente einfließen zu lassen. „Ich habe gerne bei der Kartoffelernte geholfen“, sagte sie. Von den Erfahrungen im Produktionsunterricht profitiere sie bis heute.

Tridelta-Campus Hermsdorf als Paradebeispiel für Vernetzung

Einigkeit – auch mit IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Höhne – bestand darin, dass nicht ein immer größerer Anteil der Schulabgänger studieren müsse. Anderswo werde studiert, was hier in der dualen Ausbildung mit praktischen Elementen vermittelt werde. Doch wenn Unternehmen Auszubildende gewinnen wollten, müssten sie sich in der Region möglichst gut vernetzen, um ihre Möglichkeiten bekannter zu machen. Der „Tridelta-Campus“ sei hier eine gute Möglichkeit. Schülern wie Eltern müsse klar sein, dass eine berufliche Ausbildung keine Niederlage ist.

Die Kammer engagiere sich mit einer Reihe von Möglichkeiten in dieser Richtung. Weil aber aufgrund einer zu geringen Zahl von Kindern auch in den kommenden Jahren der Bedarf nicht aus den Schulen gedeckt werden kann, müsse man auch auf Zuwanderung zurückgreifen. „Dazu gehören auch Flüchtlinge, die seit 2015 zu uns gekommen sind und nun einmal hier sind.“ Allerdings müsse man auch koordiniert Mitarbeiter und Fachkräfte anwerben. Allein die Mitgliedsunternehmen des Tridelta-Campus haben derzeit mindestens 43 offene Stellen, sagte Tridelta-Campus-Geschäftsstellenleiterin Janina Kühn. Die Aussichten für Schulabgänger könnten schlechter sein.

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