Neue Stromleitung für die Ziegenmühle

Schleifreisen.  Eine neue unterirdische Stromleitung wurde am Mittwoch freigeschaltet. Die alte Freileitung hatte zahlreiche Störungen verursacht.

Feierliche Freischaltung der neuen Stromleitung an der Ziegenmühle im Zeitzgrund:Christian Gessing von der Firma Mehnert mit den drei Freileitungen, die gekappt wurden.

Feierliche Freischaltung der neuen Stromleitung an der Ziegenmühle im Zeitzgrund:Christian Gessing von der Firma Mehnert mit den drei Freileitungen, die gekappt wurden.

Foto: Jens Henning

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Dem Geschäftsmann Jens Adomat läuft heute noch ein kalter Schauer über den Rücken, wenn er von seinem Erlebnis am 11. Januar 2019 erzählt. Eigentlich waren er und sein Team von der Ziegenmühle im Zeitzgrund im Hermsdorfer Stadthaus zur Bewirtung der Gäste beim Neujahrsempfang der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Hermsdorf. Dass er an dem Abend noch einmal auf das Gelände seiner Mühle fuhr, um etwas zu holen, war eher zufällig.

Im Nachhinein stellte sich diese Zufalls-Fahrt als Glücksmoment heraus. „Als ich ankam, war es überall stockdunkel. Kein Licht brannte mehr. Ich sah von weitem ein Flackern. Ich dachte im ersten Moment, da haben sich bestimmt Jugendliche einen dummen Jungens-Streich erlaubt und noch Silvestersachen angezündet“, sagte Adomat. Doch es war kein verspäteter Silvester-Scherz. Eine der drei Freileitungen war durch den Schneebruch gerissen und lag am Boden. Die Stromschläge hatten das Flackern erzeugt.

Es hatte für Adomat auch tödlich enden können

„Im Nachhinein habe ich erst erfahren, in welche Gefahr ich mich da begeben hatte. Ich war vielleicht 50 Meter entfernt. Das hätte für mich tödlich enden können.“ Er griff zu seinem Handy und informierte die Feuerwehr. Wenig später standen die Kameraden der Wehren aus Hermsdorf und Schleifreisen vor Ort. Es dauerte nicht lange, da war die Stromleitung gekappt. Adomats geplante Festrede im Stadthaus wurde aus aktuellem Anlass zu einer Frustrede. „Natürlich hatte ich da Bezug genommen. Offenbar haben meine Worte ihre Wirkung nicht verfehlt. Wir können nur froh sein, dass sich die Verantwortlichen um den Fall gekümmert haben. Das war einfach kein Zustand. Immer wenn es stärker geschneit hatte, mussten wir damit rechnen, dass der Strom vielleicht ausfällt“, sagte Adomat.

Dieser Vorfall vom Januar war nicht der erste gewesen im Zeitzgrund. „Seit 2012 gab es in diesem Bereich bisher 17 Störungen mit einem Gesamtschaden von 70.000 Euro. Das ist schon eine Zahl, die man ernst nehmen muss. Der Zeitzgrund gehörte nicht zu Schwerpunkten in unserem Netz. Ich kann aber den Ärger der Leute verstehen“, sagte Stephan Sachse, Projektleiter bei der Thüringer Energienetze.

Das Thema Störung durch eine beschädigte Freileitung im Zeitzgrund zwischen den Gemeinden Bollberg und Schleifreisen ist seit Mittwoch Geschichte. Kurz nach 11 Uhr wurde ein Hebel im neuen Trafohaus symbolisch nach unten gedreht. Jens Adomats Frau kam gut gelaunt aus der Mühle und verkündete: „Alles gut. Der Strom fließt.“

Die Stromleitung wurde unterirdisch neu verlegt

Seit dem 7. Oktober wurde auf einer Länge von 1.350 Metern und in 1,10 Meter Tiefe eine unterirdische Leitung neu verlegt. Die ursprüngliche Freileitung führte über eine Strecke von 900 Metern. Da auf einem Areal die Grundstücksfragen nicht geklärt werden konnten, musste die Baumfirma einen kleinen Umweg machen und die unterirdische Leitung um 400 Meter verlängern. „Ich kann den Leuten von der Firma Mehnert nur danken. Die haben professionell gearbeitet. Jetzt haben wir die Sicherheit, dass das Essen in der Pfanne nie kalt wird und auch unser Bier niemals warm wird“, sagte Adomat.

Mit der Firma Mehnert meinte Adomat die Firma Elektro Mehnert/Weiß aus dem ostthüringischen Großenstein. Als der Regen nachließ, stieg Mehnert-Mitarbeiter Matthias Beer in seinen Hubwagen und fuhr an einen der vier Gittermasten nach oben, um die Stromleitungen abzuschneiden. Die Firma Mehnert hatte vom Hauptauftragnehmer, der Thüringer Energienetze, kurz TEN, den Zuschlag für die Arbeiten bekommen. Mit im Boot waren die Stadtwerke Energie Jena-Pößneck als Stromlieferant.

In die Baumaßnahme flossen insgesamt 340.000 Euro, von der TEN kamen 280.000 Euro, von den Stadtwerken 60.000 Euro. Die Freileitung war 1977 verlegt worden.

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