"Situation ist bizarr": Kurzarbeit im Krankenhaus in Eisenberg

Eisenberg.  Trotz Corona-Pandemie stehen in den Waldkliniken viele Patientenbetten leer. Wann und wie der Betrieb wieder hochfahren kann, ist noch unklar.

In den Waldkliniken Eisenberg gibt es seit dem Monat April mitten in der Corona-Pandemie Kurzarbeit. Geschäftsführer David-Ruben Thies mit der Mitarbeiter-App, die auch das Personal informiert, das aktuell zuhause Überstunden abbummelt.

In den Waldkliniken Eisenberg gibt es seit dem Monat April mitten in der Corona-Pandemie Kurzarbeit. Geschäftsführer David-Ruben Thies mit der Mitarbeiter-App, die auch das Personal informiert, das aktuell zuhause Überstunden abbummelt.

Foto: Angelika Munteanu

„Die Situation ist bizarr“, stellt David-Ruben Thies fest. „Ja, wir haben Kurzarbeit beantragt – für die Mitarbeiter in allen Bereichen unseres Krankenhauses“, sagt der Geschäftsführer der Waldkliniken Eisenberg. Und das mitten in der Corona-Pandemie. Der Grund: Während anderswo auf der Welt und auch in einigen Regionen Deutschlands Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, stehen die meisten Betten in den Waldkliniken in der Kreisstadt des Saale-Holzlandes leer.

Patienten, die durch das Corona-Virus erkrankt sind und intensivmedizinisch versorgt werden müssen, gibt es bislang im Eisenberger Krankenhaus nur sehr wenige. Die medizinische Grundversorgung von anderen medizinischen Notfällen und akut Erkrankten – etwa Chirurgiepatienten und Patienten mit Darmkrebs – wird weiterhin gesichert. Füllt aber nicht die Klinikbetten. Und die Spezialisierung als Deutsches Zentrum für Orthopädie für Patienten aus der gesamten Bundesrepublik und darüber hinaus ist vorerst komplett ausgesetzt.

Höchstens 50 Bettensind aktuell belegt

„Wir waren dem Erlass der Bundeskanzlerin und des Bundesgesundheitsministers sowie der Thüringer Landesregierung vom 13. März gefolgt und haben am 16. März unser Krankenhaus auf die Versorgung von Corona-Patienten umgerüstet“, erklärt Thies. Da keine aufschiebbaren Operationen mehr stattfinden durften, seien am 15. März für mehr als 1000 Patienten die bereits vereinbarten Termine abgesagt worden. Das Resultat: Seit dem 16. März seien lediglich 45 bis 50 Betten im Krankenhaus mit Patienten belegt, davon die allerwenigsten Covid-19-Patienten, erläutert Thies. Die durchschnittliche Auslastung im Vorjahr habe bei 160,48 belegten Betten am Tag gelegen. „Zum Glück ist die Welle der Corona-Fälle bisher nicht so gekommen, wie anfänglich befürchtet. Aber wir verzichten jetzt pro Woche auf Einnahmen von fast einer Million Euro“, rechnet der Geschäftsführer vor.

Ob der, wie er es nennt, Rettungsschirm für die Krankenhäuser den Verlust ausgleichen wird, müsse sich erst noch zeigen. 560 Euro soll es vom Staat für jedes der im Vergleich zum Vorjahr nicht belegten Betten geben. Zusätzlich pro zu behandeltem Patienten 50 Euro für die persönliche Schutzausrüstung der Mitarbeiter. Und eine Einmalzahlung für jedes zusätzlich geschaffene Intensivbett in Höhe von 50.000 Euro. Das macht in Summe einmalig 400.000 Euro, nachdem die Waldklinken die bisherige Zahl ihrer Intensivbetten von bislang acht und um weitere acht aufgestockt hatten. Das Geld sei versprochen, sei aber noch nicht geflossen, sagt Thies. Wie lange der Krankenhausbetrieb bei solchen Verlusten aufrecht erhalten bleiben kann, sei bislang unklar.

Mit derzeit deutlich weniger Patienten wird auch weniger Personal im Krankenhaus benötigt, rechnet der Geschäftsführer weiter vor. Zudem sei es sinnvoll, nur soviel Personal wie nötig im Haus zu haben, um auch hier die Ansteckungsgefahr zu minimieren.

Kurzarbeit mit dem Betriebsratabgestimmt

Die Waldkliniken in Eisenberg sind kein Einzelfall in Ostthüringen. Auch für die Krankenhäuser in Greiz und Schleiz etwa gilt Kurzarbeit. Die Klinikleitungen dort waren in dieser Woche in die Kritik der Gewerkschaft verdi geraten, weil sie an der Personalvertretung vorbei agiert hätten, hieß es in einer Mitteilung von verdi. In den Waldkliniken Eisenberg war der Schritt, Kurzarbeit für die Belegschaft zu beantragen, mit dem Betriebsrat abgestimmt gewesen. „Im Moment werden erst einmal zuhause Überstunden abgebummelt“, sagt Thies. Über eine digitale Mitarbeiter-App des Krankenhauses seien alle auch von Zuhause aus über Dienstpläne und Entwicklungen im Krankenhaus informiert. Auf diesem Wege hat der Chef den Mitarbeitern in der Pflege und den Ärzten in der Covid-19-Betreuung auch versichert, dass sie keine Einbußen an ihrem Netto-Lohn haben werden.

Offene Fragen zur Rückkehr zum Normalbetrieb

„Mit diesen Maßnahmen haben wir etwas Zeit gewonnen“, sagt Thies. Seit Freitagnachmittag sehe er zudem etwas klarer: Am Morgen hatte der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigt, dass Krankenhäuser und Praxen die Regelversorgung von Patienten wieder stärker aufnehmen sollen. Ab Mai will Spahn „schrittweise und mit Vorsicht“ Krankenhäuser in Deutschland zum Normalbetrieb zurückkehren lassen. Wann das wird, sei noch genau zu klären, meint Thies. Und auch, wie der innerbetriebliche Ablauf im Krankenhaus zu organisieren ist. Das fängt beim Eingang an, durch den im Moment alle gehen, wo Körpertemperatur gemessen, Hände desinfiziert und Schutzmasken ausgegeben werden. Dann müssten – so Thies – wohl zwei Eingänge geschaffen werden: einer für das Krankenhaus mit Infektpatienten und einer für das Deutsche Zentrum für Orthopädie.