Nachricht aus dem Deutsch-Französischen Krieg nach Bürgel

Bürgel  1870 schrieb ein junger Soldat an der Front an die Familie in Bürgel. 150 Jahre später ist seine Feldpostkarte in die Töpferstadt zurückgekehrt.

Im Dezember 1870 schrieb ein junger Mann aus Bürgel, der gerade im Deutsch-Französischen Krieg kämpfte, an seine Familie. 150 Jahre später ist seine Feldpostkarte nun über Umwege wieder in Bürgel gelandet.

Im Dezember 1870 schrieb ein junger Mann aus Bürgel, der gerade im Deutsch-Französischen Krieg kämpfte, an seine Familie. 150 Jahre später ist seine Feldpostkarte nun über Umwege wieder in Bürgel gelandet.

Foto: Rudolf Wolfram

Bürgel. Ein junger Mann aus Bürgel kämpft als Soldat im Jahr 1870 im Deutsch-Französischen Krieg. Nach einer verlustreichen Schlacht bei Orleans verfasst er im Dezember 1870 ein paar Zeilen an seine Familie. Er schildert die Grauen des Kriegs: „Furchtbares Granaten und Gewehrfeuer, eine Granate flog dicht hinter mir nieder, der Luftdruck aus der aufgewühlten Erde schmiß mich in eine Hecke, so daß ich fast besinnungslos war, einem Mann von meiner Companie zerriß dieselbe das Gesäß.“ Am Ende der Nachricht lässt er die Familie wissen, dass er bald einen ausführlicheren Brief plant. Ob die Familie jemals wieder Nachricht von ihrem Sohn erhält, ist ungewiss.

Die Feldpostkarte trägt einen Stempel der Bürgeler Post: 12.12.1870. Sie hat die Familie also zur Adventszeit vor über 150 Jahren erreicht. Was danach damit passiert ist, bleibt im Dunkeln. Doch 150 Jahre später entdeckt ein Philatelist aus Nordrhein-Westfalen die Karte auf einem Flohmarkt und nimmt sie mit. Er recherchiert zu „Bürgel“ im Internet und stößt auf die Internetseite www.buergel-history.de, die Rudolf Wolfram, früher Pfarrer in Bürgel, seit über 20 Jahren betreibt. Nach einer kurzen Korrespondenz erhält der passionierte Heimatforscher Kopien der Feldpostkarte und startet seine Recherche nach dem Verfasser und seiner Familie.

Junger Soldat ist wahrscheinlich im Krieg geblieben

„Es war schwierig, die Familie zu definieren“, erzählt Rudolf Wolfram. So habe der Soldat seinen Vornamen auf der Adressseite der Karte nicht genannt, auf der Textseite sei er kaum noch lesbar gewesen. Erst das Studium alter Kirchenbücher führt zum Erfolg. „Ich habe mir die Suche aber selbst etwas zu kompliziert gemacht“, meint er. So habe er beim Verfolgen des Stammbaums einen dritten Vornamen nicht mit abgeschrieben. „Zu früherer Zeit konnte dieser eine Name aber den Unterschied machen.“ Nach wochenlanger Recherche ist schließlich klar, dass der Unteroffizier im Dezember 1870 an seine Mutter, seinen Bruder und die Schwägerin schrieb. Die beiden Frauen stammten aus Töpferfamilien. Da es sich bei der Feldpostkarte nun ohne Frage um ein Stück Bürgeler Geschichte handelte, habe der Philatelist aus Nordrhein-Westfalen schließlich den Vorschlag gemacht, das Original zurück nach Bürgel zu geben. Dort wird es nun im Keramik-Museum der Töpferstadt aufbewahrt, ein erschütterndes Zeitdokument des Krieges.

Über das weitere Schicksal des jungen Soldaten und den Männern aus Bürgel, die an seiner Seite kämpften, ist nichts weiter bekannt. Höchstwahrscheinlich sind sie im Krieg gefallen. „Es gibt jedenfalls nach 1870 keine Dokumente oder Hinweise mehr auf sie“, sagt Rudolf Wolfram. Er habe an dieser Stelle aber bewusst nicht weitergeforscht, um den betroffenen Familien, deren Nachkommen teils bis heute in Bürgel leben, nicht zu nahe zu treten. Funde wie die 150 Jahre alte Feldpostkarte seien aber unheimlich wichtig, um die Bürgeler Geschichte zu rekonstruieren. „Es gibt gerade aus der Zeit um 1870 und davor nur sehr wenige Dokumente.“ Mehrere Stadtbrände hätten wichtige Zeugnisse vernichtet. Umso wichtiger sei es daher, bestehende Dokumente zu finden und zu sichern.

Hinweis: Auf der Internetseite www.buergel-history.de finden Interessierte unter „Interessantes“ und „Post aus Orleans“ eine ausführliche Analyse zur Karte, Absender und Empfänger.