Jede Menge „Fliegende Kisten“ in Schöngleina

Schöngleina  Heute, 12. Juli, werden über 80 Cessna-Flieger in Schöngleina erwartet, das Wochenende darauf dutzende Gyrocopter-Piloten.

Ein Gyrocopter des in Thüringen ansässigen Unternehmens Rotorvox ist in der Luft unterwegs. Vom 19. bis zum 21. Juli findet auf dem Gelände des Verkehrslandeplatzes Jena-Schöngleina wieder ein großes Gyrocopter-Treffen statt, das einzige seiner Art in ganz Deutschland.

Foto: Alexander Volkmann

Mit gemischten Gefühlen verfolgt Wolfgang Kuhnert, Geschäftsführer des Verkehrslandeplatzes Jena-Schöngleina, derzeit den aktuellen Wetterbericht. „Heftige Gewitter sind nicht unbedingt das, was wir jetzt gerade gebrauchen können“, verweist der erfahrene Pilot auf das 6. Internationale Cessna-Treffen, zu dem sich ab heute bis zu 80 Flieger aus ganz Europa angekündigt haben.

Die weiteste Anreise hat ein Pilot aus Norwegen vor sich, der aus dem nördlichen Polarkreis, aus Tromsö, kommt. „Der legt über 2000 Kilometer zurück, nur um beim Schöngleinaer Treffen dabei zu sein“, freut sich Kuhnert. Mit dabei sind aber auch Flieger aus Österreich, der Schweiz, aus Polen, Tschechien, Slowenien und natürlich aus Deutschland.

Auch wenn das Treffen eigentlich mehr für die Flieger gedacht ist: Besucher, die sich für die Fliegerei und Cessna-Maschinen interessieren, sind wie in den Vorjahren gern gesehene Gäste. „Natürlich kann man gern mit den Piloten ins Gespräch kommen und sich auch Oldtimer, wie eine Cessna 120 aus dem Jahr 1946 auf dem Gelände anschauen, allerdings geht dies aus Sicherheitsgründen nur in Begleitung“, sagt der Verkehrslandeplatz-Chef.

Mit vor Ort sind am Sonnabend auch Vertreter des Flugzeugbauers sowie Mitarbeiter der Bundesanstalt für Flugunfalluntersuchung. Letztere werden anhand von ausgewählten Fällen aufzeigen, worauf Piloten besonders achten sollten, wenn sie mit ihren „Fliegenden Kisten“ in der Luft unterwegs sind.

Dass Neugierige in Schöngleina vor einem leeren Landefeld stehen werden, wird nicht passieren. So wird die Masse der Flugzeuge geparkt bleiben. „Ein Rundflug ist diesmal nicht geplant.“

Ganz anders beim „3. GyroJena FlyIn“, einem Treffen von Gyrocopter-Piloten und ihren Maschinen, das am Wochenende darauf, also vom 19. bis 21. Juli, auf dem Gelände des Verkehrslandeplatzes stattfindet. „Bei dem Treffen sind auch Werks- und Testpiloten der Unternehmen vor Ort, die am Sonnabend Rundflüge für Interessierte anbieten werden“, kündigte Kuhnert an. Die Gyrocopter-Veranstaltung sei in ihrer Art einmalig in Deutschland. „So etwas gibt es nur in Schöngleina, dass wichtige Hersteller sich an einem Punkt präsentieren.“

Angemeldet für das internationale Treffen haben sich unter anderem die Unternehmen Trendak (Polen), Magni Gyro (Italien), Niki Rotor (Bulgarien), ELA (Frankreich) sowie Auto Gyro und Rotorvox aus Deutschland, wobei letzteres Unternehmen sogar in Thüringen, in Eisenach, angesiedelt ist.

Neu sind die sogenannten Tragschrauber nicht, die seit Mitte der Neunziger Jahre den Luftraum erobern. „Die Geschichte reicht bis in den Zweiten Weltkrieg zurück“, erzählt Kuhnert. Damals habe man Tragschrauber von U-Booten aus in die Luft gebracht und so den Gegner ausspioniert. „Die Vorfahren der Gyrocopter waren im Verhältnis zu anderen Geräten so klein, dass sie nicht geortet werden konnten.“

Seinen Siegeszug in der zivilen Luftfahrt trat der Gyrocopter allerdings erst Jahrzehnte später an. „Auch wenn Tragschrauber in vielen Bereichen zum Einsatz kamen, für Privatleute wurden sie erst interessant, als die Hersteller auf neuartige und vor allem deutlich leichtere Materialien wie Karbonverbindungen zurückgriffen. Dadurch konnten extrem leichte Gyrocopter gebaut werden. Zudem ist die Bedienung eines Tragschraubers einfacher als die eines echten Hubschraubers, der Gyrocopter verbraucht außerdem sehr wenig Sprit. „Mit 15 Litern in der Stunde ist ein Gyrocopter echt ein sparsames Fluggerät“, sagt Kuhnert. Allerdings ließen sich keine Geschwindigkeitsrekorde aufstellen. „Hier lautet die Devise: Der Weg ist das Ziel“. Inzwischen seien gebrauchte Gyrocopter mit etwas Glück schon für ein Schnäppchenpreis ab 25.000 Euro zu haben.

Nicht nur technische Details werden am Sonnabend, 20. Juli, bei dem Gyrocopter-Treffen Interessierten vermittelt. Wer will, kann sich auch bei Flugschulen über die Pilotenausbildung und andere Dinge informieren. Unklar ist derzeit noch, ob es einen kleinen Ziel-Wettbewerb geben wird. Dabei müssen die Piloten mit ihrem Tragschrauber in einem fünf Mal fünf Meter großen Areal eine punktgenaue Landung hinlegen.

Für die gastronomische Versorgung wird an diesem Wochenende auch für die Besucher gesorgt. „Der Feuerwehrverein von Schöngleina hat sich dankenswerter Weise bereit erklärt, Roster und Rostbrätel zu braten und sich um die Bereitstellung von Getränken zu kümmern. Der Eintritt ist übrigens frei.“

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