Pflege im Saale-Holzland-Kreis wird immer besser bezahlt

Eisenberg/Thalbürgel.  Mit Kopfprämien und steigenden Gehältern kämpfen Kliniken und Altenpflege um die wenigen verfügbaren Pflegekräfte in der Region.

Das im Bau befindliche Bettenhaus der Waldkliniken in Eisenberg: Es dürfte bereits dazu beigetragen haben, dass der Standort für Pflegekräfte attraktiver geworden ist.

Das im Bau befindliche Bettenhaus der Waldkliniken in Eisenberg: Es dürfte bereits dazu beigetragen haben, dass der Standort für Pflegekräfte attraktiver geworden ist.

Foto: Florian Girwert

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Gesundheits- und Pflegeregion will der Saale-Holzland-Kreis gern sein – das betonen Politiker unterschiedlicher Couleur immer wieder. Doch woher die Arbeitskräfte dafür nehmen? Die Bundesagentur für Arbeit hat für eine Studie herausgefunden, dass es gerade dort in Thüringen im Argen liegt: Auf 31 arbeitslose Pfleger kommen im Freistaat 100 offene Stellen. Die Folge: Es dauert im Schnitt 132 Tage, bis eine Stelle besetzt ist.

Eine Erfahrung, die man in ähnlicher Weise im Aspida Lebenszentrum in Thalbürgel schon gemacht hat: „Wir haben zum Beispiel fünf Monate lang jemanden für eine Ergotherapie-Stelle gesucht, die nun endlich besetzt werden konnte“, sagt Sebastian Thieswald, der geschäftsführende Gesellschafter. Sechs Wochen seien eine gängige Zeit, um jemanden zu finden. „Was schon recht lang ist.“ Dass das Thalbürgeler Pflegeheim damit deutlich unter den Werten der Branche liegt, mag auch an der Bezahlung liegen. 2860 Euro brutto bekommen die Altenpfleger hier pro Monat bei einer Vollzeitbeschäftigung. Das ist deutlich über dem Thüringer Durchschnitt in der Altenpflege-Branche, den die Bundesagentur für Arbeit bei 2332 verortet.

Fast 4000 Pflegebedürftige im Saale-Holzland-Kreis

Die Agentur erkennt zudem ein Problem: Bei vergleichbarer Qualifikation bekommen Krankenpfleger in Vollzeit knapp mehr als 3000 Euro im Monat. „Und was mit dem Mindestlohn in der Altenpflege erreicht wird, ist viel zu wenig“, sagt Thieswald – im Osten liegt der ab diesem Jahr bei 10,85 Euro pro Stunde und hat daher auf den Fachkräfte-Bereich keinen Einfluss. Die teilweise niedrigen Vergütungen seien jahrelang ein Grund gewesen, dass Menschen den Beruf zügig wieder verlassen hätten. „Die Altenpflege ist ein schöner, aber auch ein schwerer Beruf“, sagt Thieswald. Die Intensität der Arbeit sei angestiegen, zudem der Bedarf höher als noch vor einigen Jahren. Allein im Saale-Holzland-Kreis gab es im Jahr 2017 immerhin 3847 Pflegebedürftige – in der Folge dürfte die Zahl aufgrund der zunehmenden Alterung der Bevölkerung im ganzen Land weiter gestiegen sein. Bei Aspida in Thalbürgel arbeiten derzeit 75 Mitarbeiter für 90 Gäste.

Eigentlich, so findet Thieswald, bräuchte man in der Altenpflege für die gleiche Anzahl von Patienten 50 Prozent mehr Pflegepersonal. „Damit die Pflegerinnen und Pfleger in Ruhe mit den Menschen reden oder eine noch individuellere Planung machen können.“ Derzeit laufe der Dienst hintereinander weg. „Und wer das nicht kann, resigniert schnell.“ Eigentlich gehöre nicht nur die körperliche Tätigkeit zum Beruf. „Auch für Aufmerksamkeit und Zuwendung muss im Arbeitsalltag genügend Zeit sein“, sagt Thieswald, der seine Karriere selbst als Pfleger begonnen hat. „Ausländische Fachkräfte spielen aktuell bei uns fast keine Rolle“, so Thieswald. „Ich hätte allerdings nichts dagegen, wenn sich jemand geeignetes bei uns bewirbt.“

In Eisenberg viel Pflegepersonalhinzugewonnen

Im Saale-Holzland-Kreis stellt man bei allen Problemen zufrieden fest, es habe eine Reihe beispielhafter Investitionen im Pflegebereich gegeben, die den Weg in Richtung Gesundheits- und Pflegeregion gut aufzeigten. So sieht man etwa das im Bau befindliche Bettenhaus der Waldkliniken Eisenberg als herausragend an. „Auch das Arbeitsumfeld für die Beschäftigten konnte so oft verbessert werden“, schreibt das Landratsamt auf Nachfrage unserer Zeitung. Tatsächlich wird weithin davon ausgegangen, dass sich die Altenpflege und Krankenhäuser die Arbeitskräfte untereinander streitig machen. So hatten die Waldkliniken in Eisenberg jüngst mit 3000 Euro Prämie geworben. „Wir haben im vergangenen Jahr tatsächlich 50 Pflegefachkräfte und 19 Auszubildende gewinnen können“, sagt Bastian Guntermann, Sprecher der Waldkliniken. Allerdings seien unter den nun 250 Pflegekräften nur sehr wenige Altenpfleger. „Das war auch nicht unser Ziel.“ Allerdings würden alle examinierten Pflegekräfte beim Verdienst gleich eingestuft. Man punkte aber nicht nur mit Geld, sondern auch mit besserer Arbeitsatmosphäre in einem eher kleinen Krankenhaus.

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