Im Interview: Tenor Björn Casapietra gibt Konzert in Thalbürgel

Thalbürgel  Der Sänger gastiert mit seinem „Hallelujah – Die schönsten Himmelslieder“ am 24. August in der Klosterkirche von Thalbürgel. Wir haben mit ihm gesprochen.

Björn Casapietra spielt am Sonnabend, 24. August, ab 19 Uhr sein Programm „Hallelujah – Die schönsten Himmelslieder“ in der Klosterkirche Thalbürgel. Neben Musik und ihrer Bedeutung hat der Sänger auch eine politische Botschaft.

Björn Casapietra spielt am Sonnabend, 24. August, ab 19 Uhr sein Programm „Hallelujah – Die schönsten Himmelslieder“ in der Klosterkirche Thalbürgel. Neben Musik und ihrer Bedeutung hat der Sänger auch eine politische Botschaft.

Foto: Uwe Arens

Zu Gast beim Thalbürgeler Konzertsommer ist am 24. August der Tenor Björn Casapietra mit seinem Programm „Hallelujah – Die schönsten Himmelslieder“. Wir haben mit ihm über eine besondere Beziehung zur Klosterkirche gesprochen, über populäre Titel und unruhige Zeiten.

In der Klosterkirche werden auch Rundfunk-Aufzeichnungen gemacht. Muss man sich auf so einen Konzertsaal anders vorbereiten?

In dem Moment, wo ich weiß, dass es die Klosterkirche ist, weiß ich auch, dass die Akustik dort gut zu unserer Musik passt, zu meinem Gesang, zum Spiel meines Pianisten – auch zu den leisen Tönen. In einem Sprechtheater ist es schwieriger, sich auf die Gegebenheiten einzustellen. Aber die Klosterkirche ist nicht nur deshalb besonders.

Wehalb noch?

Hier wurde die Tradition klassischer Musik über Jahrzehnte gepflegt. Pfarrer Eckhard Waschnewski kannte schon meine Eltern, das ist für mich etwas Besonderes.

Wie trifft man die Entscheidung, welche Lieder auf einer Tournee gespielt werden?

Ich habe im Hinterkopf, was mein Publikum gerne hören möchte in diesem Segment. Die Menschen müssen die Lieder kennen. „Guten Abend, gute Nacht“ von Brahms, „Halleluja“ von Leonard Cohen, „Ave Maria“ von Schubert – das sind die Hits des Himmels, wenn man so möchte. Und man darf sich nicht irren: Das sind nicht nur Kirchenlieder.

Es geht also um mehr als religiöse Inhalte?

Was mich an der Klassik immer gestört hatte, als ich jünger war: Viele nehmen diese Musik sehr ernst. Ich möchte die Menschen aber auch zum Lachen bringen.

Warum das?

Jemand der lacht, ist offener für ein Konzerterlebnis, für eine emotionale Regung. Das Publikum weiß, dass es bei mir nicht langweilig wird. Klassik darf auch Spaß machen. Das ist wichtig, gerade in den unruhigen Zeiten, in denen wir leben.

Unruhige Zeiten?

Nach allem, was dieses Land erlebt hat nach 1945, nach der Wende 1989, stehen wir heute da und haben wieder Nazis vor uns, die mehr kaputt machen werden als sie erreichen können. Deshalb habe ich angefangen, meine Konzerte auch politischer zu machen.

Kommt das an?

Mir ist klar, dass ich mir damit nicht nur Freunde mache. Meine Musik soll den Zuhörern Zuversicht, Kraft, Vertrauen und Liebe bringen. Das will ich ihnen vermitteln. Die Menschen sollen sich nach dem Besuch in der Kirche erquickt fühlen. Wenn ich das geschafft habe, dann ist viel erreicht.

Fehlen uns heute Zuversicht und Vertrauen?

Definitiv. Wenn ich Internet Kommentare lese, zum Beispiel über die Resultate der Europawahl, macht mich das traurig. Wie viele Menschen da ohne jede Grundlage behaupten, dass die guten Resultate für die Grünen nur das Ergebnis einer Fälschung sein können. Da sitzt man da und fragt sich, woher es kommt, dass die Leute in rein gar nichts mehr Vertrauen haben.

Was glauben Sie denn, woher das kommt?

Das hat viel mit der DDR zu tun und dem, was sie aus den Menschen gemacht hat. Die Abneigung gegen Demokratie, Freiheit, Umweltschutz – das ist irre. Wir brauchen wieder mehr Zuversicht und Vertrauen – auch in uns selbst.

Sie machen damit große Anforderungen an das Konzert auf. Was ziehen denn Zuhörer aus der Veranstaltung?

Ich habe eine Gänsehaut, wenn ich an das Konzert in Thalbürgel denke. Hier werde ich mir die größte Mühe geben, ehrlich zu sein. Die Menschen sollen glauben, was auf der Bühne geboten wird. Wenn jemand im Publikum weint, dann habe ich seine Seele berühren können.

Woran merken Sie das?

Mit 15 Jahren habe ich Guiseppe di Stefano gehört, ein weltberühmter Tenor. Der war damals schon über seinen Zenit hinaus und sang ziemlich schief. Aber er hat mich berührt, das war ein Aha-Erlebnis. Technisch sauber singen können viele, ich auch. Aber wenn man ehrlich singt und sich in den Text hineinversetzen kann, merken das die Zuhörer. Das will ich in Thalbürgel schaffen.

Was ist eigentlich aus Sicht des Sängers besser? Eine kleine Bühne mit intimer Atmosphäre oder eine große Bühne mit möglichst vielen Zuschauern?

Am schönsten sind die Konzerte in kleineren Orten in kleinen Kirchen, wenn einem das Publikum nahe ist. Wenn ich in Hamburg oder Dortmund bin, kann das Publikum jeden zweiten Tag einen Star sehen. Nach zwei Stunden wollen die Leute raus und ihr Bier oder ihren Wein trinken. Wo nicht jeden Tag jemand kommt und ein Konzert gibt, macht es mehr Spaß. Die Kirchen sind voll, das Publikum ist viel dankbarer, dass man überhaupt da ist. Dann ist es ein gegenseitiges Liebhaben.

Karten für das Konzert am 24. August ab 19 Uhr in der Klosterkirche Thalbürgel gibt es für 29 Euro übers Internet unter www.klosterkirche-thalbuergel.de/ oder telefonisch unter der Nummer 036692/222 10

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