Hermsdorfer Firma gegen harten Wirtschafts-Lockdown

Hermsdorf  TFT Hermsdorf hat laut Geschäftsführer ein straffes Management, um Produktionsabläufe zu sichern. Ein Wirtschafts-Shutdown wäre fatal.

Gruppenleiter Axel Wottawa an einer automatisch arbeitenden Impuls-Schweißanlage. Im Frühjahr 2020 hat das Hermsdorfer Unternehmen in die Hochtechnologie investiert, in der alle sechs Sekunden ein Sensor produziert werden kann.

Gruppenleiter Axel Wottawa an einer automatisch arbeitenden Impuls-Schweißanlage. Im Frühjahr 2020 hat das Hermsdorfer Unternehmen in die Hochtechnologie investiert, in der alle sechs Sekunden ein Sensor produziert werden kann.

Foto: Andreas Schott

Für den Geschäftsführer der Hermsdorfer Firma Siegert Thinfilm Technology (TFT), Hartmut Wottawa, gehen die jüngst geäußerten Vorschläge aus der Politik, Firmen in den Lockdown zu schicken, in die völlig falsche Richtung.

Die Hermsdorfer produzieren unter anderem für den Weltmarkt hochtechnologische Drucksensoren, in denen hydraulischer Druck von bis zu 2000 bar erzeugt werden kann. Das sei unter anderen in Industrieautomaten, Pressen, Kränen und Landwirtschaftstechnik der Fall. Vorwiegend beliefere man Vertragspartner in Europa, die wiederum weltweit agieren. Könne man vertraglich vereinbarte Zulieferungen aufgrund einer Schließung der Firma nicht einhalten, würden globale Produktionsketten unterbrochen.

„Wir riskieren damit die Auftragskündigung durch unsere Partner, die wir über Jahre aufgebaut haben. Das ist wirtschaftlich für unser Unternehmen nicht darstellbar“, skizziert Hartmut Wottawa die Konsequenz für die Hermsdorfer.

In Vollzeit seit November

Das Jahr 2020 habe man im Betriebsergebnis halbwegs gut überstanden. Zwar habe man ab April Kurzarbeit einführen müssen, aber seit November produziere man wieder in Vollzeit. Die Auftragsbücher seien gut gefüllt, und nach derzeitigem Stand zeichne sich für dieses Jahr trotz einer schwierigen Marktlage eine optimistische Bilanz ab, schaut der Geschäftsführer voraus.

Bei Forschung und Entwicklung sei man in Zukunftsprojekte involviert. Zudem investieren die Hermsdorfer weiter in eine Fertigungslinie für Spezialprodukte. Ob weitere Investitionen 2021 folgen, werde man im Sommer entscheiden, blickt Wottawa auf Kommendes. Zudem sehe er in der Corona-Pandemie die Unternehmen nicht als Hotspot - weil Geschäftsführungen in Firmen eine existentielle Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern sowie dem Fortbestehen des Unternehmens tragen.

Strenge Regeln im Haus

„Bei uns gelten für alle Mitarbeiter strenge Hygiene- und Abstandsregeln. Pausen finden gestaffelt statt, Kontakte zu anderen Abteilungen sind stark minimiert. Täglich besprechen wir im Führungsteam die Personalsituation. Unsere Mitarbeiter sind angehalten, eigenverantwortlich zu handeln. Schon bei leichten Anzeichen einer Infektion sollen sie uns telefonisch informieren. Als Vorsichtsmaßnahme bitten wir sie, zu Hause zu bleiben. Sollte es bei Krankschreibungen Problem geben, übernehmen wir bei einer kurzen Auszeit die Freistellungskosten“, so Hartmut Wottawa.

Aufgrund der Mitarbeiterzahl - Siegert TFT beschäftigt 120 Mitarbeiter - sei es möglich, Kurzzeitausfälle in vielen Abteilungen kompensieren zu können. Im Spezialbereich der Endmontage sei das aufgrund der Qualifizierung der Mitarbeiter nicht vollumfänglich möglich. Daher sei es geraten, frühzeitig zu reagieren, um das Unternehmen vor einer flächendeckenden Infizierung zu schützen, der dann zu Dutzenden Ausfällen führen könnte, begründet der Geschäftsführer die Strategie.

Unternehmen bezahlt Coronatest

Kritisch sehe man allerdings die Quarantäneregelung. Befinde sich zum Beispiel ein Familienangehöriger eines Beschäftigten in Quarantäne, dürfe derjenige weiter beruflich tätig sein. „In dem Fall darf unser Mitarbeiter nur zur Arbeit erscheinen, wenn ein negativer Test vorliegt. Sollte es notwendig sein, bezahlen wir den Test“, so Wottawa.

Um die gespannte Situation für Unternehmen nicht noch weiter zu verschärfen, wünscht sich Hartmut Wottawa von der Politik bundesweit einheitliche Corona-Regeln.