Initiative Schwarzer Menschen kritisiert weiter Eisenberger Mohrenfest

Eisenberg  Eisenberg will das Stadtfest unter dem neuen Namen auch im nächsten Jahr fortführen. Es soll jedoch ein Gespräch mit den Kritikern geführt werden.

Konrad Erben kritisiert das Mohrenfest als „pseudo-historischen Kitsch“.

Konrad Erben kritisiert das Mohrenfest als „pseudo-historischen Kitsch“.

Foto: Thomas Beier

Die Lokalgruppe Thüringen der Initiative Schwarzer Menschen (ISD) in Deutschland ist fassungslos und empört darüber, dass die Stadt Eisenberg den seit diesem Jahr neuen Namen ihres Stadtfestes weiterhin führen will.

Für die ISD Thüringen erklärt Konrad Erben dazu in einer Pressemitteilung: „Wir hatten gehofft, dass sich die Stadt nach unserem offenen Brief zumindest einmal kritisch mit dem pseudo-historischen Kitsch auseinandersetzt, auf den sie sich da beruft. Stattdessen will der Bürgermeister nun noch einen drauf setzen und hält an dem rassistischen Anstrich für das Stadtfest Eisenberg fest.“

Dass der Bürgermeister jetzt ankündigt, mit Kritikern der Namensgebung das Gespräch suchen zu wollen, empfindet die ISD als unglaubwürdig. „Wenn Herr Kieslich das Thema ernst nähme, hätte er die von uns angeregte historische Kommission gründen können. Ebenso hätte er uns auf den Brief antworten oder Kontakt zu uns aufnehmen können. Nichts davon hat er getan, stattdessen zelebriert er damals und heute ignorante Diskriminierung“, so Erben weiter.

Eisenberg spricht mit Thüringer Netzwerk

„Das angekündigte Gespräch mit Kritikern wird es geben“, sagte auf Zeitungsnachfrage Eisenbergs Bürgermeister Michael Kieslich (CDU). Allerdings mit jenen, die sich mit ihrer Kritik nicht über die Medien, sondern direkt an die Eisenberger Stadtverwaltung gewendet hätten, so Kieslich. Ein offener Brief von Herrn Erben sei im Rathaus nie eingegangen. Das angekündigte Gespräch werde am kommenden Montag geführt mit Vertretern des Thüringer Antidiskriminierungsnetzwerkes. Daran würden auch die Vorsitzenden aller im Stadtrat vertretenden Fraktionen teilnehmen. Im Anschluss sei eine Pressekonferenz geplant, um die Ergebnisse des Gespräches mitzuteilen.

In seiner Pressemitteilung verwehrt sich Konrad Erben im Namen der Initiative Schwarzer Menschen auch gegen die Behauptung, die Kritik sei im „roten und grünen Lager“ aufgekommen. Er verweist darauf, dass die ISD eine Selbstorganisation ohne Bindung zu einer bestimmten Partei sei und das Thema aufgegriffen habe, weil Rassismus und Kolonialgeschichte schwarze Menschen auch im Jahr 2019 betreffen und betroffen machen.

Erben war der Erste, der unmittelbar vor dem Stadtfest Ende Mai laut Kritik am Namen Mohrenfest erhob. Zu dieser Zeit kandidierte er für die SPD für den Stadtrat in Jena und für das Amt des Ortsteilbürgermeisters in Wenigenjena. Unmittelbar darauf kam auch Namenskritik von den Landesgrünen. Die Kommunalwahl 2019 und das Eisenberger Stadtfest fielen am Sonntag, 26. Mai auf denselben Tag.

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