Mit dem Bus zur Arbeit: Firma Vacon bei Jena unterstützt das Jobticket

Großlöbichau/Jena  Mit 19 Jobticket-Nutzern bei Vacom wächst die Zahl der Nutzer dieser speziellen Abo-Fahrkarte in Jena und Umgebung auf 1111.

Die Firma Vacom aus Großlöbichau bietet seit Juli ein Jobticket für ihre Mitarbeiter an. Das Unternehmen zahlt die Hälfte der Kosten.

Die Firma Vacom aus Großlöbichau bietet seit Juli ein Jobticket für ihre Mitarbeiter an. Das Unternehmen zahlt die Hälfte der Kosten.

Foto: Florian Girwert

Pünktlich um 14.18 biegt ein Bus mit tiefem Diesel-Grummeln um den kleinen Kreisel. Direkt vorm Werkstor der Firma Vacom in Großlöbichau ist seit 8. Juli eine Haltestelle eingerichtet und wird mehrfach am Tag bedient, seit jenem Tag auch besser an die Schichtzeiten des Unternehmens angepasst.

Die Bedingung lautet: Zehn Tickets müssen wenigstens in Anspruch genommen werden, die Firma muss pro Monat wenigstens fünf Euro zuschießen, dann kommt das Jobticket zustande, das 10 Prozent weniger kostet als eine normale Monatskarte. 56,25 Euro sind es für die Fahrt von Jena nach Großlöbichau im Monat – und Vacom zahlt statt nur 5 Euro immerhin die Hälfte des Preises. Die Fahrkarte ist dann auch privat nutzbar.

Marlies Rolle ist zunächst einmal zufrieden, dass sie jetzt weniger Fußweg hat. Seit einigen Monaten arbeitet sie in dem schnell wachsenden Unternehmen und pendelt jeden Tag von Bürgel nach Großlöbichau. „Das Auto benutzt mein Mann – und von der Haltestelle an der Bundesstraße ist es zu Fuß etwa eine Viertelstunde.“ Direkt vorm Werkstor kommt gut an – auch bei Roman Föltz. Der CNC-Fräser nutzt das Angebot seit vergangener Woche, der Bus in Richtung Jena nach der Frühschicht, 14.22 Uhr rollt der Bus aus Richtung Eisenberg nach Jena. 19 Mitarbeiter nutzen bereits das Jobticket, das das Unternehmen zusammen mit Jenaer Nahverkehr und JES Verkehrsgesellschaft anbietet.

Ute Bergner freut sich über das zügige Zustandekommen der neuen Haltestelle und der Jobticket-Vereinbarung. „In nur sechs Monaten haben wir alle Probleme ausgeräumt“, sagt die Gründerin und Geschäftsführerin des Vakuum-Komponenten-Herstellers, auf dessen Grundstück seit Monaten fleißig gebaut wird. Inzwischen ist die Zahl der Mitarbeiter auf 300 angewachsen, und die Chefin freut sich über jede Autofahrt, die dank Jobticket wegfällt.

Andreas Möller zeigt sich zufrieden, dass das Jobticket nun auch Stadt und Landkreis verbindet. „Wir denken die Region Jena und Saale-Holzland-Kreis ohne Grenzen“, sagt der Geschäftsführer der Jenaer Nahverkehr GmbH und der JES Verkehrsgesellschaft. Während früher die Verkehrsgesellschaften oft gegeneinander gearbeitet hätten, erwarteten die Bürger heute völlig zu Recht mehr Kooperation.

Die bringt man in Großlöbichau auf die Straße – und seit 13. Juli auch in Kahla. Für Sonnabendmorgen bietet man einen Bus aus Jena zum Kekshersteller Griesson und weiter zum Bahnhof in Kahla an, denn zu dieser Zeit fährt kein passender Zug für die morgendliche Schicht. Ein Jobticket gibt es hier noch nicht, aber die Verzahnung zwischen Bahnhof und Gewerbegebiet soll weiter verbessert werden, sagte Möller.

In Jena und Umgebung nutzen inzwischen genau 1111 Menschen das Jobticket. „35 Unternehmen bieten es an“, sagte Markus Würtz, Bereichsleiter Vertrieb beim Jenaer Nahverkehr.

Das Jenaer Unternehmen kümmert sich um den Vertrieb des Jobtickets, das prinzipiell überall im Gebiet des Verkehrsverbunds Mittelthüringen (VMT) angeboten wird und nicht nur mit Bussen genutzt werden kann. In Jena etwa kämen Pendler mit dem Zug aus Gera oder Weimar.

Das Potenzial im Kreis erachten die beiden Verkehrsunternehmen als groß, der erste Schritt ist mit der Firma Vacom getan. „Am leichtesten umzusetzen wäre eine Ausweitung natürlich an den Hauptlinien“, so Möller. Zu denen gehört auch die Achse Jena-Bürgel-Eisenberg.

Nahverkehrs-Chef Andreas Möller ist glücklich über die wachsende Nutzerzahl. „Letztlich kommen die Einnahmen unseren Betrieben zugute.“ Für Roman Föltz fehlt aber noch etwas: nach der Spätschicht statt eines Kleinbusses bis zur Endhaltestelle der Straßenbahn in Jena-Ost ein Bus, der weiter in die Stadt hineinfährt.

Sofern die Zahl der Jobticket-Nutzer steigt, sei das nicht ausgeschlossen.

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