Landeserntedankfest in Schkölen: Kleinstadt erweist sich als toller Gastgeber.

Schkölen  Wo Papst kocht und Kaiser durch die Stadt führt: Die Ostthüringer Kleinstadt Schkölen zeigt sich zum 26. Landeserntedankfest als Gastgeber für den Freistaat von ihrer besten Seite

Die Schkölener Hopfenkönigin Laura Landmann (rechts) wird auf dem Fest von der Thüringer Milchkönigin Luise Unger aus Erfurt begleitet.

Die Schkölener Hopfenkönigin Laura Landmann (rechts) wird auf dem Fest von der Thüringer Milchkönigin Luise Unger aus Erfurt begleitet.

Foto: Munteanu

Vielleicht wären es 1000 Besucher mehr gewesen am Samstag in Schkölen – wenn das nasskalte Wetter manchen nicht abgehalten hätte von der Reise durch Thüringen zum 26. Landeserntedankfest in die ostthüringische Kleinstadt kurz vor der Landesgrenze zu Sachsen-Anhalt.

„Die sieben Erntedankkronen für die offiziellen Festgäste haben wir vorsorglich untergestellt, damit sie die Nässe nicht anziehen“, sagte am Mittag die Geschäftsführerin des Thüringer Landfrauenverbandes, Christine Schwarzbach.

Landwirte waren indes dankbar über den Herbstregen: „Normalerweise wären wir im Mais, aber wegen des Wetters können wir nicht aufs Feld“, sagte Dirk Eigler aus Lindenkreuz im Landkreis Greiz. Er und seine Partnerin Cindy Vogel seien deshalb zum Erntedank nach Schkölen gekommen, weil sie ständig auf der Suche seien nach besonderen regionalen Produkten. Am Stand des Biohofs aus Willschütz sind sie fündig geworden: „Eine Flasche Mohnöl, es war die letzte.“

Auch Schkölens Bürgermeister Matthias Darnstädt war am Ende des Festes zufrieden: „Es ist ein ständiges Kommen und Gehen gewesen bis zur Feuershow am späten Abend.“ Einen Tag lang demonstrierte Schkölen, was es alles zu bieten hat. Vor allem in der Landwirtschaft, aber auch an Kulinarischem, Handwerk, Vereinsleben und Geschichte.

Während in der von den Landfrauen ausgeschmückten Kirche der neue evangelische Landesbischof Friedrich Kramer den ökumenischen Erntedank-Gottesdienst zelebrierte, gaben die Wirtsleute Andreas und Monika Papst in der Gaststube des Ratskellersaales der Festtafel für den Bauernschmaus für 50 Ehrengäste von Thüringer Bauernverband, Landfrauenverband und Landespolitik den letzten Schliff.

„15 Stunden haben wir für das Menü benötigt, mit allen Vorbereitungen“, verriet Andreas Papst und erklärte: „Es ist alles selbst frisch zubereitet.“ Für den Koch eine Frage der Ehre – und gekocht wurde natürlich mit Zutaten aus der Region: Tomaten, Wels, Fleisch und Gemüse. Dazu für jeden Ehrengast einen irdenen Becher. „Ein Gastgeschenk aus Willschütz von der Stadt“, sagte Bürgermeister Darnstädt.

Auf dem Rundgang über das weite Festgelände zwischen einstigem Gutshof und Wasserburg entpuppte sich Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) durchaus als Kenner der Schkölener Geschichte. Mit all ihren Wechseln zwischen Sachsen und Thüringen, immer am Rand und meist fernab vom Blick der Regierenden gelegen. Ein überraschtes „Aha“ war dennoch zu hören, als Isabell Kaiser vom Burgverein als historische bewanderte Führerin durch die 1000 Jahre alte Wasserburg zu berichten wusste, dass Schkölen über das Adelsgeschlecht derer von Hoym verwandtschaftliche Beziehungen zu Gräfin Cosel hatte.

Überrascht war der Landesvater auch von dem, was die in der Fläche größte Kleinstadt im Saale-Holzland-Kreis zu bieten hat: Am Stand der Tomatenproduzenten sog er den Duft eines dickfleischigen Paradiesapfels ein. Dass sich Landwirte in Schkölen von der klassischen Tierproduktion weitgehend zurückgezogen haben, statt dessen Welse züchten, Gemüse anbauen, intensiv Bioenergie produzieren und auch selbst nutzen, waren neue Erfahrungen. Und natürlich der Hopfen als Basis für gute Biere, symbolisiert von einer Hopfenkrone und der Hopfenkönigin Laura Landmann, die auf dem Landeserntedankfest von der Thüringer Milchkönigin Luise Unger aus Erfurt begleitet wurde.

Punkten konnte Schkölen als Gastgeber auch mit einem verlässlichen Vereinsleben: der Turn- und Sportverein beim Auf- und Abbau, der Feuerwehrverein bei der Absicherung des Festes und mit deftig-wärmender Soljanka und Linsensuppe aus der Gulaschkanone.

Alpakas aus Trockenborn, Kaninchen aus Bürgel, Jäger, Pflanzen aus Eisenberg, Schmiede und Tischler aus dem nahen Sachsen-Anhalt waren auf dem Fest zu treffen. Tischler aus der Wertebau GmbH zimmerten ein Entenhaus für den Wassergraben an der Schkölener Burg. „Das ist fertig und soll in dieser Woche aufgebaut werden“, freute sich Bürgermeister Darnstädt über die Unterstützung.

Die Schkölener selbst waren stolz darauf, das 26. Landeserntedankfest – das erste überhaupt im Saale-Holzland-Kreis – ausrichten zu dürfen. „Das ist eine richtig gute Reklame für unsere Stadt“, sagte Ute Knüpfer vom Feuerwehrverein. Auch die Schkölener Urgesteine Dagmar Winkler und Lotte Lorbeer waren stolz darauf, viele fremde Gäste in ihrer Stadt zu haben.

Bodo Ramelow – wie sein Herausforderer von der CDU, Mike Mohring, im Landtags-Wahlkampf-Modus — musste das Erntedankfest beizeiten nach der festlichen Tomaten-Vorsuppe verlassen. Dem Bürgermeister versicherte er jedoch, er komme wieder und nehme sich einen ganzen Tag Zeit für Schkölen.

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