Kunstverein Eisenberg zeigt das Leben in Gastfamilien

Eisenberg.  Mit der Ausstellung „Die zweite Familie“ sucht der Verein „Aktion Wandlungswelten“ nach Freiwilligen, die seelisch oder geistig Kranke bei sich aufnehmen

Christiane Sachse (links) und Cosima Girth vom Verein „Aktion Wandlungswelten“ aus Jena wollen mit der Ausstellung um neue Gastfamilien werben.

Christiane Sachse (links) und Cosima Girth vom Verein „Aktion Wandlungswelten“ aus Jena wollen mit der Ausstellung um neue Gastfamilien werben.

Foto: Susann Grunert

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Eine Familie sitzt am Esstisch und lacht, Jung und Alt haben Spaß bei einer Partie „Mensch ärgere dich nicht“ – Situationen wie diese könnten in jeder Familie entstehen. Die Fotografien, die ab Dienstag unter der Überschrift „Die zweite Familie“ im Eisenberger Kunstverein zu sehen sind, zeigen aber ganz besondere Beziehungen, die keineswegs gewöhnlich sind.

Paare, Alleinstehende oder Lebensgemeinschaften kommen als Gastfamilien in Frage

Der Verein „Aktion Wandlungswelten“ aus Jena betreut seit 2003 in ganz Thüringen Familien, die seelisch oder geistig kranke Erwachsene bei sich aufnehmen, die nicht oder noch nicht alleine leben können. Paare mit oder ohne Kindern, Lebens- und Wohngemeinschaften sowie alleinstehende Personen kämen als Gastfamilien in Frage, sagt Christiane Sachse vom Verein. „Die Familien sind Laien, sie brauchen keine Vorkenntnisse“, ergänzt Cosima Girth. Die Mitarbeiter vom Verein leisten die fachliche Begleitung, sind regelmäßig in den Gastfamilien zu Besuch und bei allen Fragen und Problemen die Ansprechpartner.

Einbindung in eine Familie kann Symptome der Krankheit lindern

Die Einbindung in eine Familie biete Raum für persönliche Bedürfnisse und Freiheiten, bedeute Individualität und Lebensqualität. Die Bewohner erleben den Familienalltag mit, ordnen sich ein und könnten neue Beziehungen aufbauen. „Wir haben schon oft beobachtet, dass sich dadurch Symptome verbessert haben“, sagt Christiane Sachse. Man begegne sich von Mensch zu Mensch, werde nicht nur auf seine Diagnose reduziert. „Vielen hilft dieser Raum, um sich zu stabilisieren“, meint Cosima Girth. Das Ziel sei, dass die Gastbewohner wie richtige Familienmitglieder aufgenommen werden, auch wenn die Dauer der Aufenthalte unterschiedlich ist. Für die Betreuung erhalten die Familien eine Aufwandsentschädigung, zudem würden die Kosten für Unterkunft und Verpflegung übernommen.

Zur Vernissage mit Gastfamilien ins Gespräch kommen

Um die Arbeit des Vereins vorzustellen, haben die Fotografen Marco Rank und Andreas Heidrich das Leben in den Gastfamilien porträtiert. Mit diesen Bildern, die nun für einige Wochen in der Galerie des Kunstvereins zu sehen sind, wolle man vor allem um neue Familien werben, betont Christiane Sachse. Zur Vernissage am Dienstag könnten Interessierte mit erfahrenen Gastfamilien ins Gespräch kommen.

Vernissage am Dienstag, 21. Januar, 16 Uhr, Galerie des Kunstvereins, Steinweg 18

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