Psychiatrische Klinik Eisenberg geht 2019 in Betrieb

Eisenberg  Außenstelle der psychiatrischen Abteilung des Klinikums Gera bringt Personal nach Eisenberg

In der Carl-von-Ossietzky-Straße entsteht zur Zeit eine psychiatrische Tagesklinik als Außenstelle des SRH Waldklinikums in Gera. Foto:

In der Carl-von-Ossietzky-Straße entsteht zur Zeit eine psychiatrische Tagesklinik als Außenstelle des SRH Waldklinikums in Gera. Foto:

Foto: zgt

Thomas Jochum hat es bereits vor seinem inneren Auge: „Hier entsteht ein großer Raum für Bewegungstherapie, fast so etwas wie eine kleine Muckibude.“ Dabei blickt er durch großflächige Fenster nach unten auf die Carl-von-Ossietzky-Straße. Hier, im Gebäude der Firma Colanar, entsteht gerade eine psychiatrische Tagesklinik. Sie wird eine Außenstelle der Fachabteilung Psychiatrie und Psychotherapie des SRH Waldklinikums in Gera sein und soll im Bereich der Tagesklinik die Behandlung von etwa 25 Patienten gleichzeitig ermöglichen.

„Menschen wie du und ich“

Vorgesehen ist die Einrichtung im aktuellen Thüringer Krankenhausplan. Tatsächlich können hier deutlich mehr Patienten behandelt werden. „Aber sie sind in der Regel nur tageweise hier“, sagt Thomas Jochum. Er ist Chefarzt der Fachabteilung des Geraer Klinikums. Damit wird ihm auch die Tagesklinik unterstellt sein. „Geleitet wird sie von einer Oberärztin.“ Es würden bei Arbeitsbeginn einige Mitarbeiter von Gera nach Eisenberg versetzt. Ein Einsatz von Mitarbeitern an beiden Betriebsstätten ist nicht vorgesehen: „Wir wollen niemanden zum Springer machen.“

Für Gera werde man sich nun daran machen, Ersatzarbeitskräfte für die sich auftuenden Lücken zu finden – bis Jahresende ist auch noch etwas Zeit. Spätestens Anfang 2019 soll die Arbeit hier aufgenommen werden – vielleicht auch früher. „Wir gehen natürlich davon aus, dass unser Vermieter ein Interesse daran hat, dass wir zügig anfangen können.“ Mit dem Gebäude selbst ist Jochum indes bisher sehr zufrieden. Man habe sich andere mögliche Räume angesehen – hier hat man nun die Ideallösung gefunden. „Das Stereotyp für eine Tagesklinik ist ja eine alte Villa“, berichtet er. Es sei aber auch gängig, dass solche Einrichtungen in Containern zu Hause seien. In dem gewählten Gebäude habe man Wünsche äußern und zusammen mit dem Eigentümer planen können. Erst einmal läuft der Mietvertrag für zehn Jahre, sagt der promovierte Mediziner. Noch ist der Raumplan auf der Baustelle nicht recht zu erkennen, er findet sich bisher nur auf dem bunten Bauplan. „Hier ist der barrierefreie Zugang mit Fahrstuhl möglich“, sagt er. Bisher gibt es lediglich ein Loch im Fußboden, der Zugang erfolgt noch über die benachbarte Firma. Wände und Decken gibt es bisher nur teilweise – nur dank zahlreicher Metallpfeiler lässt sich erkennen, wo die Wände später entlanglaufen.

Neben den Arbeits- und Therapieräumen der Tagesklinik findet sich noch eine Art Wohnbereich, wo Patienten sich zum Beispiel Mahlzeiten zubereiten können. Das, so Jochum, habe therapeutische Zwecke. Sei etwa jemand seit Jahren arbeitslos und nicht mehr in der Lage, einen geregelten Tagesablauf herzustellen, dann sei beim Besuch in der Tagesklinik das Zubereiten eines Frühstücks ein guter Auftakt, den eigenen Trott aufzugeben. In Gera behandle man bereits viele Patienten aus der Region rund um Eisenberg – es gebe zudem eine lange Warteliste. Die soll nun kürzer werden, wie auch die Wege. Wer Angsterkrankungen hat, Depressionen oder eine Belastungsreaktion zeigt, dem kann in der Tagesklinik geholfen werden. Zwangserkrankungen könnten ebenfalls behandelt werden. In vielen Fällen würden verschiedene Gruppentherapien helfen – mitunter in wechselnder Zusammensetzung. „Je nach Therapieplan.“

Doch auch Suchtkranke, von denen es nach Einschätzung des Arztes vor allem durch Crystal Meth immer mehr gibt, finden vor Ort eine Anlaufstelle. „Allerdings bleibt hier der Verein Wendepunkt federführend in der Region“, sagt er. Der Sozialarbeiter werde den Kontakt zur Einrichtung etablieren, die Kollegen seien ihm bereits bekannt.

Ebenfalls eingerichtet wird ein sogenannter Pia-Bereich – für psychiatrische Institutsambulanz. Dafür wird es einen separaten Empfang geben. Mancher, der hierher kommt, kann in einem normalen Wartezimmer mit anderen nicht bleiben. Dennoch kann hier zum Beispiel eine Medikamenten-Gabe vorgenommen werden. Sorgen machen muss sich aber niemand: „Die meisten, die als Patienten zu uns kommen werden, sind Menschen wie du und ich, die für einen überschaubaren Zeitraum Hilfe brauchen.“

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